0
Anlagen im Wald: Auf hessischem Gebiet stehen bei Manrode insgesamt sieben Windkraftanlagen im Wald. - © Hermann Ludwig
Anlagen im Wald: Auf hessischem Gebiet stehen bei Manrode insgesamt sieben Windkraftanlagen im Wald. | © Hermann Ludwig

Borgentreich Manroder beklagen Lärmbelästigung durch Windräder

Windkraft: Neue Lärmmessungen sollen Aufschluss geben. Nachtabschaltung bestehender Anlagen wird angestrebt

Hermann Ludwig
09.03.2019 | Stand 08.03.2019, 20:22 Uhr

Manrode. Die enormen Auswirkungen der sieben direkt an der hessischen Landesgrenze bei Manrode aufgestellten Windräder beklagen Manroder Bürger. Jetzt wurde durch ein Schreiben an den Regierungspräsidenten in Kassel erreicht, dass eine neue Untersuchung der Lärmbelästigung erfolgt. Bei Überschreitungen der Lärmgrenzen sollte eine Nachtabschaltung der Anlagen erfolgen, lautet eine Forderung der Manroder. „Ab Mitte März soll dann für zwei Wochen eine Schalluntersuchung erfolgen", berichtet Dietmar Scherf bei einem Pressegespräch, an dem sich einige Manroder beteiligten, um die negativen Auswirkungen der schon jetzt stehenden Windräder zu schildern. Zudem machen sie auf die Widerspruchsmöglichkeiten zu der weiteren Planung von Konzentrationszonen in der Stadt Borgentreich aufmerksam. Am diesem Samstag um 17 Uhr werden Mitglieder der Bürgerinitiative im Rathaus auch einen Bürgerantrag an die Stadtverwaltung übergeben. »Man hört den Lärm trotz Dreifachverglasung« Insbesondere die Lärmbelastung durch die etwa 1.000 Meter von der Wohnbebauung entfernt aufgestellten Windräder umtreibt die Manroder. Bei den starken Stürmen in den letzten Tagen hatte Dietmar Scherf selbst Lärmmessungen durchgeführt, die Werte weit über 45 Dezibel ergaben. „Insbesondere wenn der Wind von Südosten kommt, ist es schier unerträglich", meint Scherf, der nach seinen Angaben schon einen Hörschaden davongetragen habe. Das bei der Genehmigung der Anlagen auf hessischem Gebiet vorgelegte Lärmgutachten betrachten die Manroder kritisch. Es gebe Überschreitungen der Grenzwerte und die Tatsache, dass die alten Anlagen bei Muddenhagen noch lauter seien, könne nicht als Freibrief dienen, erklärt Scherf. Mit Blick auf die aktuelle Diskussion um die Ausweisung von Konzentrationszonen befürchten die Manroder Bürger, dass der Ort regelrecht umzingelt werden könnte. Auch der Windpark in Richtung Haarbrück werde als störend wahrgenommen. Jetzt seien auch Pläne bekannt geworden, dass auf dem nahen hessischen Gebiet neue Anlagen entstehen sollen. Zwei der drei Anlagen, von denen zwei in Eberschütz und eine in Lamerden gebaut werden sollen, seien klassisches Repowering. Gebaut werden sollen Windräder mit einer Gesamthöhe von 212 Metern. Größere Abstände zu Wohnhäusern „In jedem Fall unterstützen wir die Forderung der Bürgerinitiave zur Erhöhung der Mindestabstände zu Wohnhäusern", erklärt Carly Löhr, die auch dazu aufruft, sich im Rahmen der Anhörung zu den Plänen der Stadt Borgentreich zu äußern. Dazu gebe es auch Musterbriefe auf der Internetseite der Bürgerinitiative. Der gesundheitliche Schutz der Bevölkerung vor Infra/niederfrequentem Schall sei ein wichtiges Thema. „Bei offenem Fenster zu schlafen, das ist nicht mehr möglich", erklärt Dietmar Scherf. „Man hört den Lärm trotz Dreifachverglasung und guter Dämmung des Hauses", ergänzt Carsten Polan. „Da ist ein durchweg sonores Rauschen zu vernehmen", so der Elektriker. Für Claus Maegery ist neben dem Lärm und Schattenwurf durch die Rotoren auch die Veränderung der Tierwelt ein Thema. „Die Tiere sind weg", so Maegery. Die Manroder haben festgestellt, dass der dort ansässige Rotmilan schon vor der Bauphase plötzlich verschwunden war. „Früher sind auch die Rehe bis an unsere Gärten gekommen, die sind nicht mehr zu sehen", sagt Maegery. „Dass die Anlagen mitten im Wald entstanden sind, hat mit Naturschutz nicht mehr zu tun", betont Silke Maegery. Den Schutz des Wohnraumes und den Erhalt der Immobilienwerte rückt Lothar Frewer in den Blickpunkt. „Es findet eine Wertminderung der Immobilien statt", sagt Frewer. „Wenn wir noch weiter von Windrädern umzingelt werden, muss ich aus gesundheitlichen Gründen wegziehen", ergänzt Dietmar Scherf, der an die Probleme erinnert, die der seinerzeit in der Klus Eddessen lebende Eremit Pater Joachim wegen der nahen Windkraftanlage hatte.

realisiert durch evolver group