Jung-Unternehmer: Philipp Fögen (v.l.), Nick Hillebrand, Johannes Lehmann, Celine Böth und Maike Gößling wollen an ihrer Schule eine Genossenschaft für den Umweltladen gründen. - © Manuela Puls
Jung-Unternehmer: Philipp Fögen (v.l.), Nick Hillebrand, Johannes Lehmann, Celine Böth und Maike Gößling wollen an ihrer Schule eine Genossenschaft für den Umweltladen gründen. | © Manuela Puls

Brakel Neue Schüler-Firma an der Brede

Zwölftklässler des Brakeler Berufskollegs übernehmen den Umweltladen

Manuela Puls

Brakel. Stifte, Hefte, Kladden, Schulpullis, Trinkflaschen – im Umweltladen der Brakeler Brede-Schulen werden schon lange nützliche Utensilien verkauft. Zukünftig soll der „Ecostore" in eine Genossenschaft umgewandelt werden, die komplett in Schülerhand ist. „Wir wollen betriebswirtschaftliche Inhalte nicht nur im Unterricht besprechen, sondern in der Praxis erlebbar machen", sagt Lehrer Boris Hartmann. Aktuell beteiligen sich 22 Zwölftklässler des Brede-Berufskollegs für Wirtschaft und Verwaltung an dem Projekt, das gemeinsam mit der Vereinigten Volksbank in Brakel durchgeführt wird – es sollen aber noch mehr werden. „Alle Schüler, Freunde und Förderer unserer Schule sollen Anteile an der Genossenschaft kaufen und sich einbringen können", erklärt Nick Hillebrand (17). Er und seine Mitschüler haben im Frühjahr an einem Vorbereitungsworkshop teilgenommen und organisieren gerade die Gründungsversammlung. Auch eine Schülergenossenschaft braucht eben eine Satzung, einen Vorstand, einen Aufsichtsrat und muss einen Jahresabschluss erstellen. „Wie bei einer echten Genossenschaft wird der sogar geprüft", erklärt Philipp Diedrich von der Vereinigten Volksbank, der den Schülern bei Fragen von Buchhaltung und Rechnungswesen zur Seite stehen wird. Die Jugendlichen wollen die Aufgaben untereinander aufteilen. „Einige kümmern sich um die Gestaltung des Ladens, andere schreiben den Dienstplan, wieder andere machen Umfragen, welche Produkte gewünscht sind", erklärt Boris Hartmann. Der Ecostore lege Wert auf Nachhaltigkeit, so würden die Artikel vornehmlich bei Brakeler Lieferanten eingekauft. „Sonst war die Führung des Umweltladens eine Pausenaufgabe, jetzt hat sie Platz im Stundenplan", betont seine Kollegin Anne Katrin Frischemeier. Bei den Schülern kam die Idee mit der Ecostore-Genossenschaft sofort gut an: „Das ist wie in einem richtigen Betrieb, so kann man Unternehmensabläufe kennenlernen", sagt Celine Böth (17). Auch Schulleiter Matthias Koch unterstützt das Projekt: „Es erweitert den Horizont, nicht nur theoretisch BWL zu lernen, sondern auch konkret umzusetzen." Was mit den Gewinnen aus der Genossenschaft passiert, wird sich noch herausstellen. „Wir müssen gemeinsam entscheiden, ob wir das Geld investieren, an die Genossen auszahlen oder Anschaffungen für die Schule machen", sagt Nick Hillebrand. Vorstellbar wäre zum Beispiel ein Basketball-Korb für den Schulhof. Die Vereinigte Volksbank hat schon gute Erfahrungen mit Schülergenossenschaften am Warburger Hüffertgymnasium und am Höxteraner Berufskolleg gemacht. Die Warburger Schüler unterstützen mittlerweile Kaffeebauern in Mittel- und Südamerika mit Micro-Krediten. „Wir sind als Bank selbst Genossenschaft, uns liegt daran, diese geniale Rechtsform weiterzuentwickeln", unterstreicht Bankchef Paul Löneke. Die Idee von Friedrich Wilhelm Raiffeisen, die Dinge einfach selbst eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen, habe nichts an Aktualität eingebüßt.

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