Neue Wege: Carsten Torke (Steinheim, v.l.), Rainer Rauch (Borgentreich), der neue Geschäftsführer Stefan Wagner-Schlee, sein Vorgänger Stefan Grützmacher, Hubertus Grimm (Aufsichtsrat) und Klaus Braun (Warburg) wollen die Beste Stadtwerke zukunftsfit machen. - © Manuela Puls
Neue Wege: Carsten Torke (Steinheim, v.l.), Rainer Rauch (Borgentreich), der neue Geschäftsführer Stefan Wagner-Schlee, sein Vorgänger Stefan Grützmacher, Hubertus Grimm (Aufsichtsrat) und Klaus Braun (Warburg) wollen die Beste Stadtwerke zukunftsfit machen. | © Manuela Puls

Kreis Höxter Beste-Stadtwerke beschränken sich auf Vertriebsgeschäft

Neuaufstellung: Die Beste-Stadtwerke wollen sich auf das Vertriebsgeschäft konzentrieren. Während Beverungen, Steinheim und Borgentreich ihre Strom- und Gasnetze abgeben, nimmt Warburg alles zurück in städtische Hand

Manuela Puls

Kreis Höxter/Beverungen. Die Beste Stadtwerke im Kreis Höxter beschränken sich künftig ganz auf das Vertriebsgeschäft und trennen sich von ihren unrentablen Strom- und Gasnetzen: Steinheim und Beverungen wollen an Westfalen Weser Energie verkaufen, Borgentreich verpachtet an Energie aus der Mitte. Nur Warburg geht andere Wege und will sein Netz wieder in Eigenregie betreiben. Für die 53.000 Kunden im Hochstift ändert sich nichts, es soll bei den aktuell 99 Mitarbeitern auch keine Entlassungen geben. Zuletzt hatten die Beste-Stadtwerke nach drei Verlustjahren eine halbe Million Euro Plus gemacht. Auch in der Geschäftsführung gibt es ein neues Gesicht: Stefan Wagner-Schlee löst zum September Interims-Geschäftsführer Stefan Grützmacher ab, der die Beste-Stadtwerke in 2017 aus den roten Zahlen führen konnte. »Nur mit großer Anstrengung haben wir das Ergebnis drehen können« „Nur mit großer Anstrengung und einem konsequentes Kostenmanagement haben wir das Ergebnis drehen können", betonte Grützmacher. Auch beim Personal habe man Anpassungen vornehmen müssen. Hatten die Beste-Stadtwerke in der Spitze früher mal 116 Mitarbeiter, sind es aktuell noch 99. Befristete Verträge seien beispielsweise nicht verlängert worden. Auch die Umstrukturierung zum Jahreswechsel soll sozialverträglich ablaufen. „Wir haben das Ziel, allen Mitarbeitern eine Perspektive zu geben", betont Beste-Aufsichtsratschef Hubertus Grimm. Sei es bei den Mutterstadtwerken oder bei den neuen Partnern Westfalen Weser Energie und EAM. Auch die übrigen Geschäftsführer der Beste-Stadtwerke (Rüdiger Hölscher, Leander Sasse und Udo Schellling) beenden Anfang 2019 ihre Tätigkeit für Beste. Die 38 Vertriebsmitarbeiter der Beste-Stadtwerke behalten ihren Job. „Dieser Bereich lief immer sehr positiv, wir konnten sogar 28.000 Kunden von außerhalb gewinnen. Nur mit dem Netz hatten wir wegen der Deckelung der Entgelte immer Probleme", erklärt Grimm. Durch die großen Entfernungen beispielsweise zwischen Warburg im Süden und Steinheim im Norden seien die erhofften Synergie-Effekte durch den Stadtwerke-Zusammenschluss ausgeblieben. Für Steinheims Bürgermeister Carsten Torke ist vor allem wichtig, dass trotz der Aufgabe des Netzgeschäfts die Kundennähe erhalten bleibt: „Wir bleiben dezentral aufgestellt, mit Ansprechpartnern vor Ort und nicht mit einer anonymen Hotline", so der Vorsitzende der Gesellschafter-Versammlung. Außerdem werde auf jeden Fall eine Rückkauf-Option in die Verträge geschrieben. „Es wäre illusorisch, das selbst betreuen zu wollen" Rainer Rauch aus Borgentreich verfügt nur über ein sehr kleines Netz in der Kernstadt. „Es wäre illusorisch, das selbst betreuen zu wollen", so der Bürgermeister. Deswegen will er an die EAM verpachten. „Wir sind von denen geographisch ja ohnehin umzingelt und es ist auch ein kommunales Unternehmen", meint Rauch. Warburg will dagegen „die maximale kommunale Einflussnahme" auf die Energieversorgung erhalten. Deswegen macht die Hansestadt die Rolle rückwärts und will wie vor 2015 ihr Netz wieder selbst betreiben. „Unser Netz ist mittelgroß, es ist wirtschaftlich möglich, das allein zu schaffen", sagt der Erste Beigeordnete Klaus Braun. Etwa die Hälfte der deutschen Netzbetreiber hätten ein Netz in der Größe Warburgs. Allerdings denkt man in Warburg darüber nach, einen Partner als Minderheitsgesellschafter mit ins Boot zu holen. Auch wenn die Städte Beverungen und Steinheim sich mit den Netzen quasi von ihrem „Tafelsilber" trennen, hält Beverungens Bürgermeister Hubertus Grimm die Entscheidung für richtig. „Wir müssen damit ja auch wieder Geld verdienen und eine sichere Rendite für unsere Städte erzielen", sagt er. Und mit dem neuen Geschäftsführer Wagner-Schlee setze man auf einen erfahrenen, krisenerprobten Mann. Er will übrigens mit Frau und Kindern in den Kreis Höxter umziehen.

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