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Im Tudorstil: Diese abgelegene Fachwerk-Villa möchte Harald Naber in gute Hände abgeben. - © Hermann Ludwig
Im Tudorstil: Diese abgelegene Fachwerk-Villa möchte Harald Naber in gute Hände abgeben. | © Hermann Ludwig

Borgentreich Diese historische Villa steht zum Verkauf

Der Eigentümer der Villa Rothenburg Harald Naber zieht aus gesundheitlichen Gründen nach Florida

Hermann Ludwig
07.06.2019 | Stand 07.06.2019, 15:27 Uhr

Borgentreich-Manrode. Ein verstecktes Kleinod steht zum Verkauf: die Villa Rothenburg bei Manrode. Eigentümer Harald Naber muss sich schweren Herzens von einem Stück Heimat trennen. Aus gesundheitlichen Gründen kann der 82-Jährige den Unterhalt der wunderschönen Villa mit 20 Räumen und imposanten Parkanlage mit alten Eichen, Rotbuchen und Hainbuchen nicht mehr leisten. Ihn zieht es zurück in seine zweite Heimat nach Homosassa in Florida, ganz abreißen lassen will er den Kontakt zu seiner ersten Heimat aber nicht. „Das Haus befindet sich einem Dornröschenschlaf", sagt der Deutsch-Amerikaner, der sich einen Namen gemacht hat als Erfinder der Puppen „Naberkids". In seinem Elternhaus hat er auch einen Teil der Puppenwelt entwickelt und geformt. „Hier im Keller habe ich beispielsweise die Puppen aus Ton vorgeformt", sagt Harald Naber bei einem Rundgang durch die wunderschöne Fachwerkvilla. „Die Zeit hat ihre Spuren an diesem Haus hinterlassen, wie auch bei mir", sagt er grinsend. „Die Substanz ist aber gut erhalten", betont der vielseitig begabte Harald Naber, der lange Zeit in Amerika gelebt hat und nur sporadisch in der versteckt liegenden Villa im Grünen lebte. Erstaunlicherweise nicht unter Denkmalschutz Bis zum 30. November möchte er den Verkauf des Hauses, das erstaunlicherweise nicht unter Denkmalschutz steht, an den neuen Eigentümer übergeben. Am liebsten wäre ihm ein Verkauf über ein Leibrentensystem. „Das würde für den Käufer wohl nicht mehr so teuer", sagt der agile Hausbesitzer, der in diesem Haus mit vielen Freunden 1997 das 100-jährige Bestehen dieses ehemals als Jagdschloss genutzten Hauses gebührend feierte. Auf Dauer sei in seinem Alter absehbar, dass er dieses herrschaftliche Anwesen nicht mehr nutzen könne, meint er bei dem Gang über die imposante Freitreppe. „Die Bruchsteine sind handgesägt, auch die großen Podestplatten", betont er den historischen Wert des Gebäudes. Die Befestigung des Treppengeländers ist mit eingegossenem Blei gegen das Eindringen von Wasser geschützt. „Das ist unkaputtbar", erklärt Naber. Ein barrierefreier Zugang sei da schwer herzustellen. Durch die massive Holz-Schiebetür im Eingangsbereich gelangt man in ein imposantes Treppenhaus mit Eichenkassetten und einer eindrucksvollen Galerie. Das Haus bietet vor allem viel Platz Das Haus bietet viele Gestaltungsmöglichkeiten und vor allem Platz. „In den Wirren des 2. Weltkrieges haben hier mal 60 Menschen gelebt", erinnert Harald Naber an die lange Geschichte des Hauses, das im Tudorstil erbaut wurde. Harald Nabers Vater Gerd Naber, ein Geschäftsmann aus Rheydt, entdeckte dieses Kleinod und erwarb die 1897 von Baron Hermann von Spiegel erbaute Villa, und das angrenzende zwei Hektar große Grundstück im Jahr 1939. Harald Naber übernahm das Eigentum seines im Alter von 39 Jahren bei einem Unfall verstorbenen Vaters im Jahr 1962, mittlerweile ist auch seine Mutter Margrit verstorben, die lange in der Villa lebte. „Ich liebe diesen Ort, aber man muss manchmal etwas verlassen, wenn man etwas Neues aufbauen will", sagt Harald Naber. Mit dem Haus verbindet er Erinnerungen an seine Eltern und seine mittlerweile verstorbene geliebte Ehefrau Bette Jo Naber, die er 1969 geheiratet hat. Sie war die Designerin für viele der kreativen Puppen, die in der Sammlerszene gesucht waren, ehe die Massenproduktion von Puppen in China begann. Ein Platz für Naturfreunde Harald Naber hat als Pilot, Puppenmacher und auch als Hotelier auf einer Insel vor Florida gearbeitet. Jetzt möchte er das Haus an jemanden übergeben, der den Wert des Objektes zu schätzen weiß. „Man könnte hier eine Pension aufbauen, in jedem Fall müsste der neue Eigentümer die abgeschiedene Lage zu schätzen wissen", sagt Harald Naber. „Ich liebe es, in dieser Stille dem Konzert der Vögel zu lauschen", sagt er mit Blick auf den wertvollen Baumbestand. Bewusst lässt er Totholz im Umfeld liegen, um die Artenvielfalt zu fördern. „Das hier ist ein Platz für Naturfreunde", weiß Naber.

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