Einblicke: Im Dickicht grüner Alleebäume steht das Torhaus der ehemaligen Gutsanlage Burg Bühne. Planen decken die Ende April bei Abrissarbeiten eines Anbaus zerstörten Gebäudeteile ab. Noch stehen die Außenmauern. - © Dieter Scholz
Einblicke: Im Dickicht grüner Alleebäume steht das Torhaus der ehemaligen Gutsanlage Burg Bühne. Planen decken die Ende April bei Abrissarbeiten eines Anbaus zerstörten Gebäudeteile ab. Noch stehen die Außenmauern. | © Dieter Scholz

Borgentreich Abriss trotz Denkmalschutz: Wie geht's weiter mit der Burg Bühne?

Dokument der Geschichte: Beim Abriss eines Anbaus ging ein bedeutender Teil der Bühner Gutsanlage verloren. Ob es ein juristisches Nachspiel gibt, prüft die Untere Denkmalbehörde

Dieter Scholz
13.06.2019 | Stand 13.06.2019, 09:08 Uhr

Borgentreich-Bühne. Über den Mauern des Torhauses der ehemaligen Bühner Burganlage hängt derzeit eine schützende Plane. Seit 1986 steht das historische Gemäuer unter Denkmalschutz. Beim Abriss eines Anbaus war Ende April das Torhaus an der Bühner Burg dann arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Stadt Borgentreich ordnete einen sofortigen Baustopp an. Der Fall machte Schlagzeilen. Wie es weitergehen wird, ist noch unklar. Bürgermeister Rainer Rauch sah das eingetragene Denkmal Nördliches Torhaus und den Anbau widerrechtlich abgerissen, wie er gegenüber der NW bestätigte. Als ein für Bühne prägendes Denkmal sei die Burg herausragend für die Geschichte der Ortschaft, hielt er fest. Für den Eigentümer dagegen ein Unfall. Dass bei den Arbeiten große Teile des Torhauses zerstört worden seien, habe er nicht gewollt. Für den Anbau habe er nach Auskunft des Kreisbauamtes keine Abrissgenehmigung benötigt. Dass der Anbau und das Torhaus miteinander verbunden gewesen seien, sei vor dem Beginn der Arbeiten nicht ersichtlich gewesen. Wer hat Zutritt zu dem Denkmal? Seit Monaten hatte die Stadtverwaltung und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) versucht, das Gebäude in Augenschein zunehmen. Der Eigentümer habe sich aber dagegen gesperrt, befand Rauch. Gegen einen angekündigten Besuch der Unteren Denkmalbehörde, die ein Betretungsrecht habe, so Rauch, hatte der Eigentümer Klage beim Verwaltungsgericht erhoben. Doch die Burg Bühne ist nun kein Fall für das Mindener Gericht mehr. Das hatte ein nichtöffentlicher Ortstermin ergeben, bei dem der Besitzer des Anwesens, Vertreter der Stadt und des LWL sowie ein Richter des Verwaltungsgerichts Minden anwesend waren. Im Raum stand die Frage, wer Zutritt zu dem Denkmal haben darf. Die stellte sich aber nach den Abrissarbeiten nicht mehr wirklich. Die Verfahren wurde eingestellt. Bescheide werden zugeschickt Auf Anordnung der Stadt habe er das Gebäude mit einer Plane abdecken müssen, sagt der Besitzer, der das Areal 2013 erworben hatte. Bisher habe sich in der Angelegenheit nichts weiter ereignet. Der Gerichtstermin auf dem Gelände sei für ihn positiv verlaufen, bilanziert er gegenüber der NW. „Wir warten jetzt ab, was da weiter kommen wird." Ob der Eigentümer mit juristischen Folgen zu rechnen hat, wird die zuständige Untere Denkmalbehörde in Borgentreich entscheiden. Das Verwaltungsverfahren laufe, heißt es seitens der Behörde. In dieser Woche würden die Bescheide hinsichtlich der zu erstellenden Notsicherung des Komplexes zugestellt. Aus der Geschichte der Burganlage Ob das historische Gebäude wieder aufgebaut werden kann, prüfen die Experten des Landschaftsverbandes. Man stehe im Verfahren, sagt ein Sprecher des LWL. Ein historische Zeugnis, sagen die Fachleute. Sie sehen in der Burg Bühne unter anderem ein herausragendes Dokument der Wirtschafts- und Territorialgeschichte des 19. Jahrhunderts. Die Ortschaft Bühne war 1270 in den Besitz der Grafen von Spiegel, deren Stammsitz auf dem Desenberg lag, gekommen. 1564 ließ sich ein Teil der Familie auf der alten Burganlage im Alsterdorf nieder. Ihre ursprünglich als Wasserburg konzipierte Ritterburg ist heute nur noch als Bodendenkmal erhalten. Anfang des 19. Jahrhunderts war die alte Hauptburg baufällig, die von Spiegels ließen sie abreißen und bauten auf dem Gelände einen neuen landwirtschaftlichen Gutshof. Mit dem vor sechs Jahren vom jetzigen Eigentümer abgerissenen maroden südlichen und dem nördlichen Torhaus, zwischen 1820 und 1824 errichtet, flankierten seitdem zwei zweigeschossige Fachwerkbauten mit großen Walmdächern die Gutsanlage. In dem nun fast verschwundenen nördlichen Torhaus lebte einst der Pächter. Die West- und die Nordseite des Gebäudes stehen auf den Mauern der alten Hauptburg. 1986 wurde der Komplex unter Denkmalschutz gestellt. Die Nachkommen der Familie von Spiegel veräußerten 2012 das stark sanierungsbedürftige Gutsensemble.

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