Stehen statt sitzen: Olaf Splitt aus Hannoversch Münden schafft den Wesermarathon als Stand-up-Paddler. - © Manuela Puls
Stehen statt sitzen: Olaf Splitt aus Hannoversch Münden schafft den Wesermarathon als Stand-up-Paddler. | © Manuela Puls

Beverungen 1.500 Kanuten und ein Stand-up-Paddler beim Wesermarathon

Auch Teilnehmer aus Dänemark reisen an, um die Langstrecke auf der Weser zu bewältigen

Beverungen. Olaf Splitt wirft sich erschöpft auf den Steg, als er beim Wesermarathon das Bronzeziel Beverungen erreicht. Es ist gegen 11 Uhr vormittags, und der Hannoversch-Mündener steht seit vier Stunden ununterbrochen auf seinem Brett. Ein Stand-up-Paddler beim Wesermarathon – das ist ein Novum. Der 48-Jährige will noch 30 Kilometer weiter bis zum Silberziel nach Holzminden. „Auch wenn ich jetzt schon Krämpfe in den Zehen habe vom andauernden Stehen auf dem Brett", gibt er zu. In seinem Verein unterrichtet Olaf Splitt Stand-up-Paddling: „Ich suche da einfach die sportliche Herausforderung, deswegen jetzt ein Marathon." Er schimpft allerdings über die Wellen der Motorboote, die eigentlich an diesem Tag auf dem Fluss gar nichts zu suchen haben. Am Steg am Beverunger Bootshaus ist wie immer ein Kommen und Gehen. 1.200 Kanuten und ein paar vereinzelte Ruderer haben sich angemeldet. „Dazu kommen noch mehrere hundert Schwarzfahrer", meint Ralf Göllner vom Beverunger Wassersportverein. Er und seine 24 Mitstreiter helfen den Teilnehmern aus den Booten und wieder hinein. „Das Wetter ist heute spitze, nur ein bisschen Gegenwind", meint Göllner. Um den schönen Tag zu genießen, ließen es viele Kanuten etwas gemächlicher angehen als sonst. 23 Teilnehmer sind aus Kopenhagen angereist Ein Hingucker ist ein mehr als zwölf Meter langes Drachenboot. Die weißen Shirts verraten schon den Namen der Mannschaft „Der wahre Norden". 18 Paddler und ein Steuermann sitzen drin. „Wir sind alle begeisterte Langstreckenpaddler", erzählt Jörg Oppor aus Eckernförde. Bis Hameln wollen sie noch weiter, in der Bugwelle des Dampfers machen sie sich auf den Weg. Kurz zuvor legt eine Truppe aus Dänemark ab. Bei einem ihrer Boote ist die Steuerpinne abgebrochen, sie versuchen es trotzdem. 23 Leute sind aus Kopenhagen an die Weser gereist. „Der Marathon hier ist immer sehr gemütlich und ein schöner Frühlingsanfang", sagt Nina Mortensen. Abends würden sie sich alle völlig kaputt in Hameln ein Wiener Schnitzel mit Hefeweizen gönnen. „Das ist Tradition", lacht die Dänin, die sich über den Sonnenschein freut. Auch ein 80-Jähriger bestreitet den Marathon Eincremen ist heute Pflicht beim Wesermarathon. Viele Kanuten haben ihren Getränkevorrat in einem Plastikbeutel mit Saugschlauch im Boot oder im Rucksack. Auch ein älterer Herr hat es bis nach Beverungen geschafft. K. G. – so sein Spitzname – ist schon 80 Jahre alt und kommt aus Freiburg. „Es ist meine erste lange Tour dieses Jahr, langsam werde ich klapprig", sagt der fitte Senior. In zwei Jahren wird das 50. Jubiläum gefeiert Organisator Werner Imke vom Mündener Kanu-Club ist vollauf zufrieden mit der 48. Auflage des Wesermarathons. Damals in den 70er Jahren sei der tatsächlich als „Ostereierfahrt" gegründet worden. „Damals gab es richtige bunte Eier für die Teilnehmer und Hühnersuppe in Hülle und Fülle", lacht er. Er freut sich schon darauf, in zwei Jahren den 50. Wesermarathon auszurichten. Vielleicht dann zum Jubiläum wieder mit Traumwetter.

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