Ausgetrocknet: Am Ufer bei Beverungen sind viele Muscheln zu sehen. - © Torsten Wegener
Ausgetrocknet: Am Ufer bei Beverungen sind viele Muscheln zu sehen. | © Torsten Wegener

Höxter/Beverungen Weserpegel in Höxter sinkt erstmals wieder unter 70 Zentimeter

Bilanz: So mancher Rekord wurde in diesem Sommer geknackt. Wetterbeobachter Hermann-Josef Sander analysiert die Daten der Wetterstation Drenke

David Schellenberg

Beverungen/Höxter. In der Weser spiegelt sich der Blick auf den Himmel: An der Messstation Höxter ist der Pegel am Freitag erstmals seit vielen Jahren unter 70 Zentimeter gefallen, in Bad Karlshafen beträgt der leicht schwankende Wasserstand gerade noch 58 Zentimeter. Große Änderungen sind zumindest für die kommenden Tage nicht in Sicht, obwohl sich Jörg Menze, Geschäftsführer der Flotte Weser, nichts sehnlicher wünscht. Seit nun 23 Tagen liegt die „Höxter" am Anleger in Bad Karlshafen fest. Jeder Tag kostet bares Geld, denn die Mannschaft steht für die Fahrten bereit. Längster Stillstand seit mehr als zehn Jahren Seit Menze 2003 die Leitung der Flotte Weser übernahm, gab es noch keinen so langen Stillstand des Linienverkehrs zwischen Corvey und der hessischen Kleinstadt. Menze will die Hoffnung aber nicht aufgeben, dass bis zum Saisonende am 15. Oktober die Höxter noch einmal ablegen kann. "Ein außergewöhnlicher, aber kein ungewöhnlicher Sommer" Zumindest für die nächsten zwei Wochen kann ihm Wetterbeobachter Hermann-Josef Sander nur wenig Hoffnung machen. „Die Prognose der Wetterstation in Drenke zeigt, dass nicht mit wesentlichen Änderungen zu rechnen ist", sagt der 62-Jährige, der sich selbst als „interessierter Laie" bezeichnet und seit der Einrichtung der Wetterstation im Jahr 1999 die Daten genau beobachtet. Einzelne Schauer seien natürlich nicht ausgeschlossen. Auch wenn Sander die Trockenheit und Hitze der vergangenen Monate sehr wohl registriert hat, will er zwar von einem „außergewöhnlichen, aber nicht ungewöhnlichen Sommer" sprechen. „Wenn man sich die langfristige Entwicklung und frühere Daten anschaut, relativiert sich vieles", sagt der Dalhäuser. Mit Blick auf den Weserpegel, den er nicht ständig registriert, erinnert er sich doch gut an das Jahr 1991, als nach einem sehr trockenen Frühjahr schon die Saisoneröffnungsfahrt im April wegen Niedrigwasser gefährdet war. Weil sich die Situation nicht grundlegend änderte, musste seinerzeit die Schifffahrt zum ersten August eingestellt werden. Niederschlag Dass dieser Sommer außergewöhnlich war, zeigen die Zahlen der Drenker Messstation, die Sander bereits analysiert hat. Seit Mai wird der Niederschlag stetig geringer. Waren es im Wonnemonat noch 33,4 Millimeter, so folgte der Juni mit 30,7 Millimeter, der Juli mit 24,6 Millimeter und der August mit 19,1 Millimetern. Damit wurde im August der niedrigste Wert gemessen, den die Wetterstation seit 1999 aufgezeichnet hat. „Rechnet man die Sommermonate Juni, Juli und August zusammen, gab es 74 Millimeter Niederschlag, der langjährige Durchschnittswert für diese drei Monate liegt bei etwa 200 Millimetern." Temperatur Auch wenn der Sommer viele Rekorde bereithielt – die Spitzentemperatur wurde nicht ganz geknackt: 37,2 Grad wurden am 25. Juli als Jahreshöchstwert erreicht. Dennoch war der Sommer deutlich wärmer als im langjährigen Mittel: So betrug die Durchschnittstemperatur in den vergangenen drei Sommermonaten 19,1 Grad – im Hitzesommer 2003 waren es sogar 19,3 Grad. Dass die vergangenen drei Monate dennoch gefühlt heiß waren, zeigt sich daran, dass insgesamt 29 Hitzetage (mehr als 30 Grad) und 27 Sommertage (mehr als 25 Grad) gemessen wurden. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr gab es im gleichen Zeitraum ganze zwei Hitzetage und 23 Sommertage. Und 2003 gab es immerhin 14 Hitzetage und 35 Sommertage. Sonnenschein „Ich habe noch nie so viele Menschen über das Wetter meckern hören, wie in diesem Sommer", sagt Wetterbeobachter Sander und erinnert zugleich daran, wie gern doch an regnerischen Sommertagen der Rudi-Carrell-Hit „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer" von 1975 zitiert wird, der von den früheren Jahren mit Sonnenschein von Juni bis September schwärmt. „Das hatten wir dieses Jahr", sagt Sander mit Blick auf die Zahlen. Rund 350 Sonnenstunden 348,8 Sonnenstunden wurden im Juli in Drenke registriert. Mehr als 300 Sonnenstunden im Monat – das gab es seit Inbetriebnahme der Wetterstation überhaupt nur dreimal: Im Mai dieses Jahres mit 306 Stunden und im Sommermärchen-Juli 2006 mit 324 Sonnenschein-Stunden. Zum Vergleich: Im Juli 2000 gab es nur 41,2 Stunden Sonne. Der Blick aufs Gesamtjahr zeigt, dass es in den ersten acht Monaten bereits 1.674,9 Sonnenstunden gab – im bisherigen Rekordjahr 2011 gab es insgesamt 1.878,9. Im gesamten Jahr 2002 wurden 1.054,7 Sonnenstunden gemessen. Bewertung Für Hermann-Josef Sander war der Sommer zwar besonders, er erinnert aber daran, dass es immer wieder sehr trockene und warme Jahre gibt. Aber auch extreme Wetterphänomene. Deswegen kritisiert Sander Begriffe wie „Höllensommer" als unsachlich. Und er spricht lieber von Klimaschwankungen statt von Klimawandel.

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