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Das 1903 gebaute Haus Krus in Bellersen soll zu einem Anlaufpunkt westfälischer Heimatkunde und Heimatpflege umgebaut werden. - © Hermann Ludwig
Das 1903 gebaute Haus Krus in Bellersen soll zu einem Anlaufpunkt westfälischer Heimatkunde und Heimatpflege umgebaut werden. | © Hermann Ludwig

Brakel Projekt „Haus Krus – Ein Ort mit Geschichte(n)“ für Brakel

Das Wohnhaus des langjährigen Heimatgebietsleiters soll zu einem Ort der Begegnung umfunktioniert werden

Hermann Ludwig
30.09.2019 | Stand 30.09.2019, 16:33 Uhr

Brakel-Bellersen. Das Projekt „Haus Krus – Ein Ort mit Geschichte(n)" kann in Angriff genommen werden. Im Juni 2018 war der langjährige Orts- und Kreisarchivar Horst-Dieter Krus aus Bellersen gestorben. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Kreisarchivar war er auch als Heimatgebietsleiter für die Kreise Höxter und Paderborn und in Ehrenämtern der westfälischen Heimatpflege und -kunde, als Autor heimatkundlicher Bücher und Veröffentlichungen sowie in forschender Funktion tätig. Die Politik stimmte für das Ansinnen des Heimat- und Verkehrsvereins, das 1903 gebaute Backsteinhaus in der Ortsmitte Bellersens zu einem zentralen Ort der Begegnung und des Austausches über die Geschichte des ehemaligen Hochstiftes Paderborn und des Corveyer Landes werden zu lassen. Für das Projekt können Fördermittel aus dem Förderprogramm „Heimat-Zeugnis" des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalens beantragt werden. Förderungswürdig sind Projekte und Maßnahmen, mit denen in herausragender Weise lokale und regionale Geschichte, Traditionen sowie lokale und regionale Besonderheiten aufgearbeitet und öffentlich präsentiert werden. Dies umfasst auch die Einbeziehung des Präsentationsortes sowie die Herrichtung oder Inszenierung von historischen Gebäuden, Museen, Plätzen oder Orten. Auch der Grunderwerb ist förderfähig. Gesamtausgaben des Projektes Die Gesamtausgaben dieses Projektes betragen etwa 690.000 Euro inklusive des Grunderwerbs, die Förderquote beträgt 80 Prozent. Der HVV sieht sich nicht in der Lage, ein Projekt in dieser Größe zu finanzieren. Angedacht ist daher, dass die Stadt Brakel das Grundstück erwirbt und einen Förderantrag bei der Bezirksregierung Detmold einreicht. Als Betreiber des Hauses sieht sich der HVV verantwortlich. Die Hälfte des Eigenanteils (67.900 Euro) könne durch ehrenamtliches Engagement erbracht werden. Der HVV hat hier seine Unterstützung zugesagt und ist bereit die Arbeiten im Archiv, Museum und in der Dauerausstellung sowie diverse Arbeiten beim Bauvorhaben zu übernehmen. Bei der Stadt Brakel verbleiben neben der Hälfte des Eigenanteils zudem die Kosten für die Destille in Höhe von 11.000 Euro. Die Kosten von 80.000 Euro sollen im Haushalt 2020 bereitgestellt werden. Der HVV hat ermittelt, dass pro Jahr Betriebskosten in Höhe von rund 10.000 Euro entstehen, die zur Hälfte vom HVV getragen werden sollen. Nachlass von etwa 20.000 Büchern Der Nachlass des ehemaligen Kreisarchivars Krus umfasst unter anderem eine Fachbibliothek mit etwa 20.000 Büchern und Schriften sowie verschiedene Sammlungen mit lokalem Bezug. „Das Projekt dürfte für die ganze Region eine Bereicherung des kulturellen Angebots darstellen und hätte insbesondere für die Kreise Höxter und Paderborn einen hohen Stellenwert. Ein unschätzbarer Wert des Erbes von Horst-Dieter Krus liegt unter anderem in einer einzigartigen Bibliothek zur Regional- und Lokalgeschichte sowie in einem umfassenden Bildarchiv. Dieser Schatz wird mit dem Projekt bewahrt und der Öffentlichkeit sowie der Forschung zugänglich gemacht", so der HVV. Der Nachlass ist nach Expertenmeinung aufgrund des fachlichen Hintergrundes von Horst-Dieter Krus in der vorliegenden Form in der Region einmalig und daher zwingend zu erhalten. Hierzu wird geplant, das ehemalige Wohnhaus zu sanieren und einen multifunktionalen Raum als Neubau zu errichten. Es ist ausdrücklicher Wille der Verantwortlichen der Heimatkunde und Heimatpflege des Kreises Höxter, des Heimat- und Verkehrsvereines Bellersen (HVV), der Bürger und der Ortschaft Bellersen, aber auch der Erbin des Nachlasses, dass die umfangreiche Sammlung in angestammter Umgebung verbleibt und somit auch zukünftig Interessierten offensteht. Archiv, Schaudestille und Dauerausstellung Im Mittelpunkt des geplantes Vorhabens stehen neben dem Archiv auch die Schaudestille der Edelobstbrennerei Bellersen sowie eine Dauerausstellung zu den Themen Annette von Droste-Hülshoff, Tatort Judenbuche mit dem historischen Hintergrund sowie die Gebrüder Grimm, Romantikerkreis und Märchen. Auch der derzeit verwilderte Garten mit seltenen Pflanzen und Bäumen soll später zugänglich gemacht werden. Dies ist aber nicht Bestandteil des Förderantrags.

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