Multimedial ausgerüstet: Wie hier in Ameluxen verfügen jetzt 16 Orte im Kreis Höxter über Medienecken, um die Bewohner fit fürs Internet zu machen. Darüber freuen sich die Digital-Experten August Fischer (Eversen, sitzend v. l.), Hans-Werner Gorzolka (Ovenhausen) und Wolfram Rode (Drenke), ebenso Kreisdirektor Klaus Schumacher (o. v. l.) sowie die Digital-Experten Ulrich Blaschke und Florian Rode (beide Amelunxen). - © Manuela Puls
Multimedial ausgerüstet: Wie hier in Ameluxen verfügen jetzt 16 Orte im Kreis Höxter über Medienecken, um die Bewohner fit fürs Internet zu machen. Darüber freuen sich die Digital-Experten August Fischer (Eversen, sitzend v. l.), Hans-Werner Gorzolka (Ovenhausen) und Wolfram Rode (Drenke), ebenso Kreisdirektor Klaus Schumacher (o. v. l.) sowie die Digital-Experten Ulrich Blaschke und Florian Rode (beide Amelunxen). | © Manuela Puls

Amelunxen Dorfbewohner im Kreis Höxter werden Digital-Experten

In Amelunxen und 15 anderen Orten im Kreis Höxter gibt es jetzt Multimedia-Ausrüstung für alle Bürger

Manuela Puls

Amelunxen. Früher wurden in der alten Amelunxer Grundschule das Einmaleins und das ABC unterrichtet, jetzt geht es um World Wide Web: Seit ein paar Tagen ist dort über das Projekt Smart Country Side eine sogenannte Medienecke eingerichtet worden. Es gibt Tablets, einen Laptop, einen Beamer, einen großen Fernseher und ein Multifunktionsgerät zum Kopieren, Drucken und Scannen. Gesamtwert der multimedialen Ausstattung: 6.000 Euro. Hier sollen zum Beispiel Wolfram Rode und sein Sohn Florian die anderen Amelunxer in die Geheimnisse des Internets einführen. Sie lassen sich gerade wie 140 andere Dorfbewohner aus dem Kreis Höxter in 85 Unterrichtsstunden zu Digital-Experten ausbilden. „Es gibt alte und junge Teilnehmer. Manche im Kurs haben fast noch nie eine Maus angefasst, andere haben von Berufswegen mit IT zu tun", erklärt ihr Ausbilder Mirko Löffelbein. Absolutes Neuland war das Ganze zum Beispiel für Hans-Werner Gorzolka aus Ovenhausen: „Ich bin quasi bei Null angefangen, ein Smartphone habe ich erst seit Weihnachten", sagt er. Alle zwei Wochen gehen er und seine elf Mitstreiter aus Ovenhausen momentan zur Schulung – „ein enormer Zeitaufwand", wie Projektleiterin Heidrun Wuttke betont. Die Digital-Experten sollen später ihr Wissen in den 16 ausgewählten Orten im Kreis weitergeben. »Auch Oma Hermine soll das verstehen« „Wie buche ich mein Bahnticket online, wie erledige ich Bankgeschäfte im Internet, wie skype ich mit weggezogenen Angehörigen", erläutert Heidrun Wuttke die möglichen Themen solcher Schulungen. Die Projekt-Dörfer und ihre Bewohner sollen also fit für die digitale Zukunft gemacht werden. Es geht darum, smarte Lösungen für demografische Probleme zu finden. „Wir wollen Berührungsängste abbauen, auch Oma Hermine soll das verstehen und hier einen Ansprechpartner finden, dem sie vertraut", erklärt Kreisdirektor Klaus Schumacher. Zeitgleich werden in den beteiligten Orten schon ganz konkrete Projekte ausgeklügelt. Allen gemeinsam soll eine Dorfplattform im Internet sein. Dort können Vereine ihre Termine einstellen, aber es soll auch eine Art Tauschbörse geben. „Außerdem stellen wir uns eine Kümmerer-Plattform vor, wo ältere Leute bei Bedarf Hilfe finden, zum Beispiel Hol- und Bringdienste", erklärt Hans-Werner Gorzolka. Er bereitet mit seinem Team auch eine Kirchen-App vor, wo der Pfarrbrief und die Messintentionen online abrufbar sind, aber auch Ansprechpartner zum Beispiel im Beerdigungsfall. Das geht sogar so weit, dass man über Online-Gottesdienste nachdenkt. Gorzolka will sein Digital-Wissen demnächst in der Ovenhauser Klönstube unters Volk bringen: „Dort treffen sich jede Woche ältere Menschen über 60, die sich noch nie damit befasst haben." August Fischer aus Eversen wird ebenfalls Dorf-Digital-Experte. Er will die Dorfchronik digitalisieren und bereitet eine Immobilien-Plattform vor, wo sich neu zugezogene Häuslebauer untereinander austauschen können sollen. In Sandebeck will man gemeinsam online im Supermarkt bestellen und die Lebensmittel zentral ins Dorf liefern lassen. In den nächsten Wochen sollen die Medienecken auch in Hagedorn, Großen- und Kleinenbreden, Himmighausen, Merlsheim, Bökendorf, Erkeln, Wehrden, Fölsen, Löwen, Rösebeck und Welda aufgebaut werden. Das bundesweit einmalige Projekt Smart Country Side läuft noch bis 2019.

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