Mit Herzblut: Petra Gerster stellte Gedanken aus ihrem Buch „Die Meinungsmaschine“ vor und warnte vor den Gefahren der Sozialen Medien. - © Torsten Wegener
Mit Herzblut: Petra Gerster stellte Gedanken aus ihrem Buch „Die Meinungsmaschine“ vor und warnte vor den Gefahren der Sozialen Medien. | © Torsten Wegener

Kreis Höxter Petra Gersters Plädoyer für guten Journalismus

Versammlung der Verbund-Volksbank Höxter

Torsten Wegener
10.07.2019 | Stand 11.07.2019, 15:55 Uhr

Beverungen/Kreis Höxter. „Wenn der kritische Qualitätsjournalismus stirbt, dann stirbt als nächstes die Demokratie". Mit dieser These konfrontierte Petra Gerster die Zuhörer in Beverungen. Rund 1.700 Gäste konnte die Volksbank Höxter, Zweigniederlassung der Verbund-Volksbank OWL, bei ihrer Volksbank-Versammlung im Festzelt am Weserufer begrüßen. Dort wo ab Freitag das viertägige Schützenfest gefeiert wird, mit viel Tradition und Verbundenheit, stand die Journalistin und Moderatorin der Heute-Nachrichten im ZDF als Gastrednerin mit viel Herzblut für ihren Berufszweig ein. Unter der Überschrift „Werden wir noch richtig informiert? Von der Gutenberg- in die Zuckerberg-Galaxis" hielt sie einen spannenden Vortrag über den aktuellen Zustand der Medien und ihre Glaubwürdigkeit in der Gesellschaft sowie die Veränderungen in der Medienlandschaft generell. „Wir leben in einem tief greifenden Epochenwechsel", sagte Gerster, die sich gemeinsam mit ihrem Ehemann Christian Nürnberger in dem Buch „Die Meinungsmaschine" der Frage gewidmet hat, inwieweit seriöser Journalismus in Zeiten von Facebook, Google und Co. noch bestehen kann. Die Erfindung des modernen Buchdrucks von Johannes Gutenberg vor rund 570 Jahren habe die Welt nachhaltig verändert. Das wisse man heute. Nun befinde sich die Menschheit mitten in einer neuen Zeitenwende, durch das Internet und dem Smartphone. Es liege an den Menschen, welches Fazit darüber in einigen hundert Jahren gezogen werden kann. „War es eine gute Veränderung oder eine schlechte? Jede neue Erfindung biete Chancen, sie kann gut eingesetzt werden, aber eben auch negativ", so die Journalistin und fügte gleich zwei Beispiele an. So dürfe man schon kritisch hinterfragen, ob die klassischen Medien überhaupt über die junge schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg berichtet hätten, wenn es nicht diesen Hype in den sozialen Medien gegeben hätte. „Andersherum stelle ich aber auch die These auf, dass Donald Trump uns als Präsident der USA erspart geblieben wäre, wenn es die neuen Medien nicht gegeben hätte." Zeitenwende für traditionelle Medien Es sei also noch offen, wohin die Reise mit dem Internet führt. „Das hängt von Entscheidungen ab, die wir selbst treffen. Durch das Internet sei Wissen und Macht demokratisiert worden." Heute könne jeder selbst seine Botschaft senden, ohne dass diese überprüft worden sei. Diese Möglichkeit bezeichnete Gerster als die „fünfte Gewalt", machte allerdings auch deutlich, dass diese nur schwer zu fassen sei, da sie von Millionen von Einzelanwendern ausgeübt werden könne. Das Handy als zentrales Instrument dieser fünften Gewalt habe deshalb auch „Weltveränderungspotenzial". Besonders zu spüren bekommen diese Zeitenwende die traditionellen Medien. Während die Medienhäuser früher mit „Eimern voller Geld" durch Anzeigenerlöse überschüttet worden seien, werde dieses Geld mittlerweile von Internet-Konzernen wie Facebook, Amazon und Google verdient. Gerster brach in ihrem Vortrag deshalb eine Lanze für die alten, klassischen Medien und die dazu gehörenden regionalen Tageszeitungen und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. „Auf Nachrichten in seriösen Medien ist Verlass, denn bei Zeitungen, Fernsehen und Co. arbeiten gut ausgebildete Menschen nach professionellen Regeln, die transparent sind. Für das Internet wünsche sie sich eine rechtsstaatliche Kontrolle und seitens der Konsumenten eine kritische Betrachtung der Medieninhalte und eine Bewertung mit dem eigenen Verstand. Verbundvolksbank auf Wachstumskurs Ansgar ­Käter, neuer Vorstandsvorsitzender der Verbundvolksbank OWL und Nachfolger von Ulrich Bittihn, feierte vorab mit seinem Auftritt vor den Mitgliedern nicht nur eine Premiere, sondern auch ein erfolgreiches Geschäftsjahr. „Wachstum in allen Bereichen", lautete seine Botschaft, die sich für die Mitglieder in einer Dividende von 5,5 Prozent ausdrückt. Während andere Banken Stellen abbauen, suche die Verbund-Volksbank weiter nach qualifizierten Mitarbeitern und motivierten Auszubildenden. Den letzten offiziellen Auftritt hatte dagegen Rudolf Jäger. Nach 52 Jahren hört der aktuelle Vorsitzende der Volksbank Höxter zum Jahresende auf. „Die Position werde eins zu eins neu besetzt, mit vollen Vorstandskompetenzen und als Mitglied der Geschäftsleitung der Verbund-Volksbank", betonte Käter. „Die Zeit wäre auch mal reif für eine Frau", sagte Aufsichtsratschef Bernd Seibert. Er bezog dies allerdings bei der offiziellen Begrüßung und Erwähnung der Ehrengäste auf die Position eines Bürgermeisteramtes in der Region der Volksbank Höxter. Auch wenn die Zinslage aktuell eine schlechte Zeit für Sparer bedeute, so sei die Volksbank jedoch ein unverzichtbarer Sponsor für die Region, stellte Beverungens Bürgermeister Hubertus Grimm im Grußwort fest.

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