Flaschenregal: Enthalten ist alles, was der Mensch zum überleben braucht - Resourcen wie Steine, Säfte, Wasser und Samen, aber auch Metallpulver wie zum Beispiel Kupfer, das Hemut Benz hier zeigt. - © Manuela Puls
Flaschenregal: Enthalten ist alles, was der Mensch zum überleben braucht - Resourcen wie Steine, Säfte, Wasser und Samen, aber auch Metallpulver wie zum Beispiel Kupfer, das Hemut Benz hier zeigt. | © Manuela Puls

Wehrden Helmut Benz' Kunst-Garten in Wehrden ist kurz vor der Vollendung

Lebenswerk: Der pensionierte Hauptschullehrer Helmut Benz schafft am Wehrdener Wildberg mitten in der Natur eine Oase für seine Werke

Manuela Puls

Wehrden. Der Kunst-Garten auf dem Wildberg bei Wehrden ist fast fertig. Sechs Jahre lang haben Helmut Benz und Viktor Nachtigal daran gearbeitet, jetzt steht der öffentlich zugängliche Garten vor der Vollendung. Der pensionierte Lehrer will ihn jetzt nur noch pflegen, solange seine Kräfte es erlauben. „Das ist mit 78 Jahren auch schon eine Mordsarbeit", meint er. Sein Mitstreiter – ein Ingenieur, der ursprünglich aus Russland stammt – sei auch gesundheitlich nicht mehr in bester Verfassung. Wo früher Kartoffeln und Obstbäume wuchsen und Ziegen weideten, hat sich Helmut Benz einen Ort für seine Kunst geschaffen. Auf 600 Quadratmetern hat er den außerhalb gelegenen Familiengarten in den vergangenen Jahren umgestaltet. Wanderer sind eingeladen, durchs offene Törchen mit der Aufschrift „Vertrauen" zu treten. Angemeldete Interessenten führt der Wehrdener gerne durch seinen „Garten für Erwachsene und Kinder". Zu sehen sind zwischen Kieswegen und Hochbeeten beschirmt von einem riesigen alten Kirschbaum Kunstgegenstände aus Stein, Metall und aus Emaille. Das ist das erklärte Steckenpferd des ehemaligen Hauptschul-Pädagogen. Früher hat er mit seinen Schülern im Kunstunterricht Emaille-Bilder geschaffen – zu religiösen Themen oder zu literarischen Werken aus dem Deutschunterricht. "Die Idee dazu entstand bei einem Besuch von Auschwitz" Der Umgang mit Kupfer und Glasfarben fasziniert Helmut Benz, seit er einmal die Totenmaske des Tutenchamun sah: „Die blauen Augenbrauen des Pharaos waren aus Emaille gefertigt, einfach fantastisch", schwärmt er noch nach 40 Jahren. 200 Emaille-Kunstwerke zieren sein Haus und den dazugehören Vorgarten in Wehren, unzählige weitere fanden Platz am Wildberg. „Die Idee entstand, als ich nach der Pensionierung genügend Zeit hatte", erzählt der weißhaarige Herr, der auch für die Beverunger Sagensteine oder das jüdische Ehrenmal im Rathaus verantwortlich zeichnet. Im Kunst-Garten verwendeten er und sein für den Metall-Bereich verantwortlicher Kollege hauptsächlich gebrauchtes Material – wegen des Gedankens der Nachhaltigkeit. „Wir haben Produkte weiterverarbeitet, die sonst auf der Müllhalde gelandet wären." Nach und nach kamen immer mehr Exponate hinzu – zuletzt eine lange Schlange aus Ketten. „Sie stammt aus der ägyptischen Mythologie und kann angeblich die Sonne aus ihrer Bahn werfen", erklärt Benz. Oder das Flaschenregal, das alles enthält, was der Mensch zum Leben braucht. Sand, Steine, Samen, Wasser, Metalle in Pulverform. Aber auch die zusammengeschweißten Ketten, die aufrechtstehend den Aufstand gegen Gewalt und Unterdrückung proben. „Die Idee dazu entstand bei einem Besuch in Auschwitz, als ich die Besteck-Berge der Insassen sah", sagt Benz. Umrundet wird der Garten neuerdings von einem Geschichtsfries. Darauf sind die Erdzeitalter wie Jura oder Kreidezeit mit Daten in Zehner-Potenzen aufgeschrieben. „Sonst hätten die Zahlen mit den vielen Nullen nicht auf das Metallband gepasst", meint der Künstler. Aufgeschrieben wird außerdem der erste Satz aus dem Buch Genesis: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde." Der Lehrerberuf steckt noch drin Langsam aber sicher wandelt sich der Garten zum Vermächtnis des Helmut Benz für die Nachwelt. „Wenn ich hier nicht mehr arbeiten kann, werde ich Brombeeren an großen Bögen darüber wachsen lassen – dann wird das hier zuwachsen wie eine Art Dornröschenschloss", stellt sich der 78-Jährige vor. Viele Besucher kommen in seinen Garten, oft sogar von weither. Nur direkt in seinem Heimatort stößt Helmut Benz auf Unverständnis. „Da kommt der Vorwurf: Was soll das? Das versteht doch keiner", erzählt er. Die Aversion der Einheimischen wird bleiben, damit hat sich Helmut Benz längst abgefunden. Auch Kinder lieben seinen Garten, gibt es hier noch viel zu entdecken, wie der drehbare Tisch mit großen Zahnrädern, das Pendel oder die hämmernden Männchen, die von einem Windrad angetrieben werden. Der Lehrerberuf steckt eben immer noch drin beim Gartenschöpfer Benz. Im Oktober will er seine Kunst erstmals beim Herbstzauber im Wehrdener Schloss ausstellen.

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