Fürstenberg Porzellan: Neuer Museumsleiter und neues Buch in Fürstenberg

Das Museum im Schloss Fürstenberg wird im März eröffnet

Simone Flörke

Fürstenberg. Seine Ziele: "Mit einem Gefühl von 'Wow' zu sprechen, wenn der Name Fürstenberg fällt - und an diesem Museum nicht vorbeizukommen": Christian Lechelt (39) ist neuer Leiter des Porzellanmuseums. Der promovierte Kunsthistoriker spricht vom "Spaßfaktor" beim Museumsbesuch, von Lebendigkeit und Dynamik, Freude und Begeisterung, von der Bedeutung Fürstenbergs über das Regionalgeschichtliche hinaus und dem ganz "neuen Niveau bei der Vermittlung von Porzellan": Dabei fallen Begriffe wie "unkonventionell", "abgefahren", "cool", "neugierig und spannend", "nahbar und einladend". Am 3. März wird bei einem Festakt mit geladenen Gästen das Museum wieder geöffnet. Ab 5. März ist es dann für die Allgemeinheit geöffnet. Interessierte können sich schon jetzt für Besuche und Führungen anmelden. Der 39-Jährige hat eine frische, ansteckende Art, von dem weißen Gold zu sprechen, das ihn schon seit der Kindheit, seit den aus den Osten geschmuggelten Erbstücken seiner Nenntante aus Hamburg, so fasziniert. Und nie losgelassen hat. "Du gehst mit dem Teller um wie andere Leute mit einem Gemälde", habe ihm mal ein Freund gesagt, erzählt der Neu-Höxteraner schmunzelnd. Für ihn ist Porzellan ein Alltagsprodukt und eine Kunstform zugleich. So studierte der Braunschweiger Kunstgeschichte in Köln, promovierte über den Meißener Künstler Paul Börner im Spannungsfeld und Kontext von Kaiserreich bis DDR und arbeitete zuletzt im bayerischen Selb beim Staatlichen Museum für Porzellan. Lechelt hat als Projekteiter die im rund Zehn-Millionen-Euro-Masterplan festgezurrte Umgestaltung in Füstenberg schon seit Mitte 2015 mitbegleitet. Seit rund vier Jahren arbeitete er zudem am dritten Band über die Porzellangeschichte dort, der jetzt fertig ist. Und zwar ab der Privatisierung 1859 bis in die Gegenwart. Was ihn an Fürstenberg fasziniert? "Der Überlebenswille, die Wandlungsfähigkeit und die Erstaunlichkeit", sagt Lechelt. "Aus der Tradition allein kann Fürstenberg nicht leben, sondern muss sich am Marktgeschehen orientieren." Dabei habe die Manufaktur es im 21. Jahrhundert geschafft, sich komplett neu aufzustellen, die Trends international zu setzen und das Erbe auf eine innovative Weise zu interpretieren. Genau den Weg will man nun auch durch den frischen Wind im Museum gehen: Rund 40.000 Besucher kamen zuvor jährlich, berichtet Lechelt. Ein Plus von 25 Prozent wird angestrebt. Nicht chronologisch, sondern thematisch ist die Ausstellung nun konzipiert. Der Besucher sei frei, sich sein Oberthema herauszupicken - und es zu verstehen, auch ohne andere Räume gesehen zu haben. "Der Besucher arrangiert seine eigene Ausstellung", sagt der Leiter. Dazu werde es ein Team von 15 Guides geben. Dazu wird die Stelle eines Museumspädagogen neu eingerichtet. Im ehemaligen Veranstaltungssaal ist nun die Besucherwerkstatt untergebracht. "Der Besucher kommt ganz dicht ran", verspricht Lechelt. Und freut sich auf das Publikum und die Reaktionen.

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