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Beverungen

Förderschule ohne Zukunft

Weyrather Schule in Wehrden läuft ab dem Schuljahr 2015/16 aus

VON TORSTEN WEGENER
12.12.2013 | Stand 10.12.2013, 20:59 Uhr

Beverungen. Die Weyrather Förderschule in Wehrden wird ab 2016 nicht mehr existieren. Im Schulausschuss der Stadt Beverungen wurde bekannt, dass die Förderschule aufgrund der geringen Schülerzahlen geschlossen werden muss. Bereits seit 2011 steht dieser Beschluss im Raum. Damit hat der landesweite Trend auch den Kreis Höxter erreicht. Auch die weiteren Förderschulen im Kreis stehen auf der Kippe.

Die Entwicklung der Weyrather-Schule in Wehrden war in den vergangenen Jahren mehrfach Beratungsgegenstand in den Sitzungen des Bezirksausschusses Wehrden, des Schulausschusses sowie des Stadtrates. Erklärtes Ziel der Entscheidungsträger war es immer gewesen, die Förderschule so lange wie möglich zu erhalten.

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Kreis-Förderschule

Die Wahlfreiheit für Eltern zwischen Förder- und Regelschule gerät im Kreis in Gefahr. "Keine städtische Schule erfüllt die Norm, um mittelfristig eigenständig zu bleiben", verdeutlicht Klaus Kamischke vom Schulamt.

Deswegen würde auch schon darüber nachgedacht, zentral eine neue Förderschule zu gründen. Brakel käme dafür infrage. Da aber sicherlich kein Stadt freiwillig die Trägerschaft übernehmen will, müsste dies der Kreis übernehmen.

"Erste Voraussetzung dafür ist aber, dass alle sieben städtischen Förderschulen im Kreis schließen. Erst dann kann der Bedarf an Schülern errechnet werden, die eine Förderschule besuchen sollen", erläutert Kamischke. ⋌(tor)

Den Eltern der Schülerinnen und Schüler sollte damit Gelegenheit gegeben werden, ein echtes Wahlrecht zu haben. "Von dieser Möglichkeit haben die Eltern in den vergangenen Jahren verantwortungsbewusst Gebrauch gemacht", sagt Klaus Kamischke, Abteilungsleiter für Schule, Ordnung, Soziales bei der Stadt Beverungen.

Die Mindestzahl von Schülern sank aber weiter. Die Förderschule mit dem Schwerpunkten Lernen, Sprache, Emotionale und soziale Entwicklung in Wehrden liegt schon länger unter der genehmigungsfähigen Schülerzahl. Doch nun wurden auch sämtliche Ausnahmegenehmigungen gestrichen. Die längst angedachte Schließung ist somit unausweichlich. Ein Trend, der sich durch ganz NRW zieht.

Nach Angaben des NRW-Schulministeriums erreichen 227 von 306 Schulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen die Mindestgröße von 144 Schülern nicht. Zudem sinken die Schülerzahlen an Förderschulen deutlich schneller als an allgemeinen Schulen, weil Kinder vermehrt in die allgemeinen Schulen wechseln. Mit der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen werden nun Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf gemeinsam mit allen anderen Schülern in den allgemeinen Schulen lernen.

Für die Elternpflegschaft der Weyrather-Schule ist dies kein Trost, denn sie haben in einem Schreiben an das Schulamt deutlich gemacht, dass sie große Sorgen um die weitere Beschulung ihrer Kinder haben. "Inklusion wird nun mal kontrovers diskutiert. Einige Eltern wollen ihre Kinder an einer allgemeinen Schule haben, andere Eltern glauben, dass die Förderschule der richtige Weg ist. Eltern haben sicherlich das beste Gespür", betont Kamischke.

So kam die Stadt Beverungen als Schulträger den Eltern auch entgegen. Es wird keine direkte Auflösung der Schule im Juli 2015 geben, sondern die Schule wird jahrgangsweise ab dem Schuljahr 2015/16 auslaufen. Das habe den Vorteil, dass die 15 Schüler, die ab 2015 noch übrig bleiben, weiterhin zusammen beschult werden können. "Das wird dann aber wahrscheinlich schon in den Räumen der jetzigen Verbundschule stattfinden. Aber die Lehrer können mitkommen. Ob die Bezirksregierung diese Variante jedoch noch duldet, wenn 2016/17 nur noch fünf Schüler an der Förderschule gemeldet sind, bleibt aber dahingestellt", erläutert Kamischke.

Für Manfred Willeke, Schulleiter der Weyrather Schule, eine akzeptable Lösung: "Es wäre wichtig, dass wir als Lehrer mit nach Beverungen kommen. Denn man darf nicht unterschätzen, dass die Schüler aus einem behüteten System kommen und ein großes Schulzentrum für Stress sorgen wird. Letztendlich bleibt uns nichts anderes mehr übrig, denn mit den geringeren Schülerzahlen fallen Lehrstellen weg, ein vernünftiger Unterricht in Wehrden wird immer schwerer."

Der Schulausschuss einigte einstimmig darauf, dass die voraussichtlich 15 Schüler, verteilt auf die Jahrgänge sieben bis zehn, auch im Schuljahr 2015/16 zusammen bleiben und mit den Lehrer der Förderschule in Beverungen unterrichtet und gefördert werden. "Somit können wir gewährleisten, dass die Eltern wirklich noch ein Wahlrecht zwischen Regel- und Förderschule haben", sagte Ausschussvorsitzender Udo Ernst.

Letztendlich machten sich die Ausschussmitglieder über dieses Wahlrecht aber große Sorgen, denn die Schulschließung wird über kurz oder lang alle sieben städtischen Förderschulen im Kreis treffen. Deswegen fordert der Schulausschluss mit seinem Beschluss den Kreis Höxter auf, eine kreisweite Lösung zu finden und zumindest eine Förderschule zu erhalten. Denn sonst hätten die Eltern keine freie Schulwahlmehr. Klaus Oppermann, Schulleiter der Verbundschule, warnte davor, denn die inklusive Beschulung stelle die Lehrer vor große Herausforderungen. "Deswegen braucht es mehr fortgebildete Kollegen, die an den Regelschulen arbeiten. Nicht jeder Lehrer kann mit der neuen Situation umgehen."

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