Gruppenbild vom Schüttenhoff in Lauenförde vor 106 Jahren: 1912 fand derletzte Schüttenhoff in Lauenförde statt. Im Mittelpunkt stand dabei einsymbolisches „Kriegsspiel" der militärisch geführten und ausgerüsteten Bürger gegen die von außen eindringenden Banden. - © Schützenverein
Gruppenbild vom Schüttenhoff in Lauenförde vor 106 Jahren: 1912 fand derletzte Schüttenhoff in Lauenförde statt. Im Mittelpunkt stand dabei einsymbolisches „Kriegsspiel" der militärisch geführten und ausgerüsteten Bürger gegen die von außen eindringenden Banden. | © Schützenverein

Lauenförde Vorreiter des Schützenfestes aus Lauenförde

20 Jahre Schüttenhoff in Lauenförde: Erinnerung an Festspiele mit Antreten, Manöver, Parademarsch und Festzug – was es mit der Tradition auf sich hat, erklären die Akteure

Torsten Wegener

Lauenförde. Der Schüttenhoff in Lauenförde feiert nach seiner Wiederbelebung runden Geburtstag. Seit 20 Jahren gibt es mittlerweile wieder das Schüttenhoff-Bataillon im Ort. Dies wird am 18. und 19. August im Bürger- und Kulturzentrum Lauenförde gefeiert. Doch was ist der Schüttenhoff überhaupt, und warum ist er vor 20 Jahren neu aufgelegt worden? Die Neue Westfälische hat einmal nachgefragt. 1998 feierte der Flecken Lauenförde zehn Tage lang sein 650-jähriges Bestehen, die Vereine brachten sich mit eigenen Veranstaltungen ein. Der Schützenverein Lauenförde beleuchtete dafür das Schützenwesen im Ort, entdeckte die die Tradition des Schüttenhoffs und führte sie vor einer großen Zuschauerschar vor. „Bevor nach den zwei Weltkriegen die Ära der Schützenfeste begann, wurde in Lauenförde Schüttenhoff gefeiert", erklärt Werner Tyrasa, Vorsitzender des Lauenförder Schützenvereins. "Der Schüttenhoff war in seiner Ursprungsform ein Manöver" Der Name „Schüttenhoff" lässt sich vermutlich am treffendsten mit dem Begriff „Schützenschau" ins heutige Deutsch übersetzen: Ursprünglich sollten die vom Landesherrn zur Verteidigung verpflichteten männlichen Einwohner des Dorfes („Schütten") regelmäßig ihre Wehrfähigkeit und den sicheren Umgang mit der Waffe unter Beweis stellen. Dafür wurde eine Veranstaltung auf einem bestimmten Platz („Hoff") abgehalten. „Der Schüttenhoff war in seiner Ursprungsform ein Manöver, das im Laufe der Zeit aber immer mehr zu einem gesellschaftlichen Ereignis wurde", erläutert Tyrasa. Der Schüttenhoff ist eine südniedersächsische Sonderform des Schützenfestes. Danach stand im Mittelpunkt des Festes das Kriegsspiel, das „Barrikadenstürmen". Aber auch das Ausschießen des Schüttenhoffkönigs gehörte zum Programm. Der erste nachweisliche Schüttenhoff in Lauenförde wurde 1865 abgehalten. Es gilt aber als sicher, dass es zuvor auch schon im Flecken das Ereignis gab. Laut der Lauenförder Chronik weisen eine Musterungsrolle aus dem Jahr 1585 und das Contributionsregister von 1611 auf eine Bürgerwehr in Lauenförde hin. Gefeiert wurde vier Tage mit strengen Regeln 1912 wurde der letzte Schüttenhoff vor dem Ersten Weltkrieg durchgeführt. Vom damaligen Ortsheimatpfleger Heinrich Könnecke gibt es dazu noch Aufzeichnungen. Es sei ein sehr glanzvoller Schüttenhoff gewesen. „Zu den Höhepunkten zählten neben den Manövern die Parade, der Umzug und natürlich das Schießen auf die Königsscheibe", so der Chronist. Gefeiert wurde vier Tage mit strengen Regeln, die Gaudi kam jedoch nicht zu kurz. Es wurde kräftig gefeiert. Zwischen den beiden Weltkriegen gab es zwar vom mittlerweile existierenden Schützenverein auch Feste, ein Hinweis auf den Schüttenhoff ist in der Chronik nicht zu finden. Nach dem Zweiten Weltkrieg sorgten dann die Alliierten und die zeitkritische Haltung dafür, dass mit der alten Tradition radikal gebrochen wurde. „Mit der Neugründung des Schützenvereins stand der Schießsport im Solling-Schützenbund im Vordergrund", berichtet Tyrasa. Aus dem Schüttenhoff wurde ein Volks- und Schützenfest. "Es war unglaublich, wie viele Menschen sich das Manöver angeschaut haben" Zur 650-Jahr-Feier 1998 des Fleckens Lauenförde ließen die Lauenförder Schützen diese alte Schüttenhoff-Tradition wieder aufleben. Anhand von alten Bildern wurden die für Lauenförde typischen Uniformen rekonstruiert und im Gewandhaus in Aachen ausgeliehen. Mit drei Kompanien und einer Artillerie „kämpfte" man gegen die Blau-Weiße Garde aus Beverungen. „Es war unglaublich, wie viele Menschen sich das Manöver angeschaut haben. Es war ein Highlight des Jubiläumsfestes", berichtet Werner Tyrasa. Während zum Beispiel in den südniedersächsischen Gemeinden Bodenfelde und Nörten-Hardenberg, in Abständen von fünf bis sieben Jahren, an die Tradition des Schüttenhoffs erinnert wird und Tausende Zuschauer anlockt, blieb es in Lauenförde eine einmalige Sache. Seit 2008 gibt es lediglich im kleinen Rahmen ein Gefecht zwischen einer Schüttenhoff-Kompanie und der Blau-Weißen Garde des CVWB bei der Rathausstürmung in Lauenförde zu Beginn der Karnevalssession. Was aber geblieben ist, sind das Schüttenhoff-Bataillon und die Schüttenhoff-Kanone, die 2002 aus einem Stück Stahlrohr gedreht wurde. „Heute sind die Schüttenhoffkameraden Bestandteil des Schützenvereins Lauenförde. Als äußeres Erkennungszeichen wird eine Schirmmütze mit den Ortsfarben Rot und Gelb getragen", sagt Tyrasa. Bataillonskommandeur ist – wie bereits vor 20 Jahren – General Helmut Heyer. Das Bataillon organisiert zum Beispiel das Osterfeuer und tritt zu besonderen Anlässen als Delegation für den Schützenverein an. Interessant: Wer Interesse daran hat, Mitglied des Schüttenhoff-Bataillons zu werden, muss kein Mitglied im Schützenverein sein oder werden. „Wer ein Schüttenhoff-Kamerad werden will, muss nur die Mütze beim Schützenverein erwerben. Mehr braucht es nicht", so Tyrasa.

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