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Ende einer Ära: Bodo Exner, der Allgemeine Vertreter des Samtgemeindebürgermeisters, Tino Wenkel und Museumsleiter Manfred Bues. - © Mathias Brüggemann
Ende einer Ära: Bodo Exner, der Allgemeine Vertreter des Samtgemeindebürgermeisters, Tino Wenkel und Museumsleiter Manfred Bues. | © Mathias Brüggemann

Boffzen Boffzener Glasmuseum schließt endgültig

Jetzt wird ein Zwischenlager für die rund 500 Exponate gesucht

Mathias Brüggemann
22.10.2019 | Stand 21.10.2019, 20:47 Uhr

Boffzen. Es war ein trauriger Tag für Manfred Bues und Bodo Exner. Die beiden ehrenamtlichen Mitarbeiter des Boffzener Glasmuseums holten am Montagvormittag die beiden Fahnen vor dem Museumsgebäude an der Bahnhofstraße ein und übergaben sie Gemeindebürgermeister Christian Perl und dem Allgemeinen Vertreter des Samtgemeindebürgermeisters, Tino Wenkel. Damit geht eine fast 30-jährige Ära in Boffzen zu Ende. Das Glasmuseum in der Villa Becker hat nun endgültig die Türen geschlossen. Für Museumsleiter Manfred Bues und Bodo Exner ist die ehrenamtliche Arbeit im Glasmuseum damit aber noch lange nicht beendet. Denn nun müssen die rund 500 Exponate - vom Mini-Schnapsglas bis zum Glasmacherofen - verpackt werden und abtransportiert werden. Bis zum Jahresende muss die ehemalige Fabrikantenvilla geräumt sein. Der Eigentümer will das Haus umbauen und dort künftig Wohnungen anbieten. Doch wohin mit den Ausstellungsstücken? Das wissen Bues und Exner auch noch nicht. "Wir suchen zunächst ein Zwischenlager", sagt Gemeindebürgermeister Christian Perl, "100 Quadratmeter brauchen wir schon." Möglicherweise müsse man zunächst auf eine Containerlösung zurückgreifen. Auch für das Trauzimmer wird ein Ersatz gesucht Auch für das Trauzimmer, das im ersten Obergeschoss der Villa untergebracht war, muss ein Ersatz her. "Möglicherweise können wir das Sitzungszimmer im Verwaltungsgebäude dafür nutzen", sagt Bürgermeister-Stellvertreter Tino Wenkel. Manfred Bues wird in den nächsten Wochen auch damit beschäftigt sein, das Inventarverzeichnis zu durchforsten. Einige der Ausstellungsstücke sind nämlich Leihgaben. Und die müssen nun an die jeweiligen Eigentümer zurückgegeben werden. Was nicht immer einfach sein wird. Denn manch einer, der dem Museum Exponate zur Verfügung gestellt hat, ist inzwischen verzogen oder verstorben. Dann müssen die neuen Adressen ermittelt oder die Erben ausfindig gemacht werden. Andernfalls hätten Steuern erhöht werden müssen Die Museumsschließung war notwendig geworden, weil der Samtgemeinde Boffzen schlicht und einfach das Geld für eine weitere Unterhaltung des Museums fehlt. "Wir sind in der Haushaltssicherung. Da stehen alle freiwilligen Leistungen auf dem Prüfstand. Und das Glasmuseum ist die einzige freiwillige Leistung, die die Samtgemeinde noch anbietet", erläutert Gemeindebürgermeister Christian Perl. "Andernfalls hätten wir die Steuern erhöhen müssen." Ziel bleibt es weiterhin, dass irgendwann einmal eine Dauerausstellung mit einigen Exponaten der Glasmuseums eröffnet werden kann - möglichst in gemeindeeigenen Räumen. Wo und wann, das steht noch in den Sternen. "Auf jeden Fall sollen die Ausstellungsstücke nicht auf Dauer im Keller verschwinden", betont Manfred Bues. Kulturelles Erbe soll wachgehalten werden Auch nach der Schließung des Glasmuseums soll das kulturelle Erbe der Glasherstellung in Boffzen wachgehalten werden. Der Verein "Freundeskreis Glas Boffzen", der jahrzehntelang das Museum betreiben hatte, plant einen Glasstelen-Weg in Boffzen. Auf dem Ortsrundgang sollen Info-Glasstelen an markanten Stellen und geschichtlich wichtigen Stationen aufgestellt werden und die Besucher über die Glas-Historie informieren. Der Rundgang soll im September nächsten Jahres eröffnet werden.

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