Grund zur Freude: Leonie Wien (24) hat mit großem Erfolg ihre Prüfung als Zimmerer-Gesellin abgelegt. Jetzt will sie noch ein Studium dranhängen. - © Helga Krooß
Grund zur Freude: Leonie Wien (24) hat mit großem Erfolg ihre Prüfung als Zimmerer-Gesellin abgelegt. Jetzt will sie noch ein Studium dranhängen. | © Helga Krooß

Brakel Brakel: Der beste Zimmerer ist eine Frau

Ausbildung: Dass auch Frauen in einem typischen Männerberuf bestehen können, zeigt das Beispiel von Leonie Wien

Helga Krooß

Brakel. Leonie Wien ist eine zierliche, selbstbewusste junge Frau. Die langen mit bunten Bändern verzierten Dreadlocks hat sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. In traditioneller Zimmermannskluft nimmt sie mit einem strahlenden Lächeln von Obermeister Burkhard Weber ihren Gesellenbrief entgegen. Und sie hat allen Grund zur Freude: Sie ist die einzige Frau unter den elf auszubildenden Zimmerern und hat bei der Prüfung auch noch als Beste (Note sehr gut) abgeschnitten. Ausbildungsmeister Klaus Wiechers ließ es sich nicht nehmen, der 24-jährigen Zimmerer-Gesellin einen Strauß Blumen zu überreichen. „Sie ist die erste Zimmerin, während meiner Zeit im Istruper Ausbildungszentrum. Das ist schon etwas Besonderes", merkte er an. Für Leonie Wien war der Beruf Zimmermann nicht die erste Option. Die gebürtige Dortmunderin hatte sich entschieden, in Berlin eine Ausbildung zur Physiotherapeutin zu machen. „Nach einem Jahr habe ich gemerkt, das ist es nicht", erzählte Wien. Sie sei überwiegend im Krankenhaus eingesetzt worden. Dort zu arbeiten sei einfach nicht ihr Ding gewesen. Sie brach die Ausbildung ab. „Ich wollte etwas Handwerkliches machen, wo man auch draußen ist", sagte sie. „Ich wollte etwas machen, wo man direkt sieht, was man an einem Tag geleistet oder geschaffen hat". Zimmerin zu werden, sei da eine schnelle Entscheidung gewesen. Sie habe im Internet nach entsprechenden Ausbildungsplätzen gesucht und sei dabei auf den Kreis Höxter gestoßen. Restauration und Altbausanierung waren für die junge Frau wesentliche Aspekte bei der Suche nach einem Ausbildungsbetrieb. So nahm sie mit der Beverungener Zimmerei Dirk Marx Kontakt auf und erhielt prompt positive Rückmeldung. Nach einem kurzen Praktikum hatte Leonie Wien schließlich den Ausbildungsvertrag in der Hand. „Ich bin also bei den Händen geblieben, mit denen man etwas schafft", meinte sie mit einem verschmitzten Lächeln. „Einige der männlichen Kollegen waren zuerst überrascht, fanden es aber dann ganz cool" Auf die Frage, wie es ist, als Frau im Männerberuf zu arbeiten, antwortete die Zimmerin, dass sie durchweg positive Erfahrungen gemacht habe. „Einige der männlichen Kollegen waren zuerst überrascht, fanden es aber dann ganz cool", so die 24-Jährige. Klar, als Frau könne man eben nicht so schwere Sachen heben, wie die Männer, aber das sei nie ein Nachteil gewesen. Gleichwohl war der Alltag für die angehende Zimmerin aber genau so wie für die männlichen Kollegen. Besonders gefällt ihr an dem Beruf, dass sie mit Holz arbeiten kann und bei jedem Wetter an der frischen Luft ist. Für Leonie Wien ging es nicht nur um das handwerkliche Können, sondern um viele weitere Aspekte rund um das Bauen, für die sie sich ebenfalls interessiert. Die Ausbildung habe ihr richtig Spaß gemacht. Es waren spannende Baustellen unter anderem mit Fachwerk-, Kirchen- und Turmsanierung, versicherte die Zimmerer-Gesellin. Ihre Entscheidung von damals habe sie keine Sekunde bereut. Dennoch überlegt sie zu studieren. Es soll in Richtung Industriedesign gehen. Das Erlernte aus ihrer Ausbildung komme ihr da zugute. „Mal schauen, was sich ergibt", meinte Wien ganz selbstbewusst. Auch die Maurer-Prüflinge erhielten ihre Gesellenbriefe Neben den Zimmerern haben auch die Maurer-Prüflinge ihre Gesellenbriefe erhalten. Als Bester (Note sehr gut) hat Kevin Gadzinski abgeschnitten. Übrigens: Das Bauhandwerk sucht noch Auszubildende.

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