"Wer hier arbeiten will, der findet auch was": So das Statement von Steuerberater Fritz Lohmann - hier im Gespräch mit Moderatorin Katharina von Ruschkowski über Zukunftsperspektiven für junge Leute im Kreis Höxter. Mit im Bild die Podiumsteilnehmer Sandra Legge (v. l.), Jan Schametat und Kathrin Frischemeyer. - © Manuela Puls
"Wer hier arbeiten will, der findet auch was": So das Statement von Steuerberater Fritz Lohmann - hier im Gespräch mit Moderatorin Katharina von Ruschkowski über Zukunftsperspektiven für junge Leute im Kreis Höxter. Mit im Bild die Podiumsteilnehmer Sandra Legge (v. l.), Jan Schametat und Kathrin Frischemeyer. | © Manuela Puls

Rheder Was den Kreis Höxter lebenswert macht

Bei einer Podiumsdiskussion in Rheder geht es um Bildungsabwanderung, Landflucht und Zukunftsperspektiven für junge Leute im Kreis Höxter

Rheder. Warum junge Leute im Kreis Höxter bleiben oder dorthin wieder zurückkehren - das war am Dienstagabend Thema einer Podiumsdiskussion in der Schlaun-Scheune in Rheder. "Na, wieder da? - Zukunftsperspektiven im Kreis Höxter" unter diesem Titel hatten die Landfrauen im Kreis Höxter eingeladen. "Was sind die Gründe fürs Gehen und was lockt junge Leute zurück?", so skizzierte Moderatorin Katharina von Ruschkowski die Zielrichtung der Diskussionsrunde. Sie selbst war nach 15 Jahren auf den elterlichen Bauernhof in Eversen zurückgekehrt. Gerade junge, gebildete Frauen verließen oft den Kreis Höxter, beklagte sie. Deswegen schrumpfe die Bevölkerung wie in vielen anderen ländlichen Regionen auch - bis 2030 soll das Minus 10 bis 15 Prozent betragen. "Das entspricht ungefähr der Einwohnerzahl von Brakel", machte Ruschkowski die Dimensionen deutlich. Deswegen sollte bei der Podiumsdiskussion herausgearbeitet werden, was die Region lebens- und liebenswert macht. Auch Sandra Legge dachte mal "Nie wieder Fölsen" und zog doch mit ihrem Mann ins 200-Seelen-Dorf zurück: Sie hatte sich in der Stadt immer mehr nach dem entschleunigten Landleben zurückgesehnt. "Es fehlten mir die Natur, die Tiere, meine Familie", so die junge Frau, die beim Kreis Höxter einen Job fand. Besonders gefalle ihr die große Bewegungsfreiheit, die ihre drei Kinder in Fölsen genießen können. Mittlerweile seien aus ihrem Freundeskreis elf junge Familien in den Heimatort zurückgekehrt. "Es gab eine Art Zukunftskonferenz mit 35 Ehemaligen, die vorher alle per E-Mail angesprochen worden waren", berichtet sie. Auf dem Land gibt es ihrer Ansicht nach mehr Gestaltungsmöglichkeiten, der Einzelne könne sich mehr einbringen. Das kann auch Jan Schametat, Leiter des Projektes "Hiergeblieben", nur unterstreichen. Die Dorfgemeinschaften mit ihren Vereinen und dem ehrenamtlichen Engagement seien die größten Bindungsfaktoren für junge Leute. Das ergab eine Befragung von 450 Neuntklässlern im Kreis Höxter. Dass es hier keine guten Jobs gibt, hält Schametat für ein Vorurteil: "Viele Jugendliche wissen leider gar nicht, welche Berufe man hier bei uns erlernen und ausüben kann." Angeblich schlechte Berufsaussichten seien für viele der wichtigste Grund zu gehen. Gerade im Alter von 18 bis 24 Jahren gebe es eine regelrechte Bildungsabwanderung aus dem Kreis Höxter. "Das ist ja auch vollkommen normal, nur die Nabelschnur zur Heimat darf nicht abreißen", so Schametat weiter. "Wer hier arbeiten will, der findet auch was", sagt auch Steuerberater Fritz Lohmann aus Brakel. 25 Firmen im Kreis Höxter hätten Weltmarktniveau. Gute junge Leute könnten sich hier die Ausbildungsplätze aussuchen. Auch Kathrin Frischemeyer kehre nach Jahren nach Beverungen zurück. Die studierte Geografin übernahm das Floristik-Geschäft ihrer Eltern und gründete den Ruhepark Zweilinden in Amelunxen. "Ich wollte einfach wieder Heimat haben und ein eigenes Projekt verwirklichen", sagt sie. Sie empfinde die Menschen hier als innovativ, offen und experimentierfreudig. Benjamin Köhl zog mit seiner Familie von Stuttgart nach Ottbergen und trat einen Job beim Katasteramt in Höxter an. "Hier kann ich mir von meinem Gehalt ein ganzes Haus leisten, in der Großstadt wäre nur eine 60 Quadratmeter-Wohnung ohne Garten drin", betont er. Wohnraum sei extrem günstig im Kreis Höxter, nur die Kinderbetreuungsangebote hält er für ausbaufähig. Julia Siebeck ist ebenfalls eine Rückkehrerin, die jetzt als Kulturbeauftragte beim Kreis Höxter arbeitet. "Wir stapeln hier sehr tief - kulturell ist der Kreis sehr gut aufgestellt", sagt sie. In den anschließenden Wortbeiträgen ging es unter anderem um Mobilitätsprobleme. Wer im Kreis Höxter lebe, sei notgedrungen viel mit dem Auto unterwegs. Auch das Kneipensterben in den Orten wurde thematisiert. Dennoch: "Wir sind viel besser, als es scheint", zog Moderatorin Katharina von Ruschkowski ein positives Fazit.

realisiert durch evolver group