Vorstand der Borgentreicher Schützen: Oberst Andreas Muhs (v. l.), Rechnungsführer Erich Bannenberg, Brudermeisterin Maria Müller, Schriftführer Uwe Kohlbrock und Adjutant Jans Weber. - © privat
Vorstand der Borgentreicher Schützen: Oberst Andreas Muhs (v. l.), Rechnungsführer Erich Bannenberg, Brudermeisterin Maria Müller, Schriftführer Uwe Kohlbrock und Adjutant Jans Weber. | © privat

Borgentreicher Schützenchefin im Gespräch

"Wenn ich die grüne Jacke anziehe gehöre ich dazu."

Borgentreich. Maria Müller führt seit November 2014 die Borgentreicher Schützenbruderschaft an – mit rund 700 Mitgliedern. Im gesamten Erzbistum Paderborn ist sie die erste Frau mit dieser Rolle. Sie ist 57 Jahre alt und arbeitet als Kundenbetreuerin im Außendienst. Frau Müller, ein Sportverein ermöglicht Ausgleich und Bewegung, die Feuerwehr rettet Menschen. Was leistet der Schützenverein? Maria Müller: Er führt die ganze Bevölkerung und alle Generationen zusammen. Zum Schützenfest kommen alle; zum Sportfest nicht unbedingt. Also ist es korrekt, den Sinn des Schützenvereins auf das jährliche Fest zu reduzieren. Müller: Natürlich nicht. Wir Schützen tun sehr viel, was nicht gesehen wird – in regelmäßigen kleinen Schritten.   Was denn? Müller: In Borgentreich haben wir eine sehr gute Jugendarbeit. Zum Beispiel bei den Fahnenschwenkern können schon Kinder ab fünf Jahren dabei sein. Wir bieten einen offenen Tanztreff an, kümmern uns um Denkmalpflege, den Blumenschmuck auf dem Friedhof und nehmen an Prozessionen teil.   Und trotzdem wird ein Schützenverein oft mit viel Alkohol verbunden... Müller: Es mag sein, dass es diese Vorwürfe gibt. Allerdings zu unrecht. Ein Bier gehört an Schützenfest dazu – auch alle drei Tage. Es heißt, dass die jungen Leute lieber in die Großstädte ziehen, statt auf dem Land zu bleiben. Sind die Schützenfeste ein Auslaufmodell? Müller: Nein. Viele dieser Menschen kommen schließlich extra zum Schützenfest zurück in ihre Heimat. Für sie ist das Wochenende an Pfingsten ein fester Bestandteil.   Wieso? Müller: Das hat viel mit einem Netzwerk und Heimatgefühl zu tun. Wenn der große Arzt aus Frankfurt zum Schützenfest zurück in sein Heimatdorf kommt, ist er für das Wochenende wieder der kleine Ludwig. Er kann ganz er selbst sein. Das gibt Sicherheit, macht Spaß und schafft ein intensives Gemeinschaftsgefühl. Sie haben für Schlagzeilen gesorgt, als Sie 2014 zur Vorsitzenden von rund 700 Schützen gewählt wurden. Eine Frau in einer Männerdomäne? Müller: Ja, das ist schon eine Männerdomäne. Anderseits haben wir in Borgentreich rund 100 weibliche Mitglieder. Das ist eine hohe Quote. Bereuen Sie die Entscheidung mittlerweile? Müller: Nein, ich fühle mich akzeptiert und angenommen. Mir sind keine negativen Dinge zu Ohren gekommen. Ich habe ein gutes Gefühl.   Haben Sie manchmal Probleme, sich durchzusetzen? Müller: Nein, eigentlich nicht. Letztlich wurde ich ja auch mit großer Mehrheit gewählt. Außerdem arbeiten wir super im Team zusammen. Jeder hat seine Aufgaben. Was fällt für Sie im Laufe eines Jahres an? Müller: Hauptaufgabe ist es, zu organisieren. Das Schützenfest stellt natürlich den Schwerpunkt dar: Musik, Getränke, Straßensperren. All das gehört zu meinen Aufgaben. Können Sie das mit Ihrem Beruf verbinden? Müller: Meist erledige ich die Arbeit nach Feierabend. Und an Schützenfest nehme ich mir Urlaub. Das habe ich im ersten Jahr nicht gemacht – ein Fehler. Mittlerweile gönne ich mir dann lieber drei oder vier freie Tage. Das ist es mir wert. Als Vorsitzende der Bruderschaft führt Sie Ihr Weg auch mal über die Ortsgrenze hinaus... Müller: Die Funktion ermöglicht einen Blick über den Tellerrand. Auf Veranstaltungen treffen wir Schützen aus Paderborn, Münster und anderen Städten. Das ist toll. Sobald man die grüne Jacke überzieht, gehört man dazu. Sie waren 1997 an der Gründung der Frauenabteilung im Borgentreicher Schützenverein beteiligt. Hat sich seitdem etwas verändert? Müller: Anfangs waren Frauen im Schützenverein noch ziemlich verschrien. „Was wollt ihr hier? Wollt ihr euch nicht um den Kuchen kümmern?", waren typische Fragen. Das hat sich total geändert. Wir haben mittlerweile einen festen Platz im Verein und werden auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen.   Was steht demnächst an? Müller: Wir tragen nächstes Jahr den Diözesanjungschützentag bei uns aus. Das wird ein großes Ereignis. Außerdem haben wir jetzt eine ganz neue Internetseite. Ihre Amtszeit endet in zwei Jahren. Machen Sie weiter? Müller: Eigentlich waren nur vier Jahre angedacht. Es ist eine Erfahrung wert. Ich lerne viel dazu. Andererseits bin ich keine 30 mehr. Wir werden sehen.

realisiert durch evolver group