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Hans-Peter Neitzke vom Ecolog-Institut. - © FOTO: NW
Hans-Peter Neitzke vom Ecolog-Institut. | © FOTO: NW

Kreis Höxter Offene Fragen beim Gesundheitsschutz

Geplante Stromtrasse: 250 Zuhörer bei Expertenrunde in der Beverunger Stadthalle

VON MANUELA PULS
14.06.2014 | Stand 13.06.2014, 21:19 Uhr

Kreis Höxter. Die vom Kreis Höxter einberufene Expertenrunde in der Beverunger Stadthalle brachte keine Klarheit, ob die umstrittene Südlink-Stromtrasse krankmachen könnte oder nicht. Es gebe einfach zu wenig Forschung, betonten die Wissenschaftler unisono vor etwa 250 Zuhörern.

Voraussichtlich soll sich die Strahlung durch die starke Gleichstromleitung im Bereich des Erdmagnetfelds (50 Mikrotesla) bewegen. Für Hans-Peter Neitzke vom Ecolog-Institut aus Hannover jedoch kein Grund zur Entwarnung: "Dass es dann keine gesundheitlichen Auswirkungen geben soll, ist mir zu kurz geschlossen."

Der Experte empfiehlt eine Begrenzung der Zusatzbelastung durch die Stromtrasse auf 0,1 Mikrotesla - derzeit wären allerdings 500 Mikrotesla erlaubt. "Wenn wir den Grenzwert so weit herabsetzen, wären wir auf der sicheren Seite", so der Fachmann aus Hannover.

Die Stromleitung müsste seiner Ansicht nach dann etwa 500 bis 600 Meter von den nächsten Häusern entfernt sein. Im neuen Landesentwicklungsplan für NRW sind Abstände von 400 Metern zu Ortslagen und 200 Meter im Außenbereich vorgesehen. Verabschiedet ist das Papier allerdings noch nicht.

Auch Rüdiger Matthes beklagte in Beverungen die dürftige Forschungslage zum Thema Gleichstrom. "Sie hören auch von mir ganz oft 'vielleicht' und 'möglicherweise'", so der Experte vom Bundesamt für Strahlenschutz. Einen Zusammenhang mit Krebserkrankungen könne man derzeit wissenschaftlich nicht belegen.

Christoph Thiel vom Netzbetreiber TenneT wies darauf hin, dass man allein durch die Bauweise der Masten die Strahlung stark verringern könne. Solche technischen Möglichkeiten würden auch ausgeschöpft.

Mit Moderatorin Christine Etrich (r.). - © FOTO: NW
Mit Moderatorin Christine Etrich (r.). | © FOTO: NW

Elke Stöcker-Meier vom Düsseldorfer Umweltministerium will die Akzeptanz für die Stromtrasse in der Bevölkerung durch möglichst weitreichende Schutzvorschriften verbessern. "Es gibt Hinweise auf gesundheitsschädigende Wirkungen auch weit unterhalb der Grenzwerte, deswegen müssen wir das Risiko minimieren", sagte sie in der Beverunger Stadthalle. Bedauerlicherweise habe die Bundesregierung das Thema Gesundheitsschutz zu spät bedacht. Derzeit sei aber eine entsprechende Verordnung in Vorbereitung. "Wir hoffen auf eine schnelle und anspruchsvolle Vorsorgeregelung", so die Vertreterin der Landesregierung.

Das kommt vielen zu spät, wurde aus den Wortmeldungen in der anschließenden Fragerunde deutlich. Thomas Vollmer aus Bökendorf nannte es "unverantwortlich", die Stromtrasse zu planen, ohne vorher die Gesundheitsrisiken abzuklären.

Ein Zuhörer aus Bökendorf berichtete in der Stadthalle von elf Krebsfällen in unmittelbarer Nähe zu den vorhandenen Wechselstrom-Hochspannungsleitungen. Andere Diskussionsteilnehmer forderten ein größeres Mitspracherecht der betroffenen Kommunen ein. Andreas Böker aus Beverungen-Dalhausen war nach dem Informationsabend nicht viel schlauer als vorher: "Die Aussagen zu den gesundheitlichen Auswirkungen waren sehr dürftig."

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