Lauenförde Volker Faltins 70. Geburtstag: Ein Mann der Tat

Porträt: Der Lauenförder Volker Faltin wird heute 70 Jahre. Er hat als Kulturmacher und Konzertorganisator mit der Kulturgemeinschaft Beverungen zahlreiche Künstler an die Weser geholt

Simone Flörke

Lauenförde. Er ist ein Mann, der sich nicht gern in vorgefertigte Schubladen pressen lässt. Ein Mann, der auch mal abseits des Mainstreams nach Lösungen sucht. Und ein Mann, der auch nach einem Rückschlag wieder aufsteht, sich schüttelt und weitermacht, wenn er von etwas überzeugt ist: Mittwoch wird Volker Faltin, einer der Motoren und Macher bei der Kulturgemeinschaft Beverungen, 70 Jahre. „70 Jahre alt" kann man bei ihm nicht sagen. Denn er ist junggeblieben im Kopf und im Herzen. „Ich behaupte von mir, ich bin ein empathischer Altruist", sagt er lächelnd. „Und ich habe eine Macke: Ich versuche, Dinge langfristig zu denken." Devise dabei: „Nicht lange quatschen – machen." »So ein geschenktes Leben ist schon was Tolles – ich bin jeden Tag dankbar« Seinen Geburtstag wird Faltin mit seiner Frau Angelika samt Wohnmobil-Bulli im geliebten Frankreich verbringen. Und genießen, sagt er. „Auf der großen Sanddüne bei Arcachon, mit gutem Essen und zu zweit." Denn nach seiner Nierentransplantation sei ihm ein neues Leben geschenkt worden. Deshalb sein Wunsch zum 70: „Ich wünsche mir, dass meine Niere lange hält. Und ich bin jeden Tag dankbar, dass ich sie bekommen habe. So ein geschenktes Leben ist schon was Tolles." Vieles war und ist er: Neudenker, Umdenker und Querdenker; Lehrer, Kommunalpolitiker, Kunstfreund, Kulturorganisator und Konzertmacher. Für Letzteres hat der gebürtige Warburger 2015 den Deutschen Bürgerpreis fürs Lebenswerk erhalten. Von den Kollegen der Kulturgemeinschaft gab’s schon den Kultur-Oscar. Auf beide Auszeichnungen ist Faltin stolz. „Ich bin 40 Jahren bei der Kulturgemeinschaft." Die Gründungsversammlung habe er verpasst, berichtet er schmunzelnd. „Doch ich hatte die Beitrittserklärung schon vorher unterschrieben. Denn für mich war und ist es selbstverständlich, Dinge zu unterstützen, die gut sind", so bringt er seine Motivation auf eine einfache Formel. Ein Teamplayer, der auch mit anpackt Und er ist sich nicht zu schade, als Teamplayer neben der Organisation der großen Veranstaltungen wie jetzt wieder das Weser-Open-Air (seit 2005) mit Scooter und Ex-Supertramp Rodger Hodgson (25. und 26. August) auch beim Aufstellen der Absperrungszäune mit anzupacken. Er lächelt: „Unser halbes Haus ist für die Kultur reserviert", sagt er. Das beginnt beim Druck der T-Shirts – derzeit macht er im wahrsten Sinne laufend Werbung fürs Open-Air, hat pragmatisch einfach eine weitere Zeile an die Reihe der Stars von Ina Müller bis Cro aufs Shirt gedruckt – über das Kleben von Plakaten bis zum Bekochen der Künstler. Die Veranstaltungsplakate hängen überall im eigenhändig renovierten Fachwerkhaus (eines von dreien aus seiner Handwerkerhand), erinnern daran, wer alles Station gemacht hat in Beverungen: Chris de Burgh, Pur, Helge Schneider, BAP, Nena, Herbert Grönemeyer oder Amy Macdonald 2017. Mit Hermann van Veen, der schon ein dutzendmal in Beverungen auftrat, hat er bis in die Nacht diskutiert. Mit Jürgen von der Lippe bis spätabends aus dem Gallischen Krieg oder der Odyssee zitiert. Und er schwärmt von BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken: „Ein wahnsinniger Typ. Noch empathischer als ich." Westernhagen würde er gerne noch einmal nach Beverungen holen Kraan war 1980 die erste Band, deren Auftritt er organisierte – auf Wunsch von Schülern der Realschule, die Rock in Beverungen hören wollten. Mehrere Hundert sind es mittlerweile. Wen er sich noch mal wünscht? Faltin lächelt: „Ich träume sicherlich nicht von den Rolling Stones. Aber Westernhagen würde ich gern noch mal hier hören." Das Erfolgsrezept, mit dem Beverungen weit über die Region hinaus als Veranstaltungsort bekanntgeworden ist: „Was geht. Was das Publikum wünscht. Und dann zur richtigen Zeit." Mittlerweile trifft Volker Faltin Ehemalige der Realschule und der Schülerzeitung, die er mit Leidenschaft betreute (rund 70 Hefte rausgebracht), die heute „ehrenwerte Berufe haben und mithelfen", freut er sich. Auch als Politiker sei es im Gemeinderat oder im Bürgerhallenverein stets ein Anliegen gewesen, „Verantwortung für andere zu übernehmen und Wege aufzuzeigen, wie ein besseres Leben möglich sein kann." Fürs Examen im Wohnwagen auf dem Campingplatz gebüffelt Lehrer sei er geworden, „weil ich nicht die Fehler machen wollte, die ich selbst erlebte: Ungerechtigkeit und Diskriminierung." Sprachlich sei er als Schüler begabt gewesen, gekämpft habe er sich durch Mathe – und studiert Germanistik und Geografie in Münster. Gelebt hat er mit seiner Frau, die aus Scherfede kommt und die er 1974 heiratete, damals in einem Wohnwagen auf dem Campingplatz, dort auch fürs Examen gebüffelt. „Im Winter war’s nicht so angenehm. Aber wenn man jung ist, schafft man das." Viel war er unterwegs als Lehrer am Studienseminar in Paderborn oder als Fachleiter Deutsch an Realschulen für die Bezirksregierung (er unterrichtet heute Flüchtlinge in Deutsch). Dann folgten die Krankheit, die Dialyse, 2002 die Transplantation. Seitdem ist Faltin ein engagierter Verfechter für die Organspende, setzt sich für die Widerspruchslösung ein und hat zahlreiche Bundestagsabgeordnete deshalb angeschrieben. Auf die Antwort des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier ist er besonders stolz, erzählt der Lauenförder und erklärt seine Motivation: „Ich halte es für wichtig, mich für andere einzusetzen, die nicht so glücklich sind wie ich." Eben mit Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit.

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