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Jubiläumsschützenfest in Manrode - © Saskia Jochheim
Jubiläumsschützenfest in Manrode | © Saskia Jochheim

Borgentreich Manroder Schützen feiern Jubiläum

Über 200 Jahre alt ist die St. Nepomuk Schützenbruderschaft. Mit vielen befreundeten Mitgliedern des Bundes der historischen Schützen wurde das große Jubiläum gebührend gefeiert.

Saskia Jochheim
17.06.2019 | Stand 17.06.2019, 08:24 Uhr |

Manrode. Stolzer König des Jubiläumsschützenfestes ist Elmar Wrede. An diesen feierlichen Tagen führt er die St. Johannes Nepomuk Schützenbruderschaft gemeinsam mit seiner Frau und Königin Andrea Förster-Wrede (47) an. Elmar Wrede ist 52 Jahre alt und lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern Lennard (15) und Paula (11) seit 25 Jahren in der Trendelburgerstraße in Manrode. Kennengelernt hat sich das Paar vor 30 Jahren „ganz klassisch auf der Warburger Oktoberwoche", sagt der König und lacht. Acht Jahre später läuteten dann die Hochzeitsglocken für die beiden. Dass er die Manroder Schützen einmal anführen würde, und das auch noch zum Jubiläumsfest der Bruderschaft, hatte Elmar Wrede so nicht geplant: „Irgendwann wollte ich schon einmal gerne König sein, aber dass es zu diesem Fest so gekommen ist, das war total ungeplant und ist spontan passiert", sagt er. Regentschaft hat Tradition in der Familie Irgendwie hat die Regentschaft in seiner Familie aber doch Tradition. „Meine Oma, Maria Pöppe war vor 60 Jahren Königin, meine Eltern, Josef und Marietheres Wrede, waren 1981 König und Königin und vor zwei Jahren regierte meine Schwester Heike Petermichl mit ihrem Mann Kay in Manrode", zählt er auf. Elmar und Andrea Förster-Wrede werden von sieben Hofstaatspaaren begleitet: Heike und Kay Petermichl, Günter und Ulrike Niggemann, Wolfgang und Birgit Niggemann, Thomas Wrede und Sandra Guske-Wrede, Erich und Gabriele Otto, Martin und Claudia Scherf sowie Herbert und Edith Korte. Eine halbe Stunde vor Beginn des großen Festumzuges war beim König noch keine Nervosität vorhanden. Gut gelaunt posierte er mit seinen Hofherren im Garten für einige Fotos, während Hofdamen und Königin in einem abgeschotteten Teil des Hauses in ihre Kleider schlüpften. Dann ging es los: Die ersten Klänge der Musikkapellen (Musikverein Dalhausen, Spielmannszug Manrode, Musik- und Spielmannszug Langenthal) waren zu hören, viele, viele Zuschauer von nah und fern hatten sich an den Straßen positioniert. Jeder versuchte den Platz mit dem besten Bick auf die Majestäten, ihren Hofstaat und die Regenten der geladenen befreundeten Bruderschaften sowie deren Hofstaate zu bestaunen. Bund der historischen Schützen Um mit den Manrodern gemeinsam das Jubiläumsfest zu feiern, waren vom Bund der historischen Schützen (Bezirks Warburg) Schützen aus Dringenberg, Borgentreich, Bühne, Helmern, Muddenhagen, Kühlsen, Dössel, Langenthal, Neuenheerse, Natzungen und Natingen gekommen. Als das strahlende Königspaar schließlich aus der Haustür trat, setzte leider ungünstig pünktlich tröpfelnder Regen ein. Da ahnte allerdings noch niemand, dass der gesamte Festumzug beim Einzug in die Berglandhalle im wahrsten Wortsinn tropfnass sein würde. Der Stimmung allerdings tat das nasse Wetter keinen Abbruch. Schirme wurden aufgespannt und alle lauschten den festlichen Reden der Ehrengäste vor der Berglandhalle. Gründungsurkunde als Beweis „Fast auf den Tag genau können wir heute das 200-jährige Bestehen der St. Johannes Nepomuk Schützenbruderschaft vor 1819 feiern, denn die Gründungsurkunde aus dem Jahr 1819 liegt als Beweis noch im Original vor", wusste Landrat Friedhelm Spieker über die Geschichte der Bruderschaft. „Ausgestellt wurde diese am 19. Juni – also am kommenden Mittwoch vor 200 Jahren", betonte er. Allerdings könne man davon ausgehen, dass die Schützenbruderschaft deutlich älter ist, was auch im Vereinsnamen „vor 1819" zum Ausdruck komme. So werde in einer Aufzeichnung im Zusammenhang mit dem Pfingstanger in Manrode bereits im Jahr 1693 von einem „Schützenplatz" gesprochen, sagte der Landrat. In den unruhigen Zeiten des Mittelalters habe man sich zusammengeschlossen, um im Falle der Not Gut und Leben, Heimat und Kirche gegen mordende und plündernde Banden zu schützen. Unter der Herrschaft von Napoleon sei die Schützenbruderschaften dann verboten worden. „Und so kam es zur Neugründung im Jahre 1819", wusste Spieker. Diese sei aber wohl ohne staatliche Genehmigung erfolgt. Der damalige Landrat Wilhelm Franz von Hiddessen habe den Wert der Schützenvereine stark bezweifelt hat. Die Erfahrung habe gezeigt, dass „Gesellschaften auf dem platten Lande gewöhnlich in tumultarische Saufgelage ausarten, daher dürften dieselben bloß in den Städten zu gestatten sein, wo dieselben in polizeilicher Hinsicht und wegen Bewachungen, Transportierungen usw. noch einigen Nutzen haben", zitierte Landrat Spieker seinen Amtsvorgänger vor 200 Jahren. Der Sog der Heimat wird stärker Am 23. Januar 1949, auf der ersten Generalversammlung nach dem 2. Weltkrieg,sei dann ein weiterer, wichtiger Schritt gegangen worden: Es fiel der Entschluss, dem Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften beizutreten, dem die Schützenbruderschaft auch heute noch mit ihren 155 Mitgliedern angehört", so Spieker. „Möge dieses Jubiläumsfest bei allen Bürgern die Liebe zur Heimat vertiefen, den Gemeinschaftssinn fördern und bei den jungen Menschen das Gespür für den Wert dörflicher Lebensformen und dörflicher Kultur festigen", beendete er seine Rede. Bürgermeister Rainer Rauch schloss sich ihm an. „Der Begriff Heimat erlebt in unserern Zeiten eine Renaissance", sagte er. Heimat, das sei Beständigkeit, sei der Anker in unbeständigen Zeiten. „Gerade an den Wochenenden wird der Sog der Heimat wieder stärker", so Rauch. „Machen sie, liebe Schützen, so weiter und helfen sie weiterhin mit, unsere Heimat zu bewahren", sagte der Bürgermeister. Jubelkönigspaare Im Anschluss an den Umzug fanden in der Berglandhalle die Ehrungen der Jubelkönigspaare statt. Gerlinde und Hans Schauf regierten die St.Nepomuk Schützen vor 25 Jahren, Vor vierzig Jahren hieß die Königin Marlies Löhr. Mit einem bunten Blumenstrauß ließen die Schützen ihre Jubelregenten kräftig hochleben.

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