Am Kamin: Zunächst als Mitglied des Stadtrats und später als ehrenamtlicher Bürgermeister begleitete Meinolf Michels die Geschicke der Gemeinde Großeneder, der Stadt Borgentreich und als Kreistagsmitglied und stellvertretender Landrat die des Kreises Höxter, bis er 1980 als CDU-Abgeordneter in den Bundestag gewählt wurde. - © Katharina Engelhardt
Am Kamin: Zunächst als Mitglied des Stadtrats und später als ehrenamtlicher Bürgermeister begleitete Meinolf Michels die Geschicke der Gemeinde Großeneder, der Stadt Borgentreich und als Kreistagsmitglied und stellvertretender Landrat die des Kreises Höxter, bis er 1980 als CDU-Abgeordneter in den Bundestag gewählt wurde. | © Katharina Engelhardt

Großeneder Politiker Meinolf Michels feiert seinen 80. Geburtstag

Ehemaliger Bundestagsabgeordneter: Meinolf Michels ist 80 Jahre alt geworden. Der Christdemokrat begann seine politische Laufbahn als Stadtratsmitglied und Bürgermeister. Auf Bundesebene wirkte er 22 Jahre lang

Katharina Engelhardt
09.01.2016 | Stand 10.01.2016, 15:22 Uhr

Großeneder. Wenn Meinolf Michels eines nicht mag, dann ist es großes Aufheben um seine Person. Bescheiden möchte er auftreten. Daran liegt ihm sehr, sagt er mit leiser Stimme. Jedoch: Allein die Erlebnisse aus seiner politische Vita könnten viele Hundert Seiten füllen. Und zwar blatthoch und randvoll beschrieben. Im November ist der Mann, der 22 Jahre lang als CDU-Abgeordneter seinen Wahlkreis Höxter-Lippe II in Bonn und Berlin vertreten hat, nebenbei zahlreiche Ämter innehatte und als Bürgermeister die Bördegemeinde Großeneder und Borgentreich geprägt hat, 80 Jahre alt geworden. Gemeinsam mit seiner Frau Thea, die einen Tag vor Heiligabend ihren 80. Geburtstag beging, will das Paar heute mit geladenen Gästen in Großeneder feiern. Meinolf Michels war viele Jahre nimmermüder Lokalpolitiker, ehrgeiziger und engagierter Bundestagsabgeordneter und Politikprofi. Letzteres ist er immer noch durch und durch; allzu persönlichen Fragen begegnet er mit feiner, schlauer Diplomatie. "Diskutieren, um die Sache ringen", das war immer seins. 38 Jahre lang stand er in der Öffentlichkeit, immer präsent auf der politischen Bühne, aktiv in zahlreichen Ämtern und Funktionen. Dabei schien sein Weg zunächst ganz anders vorgezeichnet. Meinolf Michels ist mit der Landwirtschaft aufgewachsen. Schweine und Kühe haben seine Eltern gehabt und Ackerlandbau betrieben, Getreide und Rüben. "Maschinen wie heute gab?s da keine", erinnert er sich, die Arbeit war hart und ging auf die Knochen. Für die meisten Kleinbauern war die Landwirtschaft bloß Nebenerwerb. Frühmorgens und noch vor ihrer eigentlichen Arbeit in der Fabrik mussten die Bauern aufs Feld. Aussäen, ernten, das Feld pflügen. Michels musste früh mithelfen. Er erinnert sich, wie er als neunjähriger Steppke immer wieder die Flieger über die Äcker Großeneders hinwegrauschen sah, die kurze Zeit später ihre Bomben auf Kassel abwarfen. Den Beruf Landwirt hat er gelernt, allein schon, um den elterlichen Betrieb übernehmen zu können. Auf der Landwirtschaftsschule lernt er seine große Liebe, Thea, kennen. 1959 heiratet das Paar. Thea Michels, geborene Gründer, stammt aus einem sehr politischen Elternhaus: Ihr Vater war viele Jahre Bürgermeister von Menne und der Familienalltag geprägt von den Pflichten, die das Amt mit sich brachte. 