Kunstwerk entsteht auf dem Fußboden: Um sich herum hat Michaela de Luxe die Farben, Stifte und Tiegel im Wohnzimmer ausgebreitet, kann sich dabei auch mal die ganze Nacht in die Entstehung eines Bildes vertiefen. - © FOTOS: SIMONE FLÖRKE
Kunstwerk entsteht auf dem Fußboden: Um sich herum hat Michaela de Luxe die Farben, Stifte und Tiegel im Wohnzimmer ausgebreitet, kann sich dabei auch mal die ganze Nacht in die Entstehung eines Bildes vertiefen. | © FOTOS: SIMONE FLÖRKE

Höxter Zarte Buntstift-Linien, die begeistern

Michaela de Luxe (32) stellt ihre Bilder international aus / Mehrere Preise für Höxteranerin

Simone Flörke
06.01.2015 | Stand 06.01.2015, 16:59 Uhr |

Höxter. "Kunst ist Liebe am Leben" steht auf einem vor ihr entworfenen Autosticker. Michaela de Luxe liebt das Leben. Und sie liebt die Kunst. Und die kommt an. Mehrfach bereits ist die 32-Jährige, die seit 2001 in Höxter zu Hause ist, dafür im Ausland ausgezeichnet worden. In Verona oder zuletzt vom Sohn des großen Dalí in Paris, hat Einladungen zu Events bekommen, war in hochwertigen Katalogen zu Ausstellungen zu sehen. Darauf ist sie stolz. Aus Barcelona hat sie eine Anfrage aus dem Picasso-Museum für April bekommen. Über sie und ihre Bilder wird gesprochen. Auf dem Boden ihres Wohnzimmers in der Corbiestraße in Höxter hat Michaela de Luxe (bürgerlich: Übelmesser) Stifte, Farbtuben, Tiegel und einen kleinen Handfeger rund um das Bild verteilt, das gerade entsteht. "Ich lege oder sitze beim Arbeiten am Bild auf dem Boden", erzählt sie lächelnd dem erstaunten Gegenüber. Staffelei oder die große Tischplatte? Sie schüttelt den Kopf. Nicht ihr Ding. "Hier auf dem Boden kann ich mich richtig vertiefen, eintauchen in meine Welt", sagt sie. Und schon mal die Zeit vergessen und die Nacht durcharbeiten. "Ich bin aber sehr diszipliniert", sagt sie, angesprochen auf ihren Beruf: Die 32-Jährige ist Zahntechnikerin, muss am nächsten Morgen spätestens 8 Uhr im Labor sein. Für sie kein Problem. Was sie macht, das macht sie zu 100 Prozent - oder gar nicht, erklärt sie entschieden. "Da bin ich ganz Steinbock." Selbstbewusst, durchsetzungs- und willensstark. Genau so geht sie auch an die Kunst heran. Buntstifte sind ihre große Leidenschaft. Und das künstlerische Handwerkszeug, mit dem sie ihre intensiven, emotionalen und nach eigener Aussage verträumten und harmonischen Werke auf Papier oder Leinwand bringt. Mal kombiniert als Collage, mal mit Öl oder mal ganz pur. In jedem Fall faszinierend, mit Tiefe und intensiver Stimmung. Denn ungewöhnlich fein und sehr zart setzt sie dabei die Linien auf den Malgrund. Manchmal habe sie ein Bild im Kopf, manchmal entstehe es während des kreativen Schaffens. In jedem Fall sei es fertig, wenn es ihr gefalle. Bis dahin kann es schon mal einige Wochen ruhen. "Damit habe ich wohl meine Nische gefunden", kommentiert sie die Aufmerksamkeit, die nicht nur ihre filigranen Siegerbilder "Der Traum" und "Nebel der Gefühlswelt" bekommen haben. "Davon hatte ich schon als Kind geträumt", erinnert sie sich und schmunzelt: "Ich wollte Feministin und Künstlerin werden." Die Eltern hätten ihr aber nahegelegt, vernünftig zu sein und erst mal "einen richtigen Beruf zu lernen". Mit dem Besuch des Waldorf-Internates in Schloss Hamborn (Kreis Paderborn) auf eigenen Wunsch suchte sie das Abenteuer und testete ihre Grenzen aus, sagt sie. Dort hatte sie auch die Ruhe zum Malen und Zeichnen, entdeckte ihre besondere Technik. "Zu Hause in Saarbrücken gab?s Fernsehen - das lenkte ab. In Schloss Hamborn gab es das nicht, dort musste ich mich beschäftigen und habe gemalt." Dem Kunstlehrer sei das allerdings zu abstrakt gewesen. Aber das Künstlerische liege wohl ein bisschen in der Familie: Ihre Mutter ist Konstrukteurin, malt realistisch, ein weitläufiger Onkel schreibt Gedichte. Sie selbst gestaltet auch Silberschmuck oder Dekoelemente, lebt ihre Kreativität aus. Die wird auch in ihrem Beruf als Zahntechnikerin gefordert, betont sie: "Zahntechniker sind in der Regel gute Zeichner." Und haben viel Geduld. Hartnäckigkeit zeigte Michaela de Luxe auch, als es darum ging, ihre Bilder öffentlich zu zeigen: "Du hast nicht studiert? Keine Chance!", das hörte sie damals von vielen Seiten. Doch sie klopfte an viele Türen. Die wurden geöffnet. Sie legte sich den Künstlernamen zu - eine Marke für Qualität - bewarb sich, zeigte ihre Bilder in einer Galerie in Paderborn oder bei der Kunstmesse in Köln, bei Ausstellungen in Mailand oder Graz. Mittlerweile bekommt sie Einladungen. "Ich liebe Vernissagen, möchte am liebsten jedes Mal dabei sein." Das sei nicht immer möglich - zeitlich und finanziell. Doch Michaela de Luxe schätzt besonders ihre Unabhängigkeit, wählt gezielt aus: "Ich bin mein eigener Sponsor." Ihr größter Traum? "Meine Bilder einmal in New York auszustellen." www.michaela-de-luxe.de

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