Einbruch Symbolbild. - © Ulf Hanke
Einbruch Symbolbild. | © Ulf Hanke

Höxter Kommentar: Der Einbruch eines Flüchtlings ist ein "Bärendienst"

Höxter. Keine 24 Stunden sind das Offiziersheim und das Stabsgebäude eine Notunterkunft für Flüchtlinge, da muss die Polizei einen Wohnungsbruch und einen Diebstahl eines 18-jährigen Asylbewerbers melden. Als gestern Vormittag die Redaktion diese Pressemitteilung erhielt, war ich wütend und enttäuscht. Unzählige ehrenamtliche Helfer opfern ihre Freizeit, um den von Not und Krieg gezeichneten Hilfsbedürftigen Obdach und Essen zu geben. Der Staat nimmt zudem viel Steuergeld in die Hand, um die selbstverständliche humanitäre Aufgabe zu stemmen – und ein 18-Jähriger nutzt diese Solidarität aus. Er hat nicht nur die vielen Engagierten enttäuscht, sondern vor allem den ehrlichen Flüchtlingen einen Bärendienst erwiesen. Denn die Gefahr ist groß, dass aus dieser Einzeltat Misstrauen gegenüber allen Flüchtlingen erwächst. Das wäre eine fatale Entwicklung. Denn die bisherige Erfahrung der Polizei mit den großen Unterbringungseinrichtungen in Borgentreich und Bad Driburg zeigt, dass es zwar aufgrund der großen Menschenmenge aus unterschiedlichen Nationen tatsächlich immer mal wieder zu kleineren Zwischenfällen kommt, ein signifikanter Anstieg der Kriminalität aber keinesfalls zu verzeichnen ist. Nach einigen Momenten der Wut habe ich mir die erschöpften, aber fröhlichen Gesichter von der Ankunft der Flüchtlinge am Vorabend ins Gedächtnis gerufen. Einer erzählte, sie seien mehr als einen Monat auf der Flucht gewesen. Ihre Geschichten von Leid, Krieg und Tod bleiben an diesem Abend unausgesprochen. Auch wenn wir sie nicht kennen, sind sie es doch, die uns zur Hilfsbereitschaft mahnen. Dieses Engagement wird in den kommenden Wochen und Monaten mehr denn je gefragt sein. Wer wütend ist wie ich, der schaue weg von dem Einzelnen hin zu den vielen, die unendlich dankbar für unsere Hilfe sind. Schauen wir hin! Kontakt zum Autor

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