Haben die Primarstufe geplant: Kolping-Schulwerk-Geschäftsführer Ulrich Woschner (v. l.), Kreisdirektor Klaus Schumacher und Schulleiter Dietmar Overbeck. - © Katharina Thiel
Haben die Primarstufe geplant: Kolping-Schulwerk-Geschäftsführer Ulrich Woschner (v. l.), Kreisdirektor Klaus Schumacher und Schulleiter Dietmar Overbeck. | © Katharina Thiel

Brakel Brakeler Förderschule nimmt ab Sommer auch jüngere Kinder auf

Zum neuen Schuljahr begrüßt Leiter Dietmar Overbeck die Klassen 3 und 4

Katharina Thiel
12.07.2019 | Stand 12.07.2019, 19:58 Uhr

Brakel. Vor vielen Jahren gab es noch sechs Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen im Kreis Höxter. Doch weil diese mindestens 144 Schüler betreuen müssen, um als staatliche Schule arbeiten zu dürfen, wurden alle nach und nach geschlossen. Privatschulen sind nicht an diese Mindestmenge gebunden. Und so war zum Schuljahr 2016/17 die neue Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen im Sek. I-Bereich des Kolping-Schulwerkes in Brakel geboren. Mehr als 70 Schüler waren beim Start dabei. Zum kommenden Schuljahr 2019/20 wird in den Räumlichkeiten des Berufsbildungswerkes eine neue Primarstufe für den Einstieg der Kinder in das Schulsystem eingerichtet. „Teile des Internats werden adressatengerecht umgebaut", sagt Kolping-Schulwerk-Geschäftsführer Ulrich Woischner. Erst vor wenigen Wochen habe die Schule die schriftliche Genehmigung der Bezirksregierung dafür bekommen. Jetzt könnte Schulleiter Dietmar Overbeck die Klassen 1 bis 4 unterrichten, er belässt es aber zunächst beim dritten und vierten Jahrgang. Da die Schüler in den ersten beiden Klassen meist in der Nähe ihres Wohnortes eine Grundschule besuchen, ergebe sich der Bedarf, die für den Kreis Höxter zentrale Förderschule in Brakel zu besuchen, erst später. Es sind noch Plätze frei In den Ferien wird nun umgebaut, die Möbel für die späteren Klassenräume stehen bereit. Finanziert wird die Primarstufe auch durch die Unterstützung des Kreises Höxter, der 80.000 Euro als Finanzspritze beisteuert. „Wir sind froh, dass wir dem Elternwillen entsprechen können", sagt Kreisdirektor Klaus Schumacher, der das Kolping-Schulwerk für seine Arbeit lobt. Zusätzliche Gelder kommen vom Förderverein und aus Spenden. „Wir haben schon einige Anmeldungen, haben aber auch noch Plätze frei", so Overbeck. Die Schule sei die ganze nächste Woche noch besetzt, betont er. „In der Primarstufe möchte ich nicht über zehn bis zwölf Schüler gehen." Nur so sei eine individuelle Betreuung der Kinder mit „multiplen Problemlagen" möglich. „Wir kümmern uns um Menschen, die sich in einer bestimmten Notlage befinden", sagt Woischner. Welcher Art diese Notlage sei, lasse sich pauschal nicht sagen. „Wir sind ein kleines System", so der Schulleiter. „Ich kenne hier jeden Schüler mit Vornamen. Der persönliche und vertraute Kontakt ist elementar." Zu Beginn des neuen Schuljahres werden in der Primarstufe vor allem die Themen Kommunikation und Respekt eine Rolle spielen. Denn das „Respektieren mit seinen Eigenheiten" sei genau das, was die Schüler bis zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch nicht erlebt haben. „Das wird gerade am Anfang ein Hauptschwerpunkt sein", so Overbeck. Woischner ergänzt: „In einem Wohlfühlklima fällt das Lernen leichter." Selbstverständlich lernen die Kinder Lesen und Schreiben, erledigen Mathematikaufgaben und erhalten erste Einblicke in Sachkunde-Themen. "Bildungskette" macht den Unterschied Die „Bildungskette" in der Förderschule mache den Unterschied, sagt Overbeck. Auch Woischner betont den „stufenweisen Aufbau", der es den Schülern ermöglicht, von der Primarstufe bis zum allgemeinen Berufskolleg oder Förder-Berufskolleg an einer Schule zu bleiben. Denn je beeinträchtigter „ein junger Mensch ist, desto wichtiger ist es, dass er wenige Bezugspersonen hat." Auch der Schulhof soll umgestaltet werden, das alleine wird fast 60.000 Euro kosten. „Es ist wichtig, dass unsere Schülerinnen und Schüler Bewegungsmöglichkeiten haben und zur Ruhe kommen können", sagt der Schulleiter. Auch Bereiche, in denen Gemüse angepflanzt wird, um es im Hauswirtschafts-Unterricht zu nutzen, soll es geben. Die Hochbeete dafür werden in den eigenen Werkstätten gebaut. „Wenn sie selbst an der Planung und Umsetzung teilgenommen haben, gehen sie auch anders damit um", ist sich Overbeck sicher.

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