1964 beginnt Meinolf Michels, sich in der Lokalpolitik zu engagieren. Zunächst als Ratsmitglied der Stadt Borgentreich, wenig später schon als ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Großeneder und später der Stadt Borgentreich. Der Wunsch vieler Großenederer nach einem Kindergarten wird zu seinem ersten großen Projekt. »Das sind Eindrücke, die vergisst man nicht« Auch privat stagniert er nicht, richtet seinen landwirtschaftlichen Betrieb neu aus: Anfang der 1970er-Jahre schafft Michels sämtliche Kühe und Schweine ab und betreibt nur noch reinen Ackerlandbau. Getreide. Und Rüben. Viel zu wenig, um den wortgewandten und politikinteressierten Meinolf Michels auszufüllen. Scheinbar wie nebenher wirkt er als Vorsitzender des Kuratoriums der Landvolkhochschule Hardehausen, außerdem steht er als Kreislandwirt 30 Jahre lang für die Belange seiner Berufskollegen ein. Dem Kreistag gehört er seit 1969 an, hier ist er bis 1974 stellvertretender Landrat und in dieser Position federführend für die kommunale Neugliederung der Kreise Höxter und Warburg beauftragt. "1975 erreicht Meinolf Michels als Direktkandidat zur Stadtratswahl das Spitzenergebnis von 90,8 Prozent der Wählerstimmen", schreibt die CDU Großeneder heute auf ihrer Internetseite. 1980 befördert ihn sein Wahlkreis Höxter-Lippe II - ebenfalls mit großer Mehrheit - direkt in den Bundestag. Fünf Mal noch wird ihm das in den darauffolgenden zwei Jahrzehnten gelingen. An die ersten Tage als frischgebackener Bundestagsabgeordneter in Bonn, der damaligen Hauptstadt, erinnert er sich: "Das sind Eindrücke, die vergisst man nicht." Michels weiß um das Glück, dass er ausgerechnet jene Zeiten in Bonn und Berlin miterleben darf, die zu den bedeutendsten der jüngeren deutschen Geschichte zählen: der Mauerfall, die Wiedervereinigung, später die Entscheidung für Berlin als Hauptstadt ("Ich bin aus vollem Herzen Nordrhein-Westfale, aber ich habe für Berlin gestimmt, denn für mich war immer klar, dass Berlin wieder deutsche Hauptstadt werden muss") und dann der Umzug. Nach seinem emotionalsten Erinnerungsmoment gefragt, überlegt Michels nicht lang. "Es war der 2. Oktober 1990, da standen auf der Wiese hinter dem Reichstag ein paar Hunderttausend junge Menschen, fahnenschwenkend und voller Freude darauf, dass wieder eins wird, was immer eins war." Nach der Wiedervereinigung kehrt jedoch der Alltag schnell ein und mit ihm ein ganzer Haufen Probleme. "Fast stündlich kamen neue hinzu." Michels betreut eines der Ost-Unternehmen, die nach dem Mauerfall ihre Produkte nicht mehr absetzen konnten und vor dem Bankrott standen. Eine "allumfassende Aufgabe war das", sagt er. Der Betrieb in Dresden-Radebeul stellt damals Waagen und Backstraßen her. "Heute gibt es die Firma dank neuer Ausrichtung immer noch, es zählt 300 Mitarbeiter", erzählt Michels. Geschichten wie diese füllen die politische Vita von Michels und noch viele mehr könnte er erzählen. 2002 zieht er den Schlussstrich unter seine politische Karriere und steigt mit 67 Jahren aus. Schwer gefallen sei ihm der Abschied nicht. "Alles hat seine Zeit", sagt er, klar und aufgeräumt. Nur an das Gefühl, nicht mehr hundertprozentig aufmerksam sein zu müssen und "sofort auf Stand zu sein", habe er sich erst langsam gewöhnen müssen. Heute liest er immer noch tagtäglich drei Tageszeitungen, arbeitet sie regelrecht durch. Aber entspannter als früher. "Und gerne die Nachrichten aus den Ortschaften". Michels genießt seinen Ruhestand in Großeneder. Hier ist er nach wie vor zu Hause, lebt mit seiner Frau auf dem landwirtschaftlichen Anwesen der Familie, etwas abseits am Dorfrand gelegen. Fünf Kinder haben die Michels hier großgezogen, freuen sich mittlerweile über 14 Enkel und sogar den ersten Urenkel. Viel Zeit bleibt jetzt endlich mit der Familie. "Das genieße ich mit vollem Herzen", sagt der Jubilar.

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