Die große Angst vieler Väter ist, etwas falsch zu machen. - © Pixabay
Die große Angst vieler Väter ist, etwas falsch zu machen. | © Pixabay

Brakel Männer und ihre Ängste: Selbstbewusst Vater werden

Eigene Kinder zu bekommen, stellt Paare vor große Herausforderungen. Sven Dietrich hat einen Weg gefunden, sich diesen zu stellen

Höxter/Brakel. Seine größte Angst vor der Geburt seiner heute sechs Monate alten Tochter sei immer gewesen, etwas falsch zu machen, sagt Sven Dietrich. "Und natürlich, dass bei der Geburt etwas schief gehen könnte." Der 37-Jährige steht in seinem Tierbedarfs-Laden in Brakel, den er von seinem Vater übernommen hat, und strahlt übers ganze Gesicht. Er war bei der Niederkunft seiner Partnerin dabei und wirkt stolz: "Ich hatte keine Ahnung, wie ich - wie mein Körper reagieren würde, wenn ich das viele Blut sehe." Letztlich sei er sehr ruhig geblieben. "Und ich glaube, dass das meiner Freundin geholfen hat, selbst die Ruhe zu bewahren." Wenn Paare eine Familie gründen, ist gegenseitige Unterstützung wichtig. Doch gerade in dieser Beziehungsphase zeige sich oft, dass traditionelle Geschlechterrollen auch heute nicht passé sind. Nicht zuletzt vonseiten ihrer Arbeitgeber erhielten um Gleichberechtigung bemühte Paare häufig Gegenwind, berichtet Sozialarbeiter Uwe Börner: "Wenn Väter Elternzeit nehmen wollen, sind viele Firmenchefs der Meinung, dass sie das ihren Frauen überlassen sollten." Auch Väter spielen eine Rolle im Kreißsaal Darüber hinaus seien auch Schwangerschaft und Niederkunft Erfahrungen, an denen die Partner mehr teilhaben könnten, sagt der Gynäkologe Josef Molitor. Werdende Väter wüssten jedoch oft nur wenig über den Schwangerschaftsverlauf und darüber, wie sie ihre Partnerinnen unterstützen können: "Als Arzt habe ich die Erfahrung gemacht, dass Männer sich im Kreißsaal wie das fünfte Rad am Wagen fühlen." Sven Dietrich hat deshalb an einem Geburtsvorbereitungskurs für Väter teilgenommen. Den Kurs veranstalteten Börner und Molitor, sowie der Gynäkologe Dirk Schulze im vergangenen Jahr im St.-Ansgar-Krankenhaus in Höxter. Initiatorin war die Schwangerenberatungsstelle Donum Vitae, die den Kurs in diesem Jahr erneut anbieten will. "Der Kurs hat mir sehr geholfen" sagt Dietrich. "Einfach zu wissen, was da alles auf mich zukommt, war beruhigend." Männer sprechen über ihre Sorgen und Ängste Im "Crashkurs Vater werden" lernte Dietrich gemeinsam mit anderen Männern die verschiedenen Phasen einer Schwangerschaft kennen. Auch auf den Tag der Entbindung und den Krankenhausaufenthalt wurden die Teilnehmer vorbereitet. "Meine Freundin lag drei Tage lang in den Wehen. Während dieser Zeit habe ich noch gearbeitet. Durch den Kurs wusste ich, dass ich, wenn die Geburt losgeht, noch genügend Zeit haben würde, ins Krankenhaus zu fahren." Nicht zuletzt sei es in dem Kurs aber auch um mögliche psychische Erfahrungen der Partnerinnen vor und nach der Geburt gegangen. "Das Thema Wochenbettdepression wurde zum Beispiel angeschnitten." Dietrich lächelt: "Damit wir auch verstehen, warum sich unsere Freundinnen in diesen Zeiten vielleicht seltsam verhalten." Viel Zeit habe es außerdem gegeben, sich untereinander über Erfahrungen und Sorgen auszutauschen. Thema Elternzeit Der junge Vater wirkt glücklich, auch jetzt, wo er zwischen Tierfutter und Aquarien seinen Laden leitet. Ob er Angst habe, zu wenig Zeit mit seiner Tochter zu verbringen? "Überhaupt nicht. Ich stehe morgens um sechs Uhr mit der Kleinen auf. Meine Freundin kann dann weiterschlafen." Die ersten Stunden am Tag sei Dietrich zuständig fürs Wickeln, Fläschchen geben und für die Bespaßung. "Drei Stunden intensive Beschäftigung mit meinem Kind sind schon viel", sagt er. Außerdem sei da ja auch noch seine Mittagspause und gelegentlich abends noch eine halbe Stunde. Elternzeit wird Dietrich allerdings nicht nehmen. Sein Geschäft vorübergehend in anderer Leute Hände zu geben, kann er sich nicht vorstellen. "Das passt nicht so wirklich, ich kann mich einfach nicht losreißen." Seine Lebensgefährtin, die selbst, bis sie Mutter wurde, als Kauffrau im Betrieb arbeitete, könne seinen Part nicht ersetzen. "Klar, für sie Ersatz zu finden, war auch nicht leicht", doch selbst sein Vater habe nicht mehr das nötige Know-how, um für ihn einzuspringen: "Nach der Übernahme habe ich noch eine Abteilung mit Modellbau-Zubehör eröffnet", erläutert Dietrich.

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