"Engmaschiges Netzwerk": Migrationsforscher Jochen Oltmer, Sandra Zengerling und Dominic Gehle (Kommunales Integratrionszenrum), Bundestagsabgeordnete Petra Rode-Bosse, Kreisdirektor Klaus Schumacher und Staatssekretär Thorsten Klute. - © Burkhard Battran
"Engmaschiges Netzwerk": Migrationsforscher Jochen Oltmer, Sandra Zengerling und Dominic Gehle (Kommunales Integratrionszenrum), Bundestagsabgeordnete Petra Rode-Bosse, Kreisdirektor Klaus Schumacher und Staatssekretär Thorsten Klute. | © Burkhard Battran

Brakel Migrationsforscher referiert bei Integrationskonferenz

Gekommen, um wieder zu gehen

Brakel. Die Integration von Flüchtlingen ist ein zentrales gesellschaftliches und auch politisches Thema im Kreis Höxter. Das hat gestern auch eindrucksvoll die 2. Integrationskonferenz des Kreises gezeigt, die mit rund 150 Teilnehmern aus haupt- und ehrenamtlich Engagierten im Petrus-Legge-Gymnasium in Brakel stattfand. Das waren noch einmal etwa 20 Prozent mehr, als bei der Auftaktveranstaltung vor einem Jahr in Höxter. "Die Beteiligung ist wirklich hervorragend hoch, aber das ist auch wichtig, denn wir brauchen ein engmaschiges Netzwerk aus Akteuren", sagte Kreisdirektor Klaus Schumacher. Nordrhein-Westfalen nimmt einen im Ländervergleich überproportional hohen Anteil an Flüchtlingen auf. "Gerade auch die ehrenamtlichen Helfer im Kreis Höxter zeigen einen großartigen Einsatz, der von der Landesregierung mit guten Sonderprogrammen begleitet wird", betonte Thorsten Klute (42), Staatssekretär für Integration im Landesarbeitsministerium. So werde das Land 20 Millionen Euro in sogenannte Brückenkitas investieren. Das sind Kindertageseinrichtungen in Flüchtlingsheimen, die die Integration von Flüchtlingskindern in die Regelkindergärten vorbereiten sollen. Aber auch hier sei das Engagement von Ehrenamtlichen gefragt. Als Fachreferent war mit dem Osnabrücker Universitätsprofessor Jochen Oltmer (51) einer der renommiertesten Migrationsforscher Deutschlands eingeladen worden. "Migration und Wanderungsbewegungen gibt es immer schon. Sie haben sich in den letzten 50 Jahren auch nicht maßgeblich verändert. Wir haben jedoch eine Kultur des Wegsehens entwickelt und nehmen solche Phänomene erst dann war, wenn sie uns selbst betreffen", sagte Oltmer. Es sei das erste Mal, dass Deutschland von einer globalen Migrationsbewegung betroffen ist, erläuterte Oltmer. Ein Grund dafür sei, dass die sogenannten Vorfeldstaaten Nordafrikas, Osteuropas und des Nahen Ostens selbst zu Fluchtstaaten geworden seien und Deutschland somit zu einem Ersatzfluchtziel geworden sei. Oltmer wies darauf hin, dass die wenigsten Flüchtlinge dauerhaft im Land bleiben würden. "Wir haben an der Gastarbeiter-Bewegung gesehen, dass von den insgesamt 14 Millionen Zuwanderern elf Millionen nach wenigen Jahren zurückgekehrt sind", sagte Oltmer. Da aber rund 80 Prozent der Flüchtlinge unter 30 Jahre alt seien, könnten Flüchtlinge positiv dazu beitragen, den demografischen Wandel abzumildern.

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