In der Werkstatt: Jedes Stück aus Porzellan ist bei Melanie Aigner ein handgefertigtes Unikat. - © Manuela Puls
In der Werkstatt: Jedes Stück aus Porzellan ist bei Melanie Aigner ein handgefertigtes Unikat. | © Manuela Puls

Brakel Bökendorfer Porzellan-Designerin hat ein besonderes Faible für Frösche

Die Designerin Melanie Aigner wohnt in Bökendorf und macht Porzellan-Unikate. Luigi Colani ermunterte sie einst zum Kunst-Studium

Bökendorf. Melanie Aigner liebt Porzellan. Auf ihren selbst gemachten schneeweißen Tassen, Vasen oder Teekannen tummeln sich kleine Frösche: Die sind ihr Markenzeichen. Vor vier Jahren kaufte die Designerin mit ihrem Lebensgefährten ein altes Haus in Bökendorf und richtete sich dort eine kleine Werkstatt ein. Schon als Kind zeichnete und malte Melanie Aigner für ihr Leben gern. „In der Schule war ich in Kunst immer super", erzählt die 57-Jährige. Sie lernte zwar den Beruf der Erzieherin, doch die Kunst ließ sie einfach nicht los. Als es dann eine Zeit lang schwierig war, einen Job als Erzieherin zu finden, entschloss sich die gebürtige Bad Rothenfelderin zu einem Kunststudium: „Meine Mama hat damals zu mir gesagt: Mach das doch!". Sonderlob von Designer Luigi Colani Dass sie tatsächlich den Mut fasste, sich der Begabtenprüfung an der Fachhochschule in Krefeld zu stellen, dafür sorgte kein Geringerer als Luigi Colani. Melanie Aigner gelang es, einen Termin bei dem bekannten Designer auf Schloss Harkotten zu bekommen und ihm einige Arbeiten zu zeigen. „Du machst ja schöne Sachen", sagte Colani und gab ihr gleich einen kleinen Auftrag. Das war ein Motivationsschub für die junge Frau: „Da war ein Mann vom Fach, der zu mir gesagt hat: Du kannst so etwas." Während des Studiums legte sie ihren Schwerpunkt auf Keramik. „Vor allem Porzellan fand ich sofort toll, dieses Feine, dieses Reproduzierbare. Dinge für den täglichen Gebrauch zu machen", erklärt die Diplom-Designerin. Eigentlich träumte sie wie viele Kommilitonen davon, Werksdesignerin in einer kleinen Manufaktur zu werden. Doch daraus sollte nichts werden: „Das Porzellan ging damals langsam den Bach runter. Geschirr muss heute billig sein, die Tischkultur wird sträflich vernachlässigt", klagt die quirlige, kleine Frau. Die praktischen kleinen Frösche Vorbei seien die Zeiten, wo das gute 24-teilige Geschirr im Schrank gehütet und bei feierlichen Anlässen für die große Tafel hervorgeholt wurde. „Die Wertigkeit hat sich verschoben, das ist heute eben eine Ex- und Hopp-Gesellschaft", sagt die Künstlerin, die sich deswegen eher eine Nische suchen musste. Nach der Geburt ihrer Tochter arbeitete sie eine Zeit lang selbstständig, hatte sogar einen Laden in der alten Wassermühle zu Bentrup in Bielefeld-Heepen. Doch dann gab es private Veränderungen. Um ihr Auskommen zu haben, ging sie wieder als Erzieherin arbeiten. Heute betreut sie Kinder im offenen Ganztag in Detmold – und Porzellan macht sie so nebenbei. Fast jedes ihrer Stücke hat irgendwo einen oder mehrere Frösche. „Mal knutschen sie, mal strecken sie die Zunge raus", sagt die Künstlerin lachend. Die Tiere könnten sich so wunderbar an Dingen festklammern und seien in vielen Kulturen positiv besetzt: In Ägypten kündigen sie das Nil-Hochwasser an und stehen für Fruchtbarkeit, im asiatischen Raum für Wohlstand, in den USA gelten sie als Glücksbringer. „Und dann natürlich das Märchen vom Froschkönig, deswegen haben meine Frösche auch häufig eine Krone und eine goldene Kugel dabei", sagt Melanie Aigner. Besonders mag sie eine große Teetasse mit einem Frosch, in dessen Maul man das Pappkärtchen vom Teebeutel festklemmen kann. Porzellan als ein vom Menschen gemachter Rohstoff Ihr handgefertigtes Porzellan zeigt die 57-Jährige heute auf Märkten wie dem Wehrdener Herbstcocktail oder demnächst bei Hedera und Bux in Schloß Neuhaus. Tassen, Kannen, Vasen, Tortenplatten, Schalen, Salz- und Pfefferstreuer – sogar Armreifen aus Porzellan: Alles wird herstellt in ihrer kleinen Bökendorfer Werkstatt mit den Brandöfen. „Im Gegensatz zu Ton, der ja in der Natur vorkommt, ist Porzellan ein vom Menschen gemachter Rohstoff", erklärt die Fachfrau. Die Masse wird in Formen gegossen, dann werden die einzelnen Teile zusammengesetzt, bearbeitet, getrocknet, gebrannt, glasiert und wieder gebrannt. In jedem Stück Porzellan stecken viele Arbeitsschritte: „Ich habe zum Beispiel eine Gussform für die Frösche. Anschließend bekommt aber jeder Frosch seinen individuellen Gesichtsausdruck und seine Körperhaltung." Jedes ihrer Werkstücke ist eben ein Unikat – ein Einzelstück mit Charakter. www.porzellan-design-aigner-vois.de

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