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Lautstark: Die Streikenden am IG Metall-Bildungszentrum an der Elisenhöhe machen mit Transparenten, Tuten und Trillerpfeifen auf ihr Anliegen aufmerksam. - © Simone Flörke
Lautstark: Die Streikenden am IG Metall-Bildungszentrum an der Elisenhöhe machen mit Transparenten, Tuten und Trillerpfeifen auf ihr Anliegen aufmerksam. | © Simone Flörke

Beverungen Gebäudereiniger im Kreis Höxter streiken für gerechten Lohn und Respekt

Gebäudereiniger-Handwerk hat am IG Metall-Bildungszentrum an der Elisenhöhe zum Warnstreik mit Arbeitsniederlegung aufgerufen, der auch am Donnerstagmorgen weitergeht. Was die Forderungen sind

Simone Flörke
25.09.2019 | Stand 26.09.2019, 09:22 Uhr

Beverungen-Drenke. Sie haben symbolisch mit einem schwarzen Sarg und einem Trauerzug übers Gelände den Rahmentarifvertrag zu Grabe getragen. Und sie haben lautstark mit Trillerpfeifen und Tuten sowie auch mit Transparente und Fahnen auf ihr Anliegen aufmerksam gemacht. Die Streikenden des Gebäudereiniger-Handwerks machten am Mittwochmorgen, 25. September,  am IG Metall-Bildungszentrum an der Elisenhöhe bei Beverungen-Drenke bei einem Warnstreik lautstark deutlich, dass sie das Angebot der Arbeitgeber nach der Kündigung des Rahmentarifvertrages zum 31. Juli dieses Jahres für eine „Mogelpackung" halten. Sie fordern „faire Arbeitsbedingungen und Respekt", heißt es. „Sauberkeit braucht ihre Zeit", ist auf dem Plakat zu lesen. Und: „Sie verdienen mehr." Am Donnerstagmorgen, 26. September, treffen sich die Streikenden ab 10 Uhr auf dem Marktplatz in Beverungen. Dieser Rahmentarifvertrag vom Juni 2011 müsse dringend und eigentlich alle fünf Jahre ein Update erhalten, sagte Gewerkschaftssekretär Gianpaolo Mosca von der IG Bau. Das Angebot der Arbeitgeber aus den Verhandlungen Mitte August beinhalte aber massive Verschlechterungen: So solle es zukünftig eine Sieben-Tage-Woche geben, sollten Zuschläge von maximal 200 auf 75 Prozent gekürzt werden, sollten Teilzeitbeschäftigte weiterhin keinen Anspruch auf Überstundenzuschläge haben, Gesellen erst ab 2020 von ihrer Ausbildung profitieren (Einstufung der Lohngruppe), würden Regelungen zur Rufbereitschaft abgelehnt – ebenso wie die Zahlung von Weihnachtsgeld, sagen die Gewerkschafter und warnen davor, neue und geänderte Arbeitsverträge zu unterschreiben. Neue Arbeitsverträge mit "rüden Methoden" Denn diese würden von den Arbeitgebern „zum Teil mit rüden Methoden" vorgelegt. Ihre Antwort darauf: Warnstreik. Und dessen Zentrum in OWL war an diesem Tag an der Elisenhöhe. Bestreikt wurden zwei Reinigungsbetriebe im Kreis Höxter. Betroffen sind laut Mosca kreisweit rund 730 Gebäudereiniger, in Paderborn 3.530, in OWL 19.700. Solidarisch unterstützt wurden die Streikenden von den Betriebsräten eines Seminars im Bildungszentrum. „Wir bleiben bei unseren Forderungen", machten die Gewerkschafter auf Flugblättern deutlich: Und das sind unter anderem die Zahlung von Weihnachtsgeld, „einmal 30 Tage Urlaub – immer 30 Tage Urlaub", eine gerechtere Eingruppierung in den Lohngruppen und keine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für Teilzeitkräfte. Denn, das machte der Gewerkschaftssekretär deutlich: Viele der Beschäftigen in diesem Niedriglohnbereich seien Frauen, viele alleinerziehende Mütter. Da sei Altersarmut so gut wie vorprogrammiert. Branche müsse attraktiver werden Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels sei eine Attraktivierung der Branche dringend notwendig. Deshalb sei es wichtig, dass beispielsweise Gesellen des Gebäudereiniger-Handwerks nach der Ausbildung richtig eingruppiert würden. Und dass Beschäftigte mit langer Berufserfahrung eine Umgruppierung in die nächsthöhere Lohngruppe erhielten. Bislang gelte für sie der Mindestlohn in Lohngruppe I von 10,56 Euro – Lohngruppe II bedeute einen Stundenlohn von 11,20 Euro. Was es den Unternehmen einfacher mache, ausreichend Fachkräfte anzuwerben, da ist sich Mosca sicher. „Wir möchten, dass die Beschäftigten einen auskömmlichen Lohn bekommen", so beschreibt er das Hauptziel des Arbeitskampfes. Die Verhandlungen der Tarifparteien gehen am Montag, 30. September, weiter. Die Gewerkschafter hoffen, mit diesem Warnstreik bei den Arbeitgebern Wirkung zu erzielen, damit ihre Forderungen Gehör fänden. Mosca: „Dies ist nur der Auftakt. Sonst droht ein unbefristeter Arbeitskampf bundesweit."

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