Dalhausen Erinnerung an die Flutkatastrophe in Dalhausen

Eine stilisierte Welle aus Edelstahl gibt einen Eindruck davon, wie hoch im Mai 1867 der Pegel der Bever in Dalhausen stand. Den Wassermassen fielen nicht nur Vieh und Hausgerät zum Opfer

Svenja Ludwig

Dalhausen. „Auf einmal kam plötzlich eine große Wasserflut um Urentale herunter gewälzt, wie solche nie gesehen worden ist“, erinnerte sich der Dalhauser Ortschronist Theodor Spindeler im Februar 1868 an die große Flut im vorausgegangenen Jahr: „Ein furchtbares Jammergeschrei tönte aus allen Fenstern heraus. In den meisten Häusern stand das Wasser bis nahe unter die Decken.“ Neben den eindrucksvollen Worten des Schreiberlings dokumentiert nun auch wieder eine Holzstele den historischen Höchststand der Bever von 1867. Die alte Markierung, die an dem in Privatbesitz befindlichen Alten Korbhaus in der Nähe des Ehrenmals angebracht war, ist vor einiger Zeit verschwunden. Eine Welle aus Edelstahl Eine neue Marke musste her – mit diesem Wunsch aus der Bevölkerung befasste sich der Bezirksausschuss Dalhausen und beauftragte Tischlermeister Willi Pape mit der Umsetzung. Der Schreiner übergab die 1,60 Meter hohe und 0,5 Meter breite Holzstele (ohne Fuß) nun Bernhard Villmer, dem Bezirksausschussvorsitzenden, als Spende. Der Wasserstand ist auf der Eichentafel mit einer stilisierten, auf einer Höhe von etwa 1,60 Meter angebrachten Welle aus Edelstahl markiert. Sie ist unweit des Ehrenmals aufgestellt. Vier Fuß hoch an der Kirche Theodor Spindeler, dem 1868 die Aufgabe zufiel, über die große Dalhauser Flut zu berichten, schätzte den Wasserpegel: „Vier Fuß hoch stand es in der Kirche, zwei Fuß hoch ging es über die Kirchenmauer.“ Das Gotteshaus traf das Hochwasser besonders schlimm. Laut Manfred Dierkes, heutiger Orts-Chronist und ehemaliger Ortsheimatpfleger, berichtete der damalige Pfarrer Carl Schomberg in seinen Aufzeichnungen von der „traurigsten Verwüstung“. Sowohl Schombergs Pfarrhaus, als auch die Kirche, die zu dieser Zeit gerade renoviert wurde, standen unter Wasser. Eine Brücke "fortgerissen" Auch eine Brücke sei „fortgerissen“ worden. „Man sah, wie auf dem Wasser alles Vieh, Hausgeräte und große Massen fortgetrieben wurden“, beschreibt Spindeler die Ausmaße der Katastrophe. „Der Schaden belief sich auf 12.000 Taler, den dieses Wasser den Dalhäusern tat“, lautet seine Kalkulation. Bei der Flut kam es allerdings nicht nur zu Sachschäden. Auf tragische Weise löschte das historische Hochwasser beinahe eine gesamte Familie aus. „Das Haus des Friedrich Lüke wurde von den Fluten umgerissen, teils weggespült und die ganze Familie – Vater, Mutter mit vier Kindern – wurden in den Fluten begraben“, heißt es in den Erinnerungen von Theodor Spindeler. Lediglich ein Sohn habe gerettet werden können. „Es ist gut, dass wir wieder einen Hinweis darauf haben“, findet Manfred Dierkes. Nachdem es zwei, drei Jahre lang keine Markierung gegeben habe, „wird man jetzt wieder aufs Neue daran erinnert“.

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