Beverungen Der Rotor dreht sich seit 20 Jahren

In Dalhausen steht Beverungens älteste Windkraftanlage

VON TORSTEN WEGENER

Andreas Beverungen zeigt mit Tochter Maria-Luisa die Anlag, die im August 1994 in Betrieb ging. - © FOTO: TORSTEN WEGENER
Andreas Beverungen zeigt mit Tochter Maria-Luisa die Anlag, die im August 1994 in Betrieb ging. | © FOTO: TORSTEN WEGENER

Beverungen. Der Anblick von Windkraftanlagen gehört im Beverunger Raum mittlerweile zum Landschaftsbild. Über 30 Anlagen stehen auf den Hochebenen bei Haarbrück und Jakobsberg sowie zwischen Dalhausen, Tietelsen und Rothe. Zehn Anlagen sollen in den nächsten Monaten im Stadtgebiet folgen. Ausgangspunkt dafür waren mutige Landwirte, die Anfang der 1990er Jahre in Windkraftanlagen investiert haben. Vor 20 Jahren begann die Geschichte der Erneuerbaren Energien im Stadtgebiet Beverungen.

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Neue Windräder

Mit dem Windpark Twerberg zwischen Drenke und Amelunxen sowie der Erweiterung des Windparks Haarbrück, werden zehn neue Windkraftanlagen im Beverunger Stadtgebiet in den nächsten Monaten noch an das Netz angeschlossen.
Beide Planungen sind kurz vor der Genehmigung. In Haarbrück werden drei Anlagen errichtet.
In Amelunxen hat sich die Zahl von acht auf sieben reduziert, weil leistungsstärkere Windkraftanlage aufgestellt werden. Die Anlagen besitzen nun eine Nennleistung von 2,7 Megawatt. (tor)

Der Dalhäuser Andreas Beverungen, der mit seiner Familie und den Schwiegereltern einen landwirtschaftlichen Hof in der Siedlung Bustollen betreibt, gehört zu den Pionieren der Windkraft im Stadtgebiet. Seine Anlage ist die betriebsälteste im Stadtgebiet. Im August 1994 ging die Anlage mit einer Nennleistung von 150 Kilowatt in Betrieb. Im Vergleich zu heutigen Windenergieanlagen ist sie ein Zwerg.

"Wir waren allerdings nicht die ersten im Stadtgebiet, die eine Anlage gebaut haben", erinnert sich Andreas Beverungen. Drei Anlagen sind früher ans Netz gegangen. Bereits im Juni 1993 ist eine Anlage bei Haarbrück installiert worden. Sie hatte eine Leistung von 30 Kilowatt.

Im April und Mai 1994 folgten dann zwei Anlagen in Tietelsen und Jakobsberg. Sie hatten jeweils eine Leistung von 80 Kilowatt. Somit war die Anlage von Andreas Beverungen die vierte im Stadtgebiet. Sie ist aber die einzige von den Windkraftanlagen, die noch Energie erzeugt. Und zwar im Jahresdurchschnitt 146.652 Kilowattstunden.

Der Turm der An Bonus 150 ist von der Bremer Firmer in zwei Teilen angeliefert und aufgebaut worden. Die Nabe befindet sich in 30 Meter Höhe. - © FOTO: BEVERUNGEN
Der Turm der An Bonus 150 ist von der Bremer Firmer in zwei Teilen angeliefert und aufgebaut worden. Die Nabe befindet sich in 30 Meter Höhe. | © FOTO: BEVERUNGEN

Insgesamt sind zwischen 1993 und 1995 elf Windkraftanlagen in Beverungen aufgestellt worden. Für Beverungen war dieser Bauboom im Nachhinein ein Segen, denn 1996 wurde bekannt, dass das Kernkraftwerk in Würgassen nicht mehr ans Netz gehen wird. Die aktuell über 30 Windkraftanlagen drehen nun nicht nur ihre Rotoren und speisen grünen Strom ins Netz, sondern bringen auch Gewerbesteuern.

"Die Planungen für die Anlage haben gut zwei Jahre gedauert", erinnert sich Beverungen. Der bürokratische Aufwand sei dabei überhaupt nicht zu vergleichen mit den heutigen Standards. "Wenn man nur an die ganzen Gutachten denkt, die heute bei einer neuen Anlagen erstellt werden. Da war es bei uns schon leichter", sagt der Windkraftbetreiber.

Dafür brauchten die Landwirte allerdings den Mut, der neuen Technologie zu vertrauen. "Eigentlich wusste man damals noch nicht so recht, auf was man sich einlässt", sagt Andreas Beverungen. So gab es auch Phasen, in denen er das Projekt verflucht hat. "Der Wartungs- und Reparaturaufwand für diese Anlage ist schon enorm", sagt er. "Wenn dann einige Wochen noch der Wind schlecht war, dann waren die vierteljährlichen Abtragungen zeitweilig schwierig", erinnert sich der Familienvater an die Anfangsjahre zurück.

Die neuste Anlage im Stadtgebiet hat eine Leistung von 2,4 Megawatt.
Die neuste Anlage im Stadtgebiet hat eine Leistung von 2,4 Megawatt.

Letztendlich hat sich der Mut aber ausgezahlt. Die Anlage, wie auch die 1995 errichtete zweite Windraftanlage mit einer Leistung von 450 Kilowatt, hat sich rentiert.

Der zweiteilige Mast der Windkraftanlage der Firma AN Bonus (von Siemens 2004 übernommen) ist 30 Meter hoch. Die drei Rotorblätter haben einen Durchmesser von 23 Metern, was einer Gesamtfläche von 415 Quadratmetern entspricht. Ein Rotorblatt hat ein Gewicht von 680 Kilogramm. Insgesamt ist die Windkraftanlage 20.700 Kilo schwer.

Die AN Bonus gehört zur Windkraftanlage der ersten Generation. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Technologie fortlaufend weiterentwickelt. Das sieht man auch 1.000 Meter von Beverungens betriebsältester Windkraftanlage entfernt. Dort ist vor zwei Wochen eine neue Anlage mit 2,4 Megawatt in Betrieb gegangen. Zu Weiterentwicklung gehört aber auch, dass eine Nord-Süd-Stromtrasse gebaut werden soll, die den Strom von den leistungsstarken Offshore-Windparks bis nach Bayern führen soll. So ist es wohl die Ironie des Schicksals, dass dort, wo vor 20 Jahren eine der ersten Windkraftanlagen im Beverunger Stadtgebiet errichtet worden ist, nun nach ersten Planungen die Nord-Süd-Stromtrasse auch herführen soll.

"Grundsätzlich habe ich nichts gegen die Trasse. Ich kann aber überhaupt nicht verstehen, dass man schon über Routen spricht, aber noch gar nichts über die Auswirkungen auf Mensch und Natur sagen kann", so Beverungen. Bei den diversen Informationsveranstaltungen sei man bisher zumindest alles andere als umfassend informiert worden.

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