Gute Ernte: Stefan Berens (v. l.) und Josef Lammers von der Landwirtschaftskamer sowie Rainer Widdel, Geschäftsführer der Agravis Ostwestfalen, erwarten nach den ausgiebigen Regenfällen der letzten Wochen gute Erträge. - © Hermann Ludwig
Gute Ernte: Stefan Berens (v. l.) und Josef Lammers von der Landwirtschaftskamer sowie Rainer Widdel, Geschäftsführer der Agravis Ostwestfalen, erwarten nach den ausgiebigen Regenfällen der letzten Wochen gute Erträge. | © Hermann Ludwig

Borgentreich Der Regen fällt für Höxters Landwirte zur rechten Zeit

Biobetriebe sind bei der Informationsveranstaltung der Landwirtschaftskammer und Agravis vertreten. Die Ernteerwartungen beim Feldtag in Großeneder sind positiv. Warum der Regen wichtig ist

Hermann Ludwig
13.06.2019 | Stand 12.06.2019, 19:32 Uhr

Großeneder. Pflanzenbautipps aus der Praxis, aber auch Informationen zum Thema Technik, das präsentierten Berater des Agravis Kornhaus Ostwestfalen und Fachleute der Landwirtschaftskammer aus Brakel sowie 45 Aussteller beim Feldtag in Großeneder. Passend zum Feldtag auf den Versuchsfeldern bei Großeneder setzte der Landregen ein. „Perfektes Wetter", meinte der scheidende Leiter der Landwirtschaftskammer, Josef Lammers, grinsend. „Letztes Jahr musste man aufpassen, dass man sich keinen Sonnenbrand zuzog", erinnerte Lammers an das katastrophale Dürrejahr mit extremen Ernteausfällen. „Der Regen in diesem Jahr war ausreichend", bilanzierte sein designierter Nachfolger Stefan Berens mit dem Blick auf die anstehende Getreideernte. Beide konstatierten aber, dass die Folgen der Dürre in der Tiefe immer noch nicht ausgeglichen seien. „Wir hatten 2017 ein nasses Jahr, dann folgte die extreme Trockenheit 2018. Und auch in diesem Jahr sah es bis April nicht gut aus", fasste Berens zusammen, erst die ausgiebigen Regenfälle der letzten Woche führten zu einer Entspannung. „Der Grundwasserspiegel ist immer noch zu niedrig, da sind selbst alte Eichenbestände trocken gefallen", meinte Rainer Widdel, Geschäftsführer der Agravis Ostwestfalen. Dass der Regen nicht immer in der passenden Menge fällt, machten die beiden Starkregenereignisse in den letzten 14 Tagen deutlich. „Da hat es bei Kulturen wie Kartoffeln, Zuckerrüben und Mais einiges an Erosionen gegeben", weiß Josef Lammers. Die Bodenverluste seien an einigen Standorten schon immens gewesen. Erlössituation ist angespannt Bei den Erntemengen für Getreide erwarten die beiden Landwirtschaftsexperten gute Erträge. Rainer Widdel befürchtet allerdings, dass die Preise für die Erzeuger eher niedrig ausfallen werden, weil in anderen Weltmarkregionen wie der Ukraine sehr gute Getreideerträge zu erwarten seien. Für Veredelungsbetriebe sei das zwar positiv, weil die Futterkosten niedriger ausfallen könnten, aber für Marktfruchtbetriebe sei das schwierig. Ohnehin sei die Erlössituation in einigen Branchen angespannt, berichtete Josef Lammers. Insbesondere Milchviehbetriebe seien betroffen. Dass sich die angespannte Ertragslage auf die Zahl der Betriebe auswirkt, sei insbesondere in den letzten drei Jahren deutlich zu bemerken, ergänzte Stefan Berens. Bei der letzten Agrarstrukturerhebung 2016 gab es im Kreis noch 950 Vieh haltendende Betriebe, 2010 waren es noch 1.109. Zu den aufgeführten Zahlen könne man aktuell bei der Anzahl der Tierhalter bedingt durch den Strukturwandel rund zehn Prozent abziehen, „die letzten drei Jahre waren diesbezüglich sehr heftig", bilanzierte Berens. Aktuell schätzt Stefan Berens die Zahl der Rindviehhalter auf 500, davon 140 Milchkuhhalter. Schweinehalter gäbe es noch etwa 330, davon 70 Zuchtsauenhalter. Auch die Betriebsgrößen haben sich stark verändert: Besonders stark gewachsen sind unterdessen die Betriebe in den Größenklassen von 100 bis 200 Hektar, die von 107 im Jahr 2010 auf 136 im Jahr 2016 zugenommen haben. Die Zahl der Betriebe mit mehr als 200 Hektar ist im Erhebungszeitraum von 24 auf 27 gestiegen. Ökolandbau stärker im Fokus Stark gewachsen sei das Interesse an Landwirten, die ihren Betrieb ökologisch bewirtschaften wollen. „Auch für diese Betriebe haben wir ein Beratungsangebot", sagte Berens. Angesichts der Herausforderungen bei dem enger werdenden Potenzial von Wirkstoffen bei der Pflanzenbehandlung seien mehr und mehr mechanische Maßnahmen gefragt. In dieser Hinsicht hätten die Biobetriebe große Erfahrungen, von der auch konventionelle Betriebe profitieren könnten. „Wir pflegen den Austausch", betonte Stefan Berens, der sich freut, dass man den Gesprächsfaden zum Ökolandbau immer gehalten habe. Bei dem Feldtag waren 250 Biobetriebe eingeladen, auch bei den Führungen gab es eingehende Informationen zum Ökolandbau. „Das ist ein wachsendes Segment, das wir auch mit Beratung und Produkten betreuen können", erklärte Rainer Widdel. Die Agravis Kornhaus Ostwestfalen GmbH in Hohenwepel sei mittlerweile auch bio-zertifiziert.

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