Teamwork: Benedikt Marpert (r.) ist der neue Leiter des Beverunger Gymnasiums, sein Stellvertreter ist Thorsten Kittel. - © Manuela Puls
Teamwork: Benedikt Marpert (r.) ist der neue Leiter des Beverunger Gymnasiums, sein Stellvertreter ist Thorsten Kittel. | © Manuela Puls

Schreibtisch statt Taktstock - Beverunger Schulleiter Benedikt Marpert im Porträt

Benedikt Marpert ist der neue Chef am Beverunger Gymnasium. Bis dato leitete er den Chor, jetzt dirigiert er eine ganze Schule

Manuela Puls

Beverungen. „Mit der Silberhochzeit kommt der Wunsch nach etwas Neuem", meint Benedikt Marpert augenzwinkernd. Und das meint er natürlich rein beruflich. Seit wenigen Tagen ist er der neue Leiter des Städtischen Gymnasiums in Beverungen.Lange ist der Entschluss in ihm gereift, ob er die geliebte Arbeit mit dem Schulchor und die Deutschstunden in der Oberstufe eintauscht gegen eher administrative Aufgaben. „Soll ich mich mit 52 Jahren noch einmal in ein Abenteuer stürzen?", hat er mit der Gattin überlegt – und am Ende zugesagt. Fühlt sich dem Gymnasium Beverungen verpflichtet Nicht der Karriere wegen, sondern vor allem, weil er sich dem Gymnasium Beverungen nach 20 Jahren einfach sehr verpflichtet fühlt. „Die Schule sollte auf keinen Fall ohne Leitung dastehen", fand Marpert. Schließlich lassen sich Schulleiter-Stellen heutzutage nicht mehr leicht besetzen. Seine Amtsvorgänger Karl-Günter Marquardt und Friedel Ewerdwalbesloh hatten aber schon lange vor ihrer Pensionierung weitsichtig im Kollegium Ausschau nach potenziellen Nachfolgern gehalten. „Ich stehe für Kontinuität und für individuelle Förderung der Schüler", so das Credo des neuen Schulleiters. Sein Büro zieren aber großformatige Fotos von seinen gefeierten Auftritten mit dem Schulchor in der Beverunger Kirche. Den Chor hatte Marpert übernommen, als er 1997 nach Beverungen kam und auch gleich ein Schulorchester gegründet. „Ich bin schon stolz darauf, welches Niveau wir da erreicht haben", sagt der Musik-Lehrer, der mindestens ein großes Konzert pro Jahr in Beverungen vorbereitete – zuletzt zum 600-jährigen Stadtjubiläum. „Mit klassischer Chormusik, die sonst an Schulen nicht en vogue ist", betont er. Er gründete ein Schulorchester und den Musikverein Dalhausen Seine Begeisterung galt neben der Literatur eben schon immer der Musik. Der gebürtige Münsterländer aus der Nähe von Ahaus spielt Oboe, Klavier und Orgel, studierte Musik an der Folkwang-Hochschule und Germanistik an der Uni in Essen. 20 Kilometer lagen dazwischen, die Pendelei nahm Marpert aber in Kauf. Nach dem Referendariat in Greven und am Paulinum in Münster ging er kurz nach Ahaus an sein altes Gymnasium, ehe er nach Beverungen wechselte. Mit seiner jungen Familie zog er nach Dalhausen, wo er später ein Haus baute. Auch in seiner neuen Heimat engagierte er sich natürlich musikalisch, gründete den Musikverein Dalhausen und sitzt bis heute regelmäßig an der Dalhäuser Kirchenorgel. „Ich bin ziemlich katholisch sozialisiert", sagt Marpert, der Zuhause im Dorf Alstätte schon seinen Vater als Organist vertrat. An der Schule muss sich Benedikt Marpert jetzt erst einmal daran gewöhnen, dass sein Arbeitsalltag nicht mehr nach Stundenplan durchgetaktet ist. „Was mich besonders freut, sind die vielen jungen Lehrer, die frischen Wind an die Schule bringen", sagt der neue Rektor. Er selbst gehört mit seinen 52 Jahren inzwischen schon zu den Älteren im Kollegium. Neuaufstellung der Schule Inhaltlich wird er sich mit der Neuaufstellung der Schule durch die landesweite Rückkehr zu G 9 (Abitur nach neun Jahren) befassen. Beverungen nimmt bekanntlich an einem Schulversuch teil und ging deswegen schon vor Jahren zu G 9 zurück. „Jetzt verlieren wir zwar ein Alleinstellungsmerkmal, haben aber den großen Vorteil, dass wir wissen, wie es geht", meint der neue Chef des Beverunger Gymnasiums. Durch den Schulversuch habe sich damals der Einzugsbereich der Schule „an den Rändern" vergrößert. Von G 8 (Abitur nach acht Jahren) hielt Marpert nie viel. „Weil den Schülern die Zeit zum Reifen fehlt, auch die Mehrheit der Eltern war immer dagegen", sagt er. Konkurrenzdenken liegt Marpert aber fern. „Ich wünsche mir ein gutes Miteinander mit den anderen Schulen", betont er. Als Ausgleich zum Berufsalltag fährt der Dalhäuser gerne Fahrrad – im Urlaub sogar von Nürnberg bis nach Rom oder wie diesen Sommer einmal rund um die Adria. Nicht umsonst kommt er aus dem Münsterland, wo ein Fahrrad kein Sportgerät, sondern ein echtes Verkehrsmittel ist. „Zu meinen besten Zeiten konnte ich auch drei Kisten Bier auf dem Fahrrad transportieren", erinnert sich der Vater von zwei erwachsenen Söhnen und einer Tochter.

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