Dokument der Zeitgeschichte: Biobauer Josef Jacobi zeigt ein Foto, wie er sich 1989 britischen Panzern in den Weg stellt, um die Durchfahrt durch sein Heimatdorf Körbecke zu verhindern. - © Hermann Ludwig
Dokument der Zeitgeschichte: Biobauer Josef Jacobi zeigt ein Foto, wie er sich 1989 britischen Panzern in den Weg stellt, um die Durchfahrt durch sein Heimatdorf Körbecke zu verhindern. | © Hermann Ludwig

Borgentreich Wie Körbecker Bauern Briten-Panzer ausbremsten

Körbecker Biobauer berichtet im Fernsehen von einer Aufsehen erregenden Aktion aus dem Jahr 1989

Hermann Ludwig

Borgentreich-Körbecke. Josef Jacobi ist ein wehrhafter Bauer, das musste 1989 auch das britische Militär bei einer Manöverübung feststellen. Mutig stellte sich Jacobi zunächst allein, dann unterstützt von weiteren Landwirten einer Panzerkolonne entgegen und hinderte sie an der Durchfahrt. Diese Aktion wird am Freitag in einer WDR-Dokumentation über die 80er Jahre näher beleuchtet. „Wir saßen gerade entspannt beim Frühstück, als der erste Panzer an unserem Hof vorbei donnerte, und nach Bühne weiterfuhr", erinnert sich Jacobi an die Aktion im Sommer 1989. Sofort läuft der Biobauer auf den Weg, als aus dem Nebel weitere Panzer auftauchen, die auf die Hauptstraße fahren wollen. Der hünenhafte Bauer stellte sich den Panzern in den Weg. „Da war mir schon mulmig zu Mute, als dann der ersten Panzer abrupt abbremste und mir die Kanone ganz nah kam, war ich schon erschrocken", erklärt Jacobi. Wie ein Fels bleibt Jacobi stehen, ein Foto, das seine Frau Heike Schäfer-Jacobi macht, zeigt, wie er mit der Panzerbesatzung diskutiert. Berufskollegen eilen zur Hilfe und schnell sind die Panzer von Traktoren blockiert. Rücksichtslose Fahrweise der Panzerbesatzungen Der Unmut der Landwirte hatte sich aufgestaut, denn in der Manöverzeit preschten die Panzer rücksichtslos durch den Ort und über die Felder. Erst 1986 hatte es einen schweren Unfall gegeben, als bei Bühne ein Landwirt mit seinem Traktor von einem amerikanischen Panzer niedergewalzt wurde. Jacobi kramt sein Fotoalbum heraus und zeigt den völlig zerstörten Traktor. „Dass der Landwirt überlebt hat, grenzt an ein Wunder", meint Jacobi. Der Bauer aus Bühne fuhr damals entlang seines Feldes, als die Panzer mit hohem Tempo aus dem Maisfeld preschten. Der Landwirt wurde schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert, der Trecker hatte nur noch Schrottwert. Zitternde Kühe in den Ställen Immer wieder war Josef Jacobi als Körbecker Ortslandwirt mit Manöverschäden konfrontiert. Äcker, Wiesen, Feldwege und die Hauptstraße waren in Mitleidenschaft gezogen. „Wenn die Panzer durch den Ort fuhren, war es vorbei mit der Nachtruhe, das war ohrenbetäubend", berichtet Heike Schäfer-Jacobi, die aus Hannoversch Münden nach Körbecke gezogen war. Auch die Kühe im Stall wurden durch den Lärm aufgeschreckt. „Die haben regelrecht gezittert", erinnert sich die Bäuerin. Die Situation eskalierte dann, als die Panzer die fast fertig gestellte Hauptstraße zerstörten. Die Natursteine für die Ablaufrinne waren schon gelegt. „Die Steine flogen nur so durch die Gegend, als der erste Panzer bei uns am Hof um die Ecke fuhr. Wir hatten jahrelang auf den Neubau der Straße gewartet, dass wollten wir uns nicht kaputt machen lassen", erklärt Josef Jacobi, der zuvor schon Kampagnen gegen die Panzer in der Region in Gang gesetzt hatte. Minister warten vergebens auf die Panzerkolonne Mit eisernem Willen halten die Körbecker Landwirte die Panzer nach der Erstblockade durch Josef Jacobi gemeinschaftlich auf. Die Polizei wird gerufen, schnell ist auch die Militärpolizei in Körbecke, denn in der nahe gelegenen Elendburg warten Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg und der englische Minister Tom King auf die Panzer. „Da sollte eine neue Technik vorgeführt werden, deshalb war der Druck so hoch", berichtet Jacobi, der unbeirrbar an der Blockade aufrecht erhält . Wegen Nötigung wollte man ihn schon verhaften, aber der damalige Warburger Polizeichef Schirbel interveniert. Später wird auch der Staatsschutz auf den Plan gerufen, ein Verfahren wird eröffnet. „Die haben mich als Ostspion verdächtigt, angeblich hätte ich von den neuen Waffen gewusst", muss Jacobi im Nachhinein schmunzeln. Körbecke wird panzerfrei Die Situation entspannt sich dann aber, der britische General entschuldigt sich und verspricht, dass niemals mehr ein Panzer durch Körbecke fahren werde. Lange zierte auch ein Verkehrsschild den Ortseingang: Durchfahrt für Panzer verboten. Die Bilder vom Rückzug der Panzer hat Josef Jacobi noch im Kopf. „Das gab eine riesige Qualmwolke, als die rückwärts den Feldweg zurück gefahren sind. Ein Panzer hat dann noch einen Weidezaun kaputt gefahren."

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