Beverungen Weserbrücke wird zum Nadelöhr

Ab morgen ist die Brücke nur noch einspurig befahrbar / Verkehr wird durch Ampel geregelt

von torsten wegener
So wie auf dieser Computer-Illustration wird es ab morgen auf der Weserbrücke zwischen Beverungen und Lauenförde aussehen.
So wie auf dieser Computer-Illustration wird es ab morgen auf der Weserbrücke zwischen Beverungen und Lauenförde aussehen.

Beverungen/Lauenförde. Bereits ab morgen kann die Weserbrücke zwischen Beverungen und Lauenförde nicht mehr beidseitig befahren werden. Der Landesbetrieb Straßenbau NRW wird am Mittwochmorgen, 19. März, die angekündigten Verkehrseinrichtungen an der Weserbrücke in Beverungen errichten. Damit kann die Brücke nur noch einspurig befahren werden. Der Verkehr wird versuchsweise durch eine Ampel geregelt.

Viele Bürger aus der Großgemeinde Beverungen und der Samtgemeinde Boffzen sehen der neuen Regelung sehr skeptisch entgegen. Zu nah sind noch die Erfahrungen, als zum Beispiel in Lauenförde die Bahnhofstraße (B 241) saniert wurde. Durch den einspurig geregelten Verkehr gab es zu den Stoßseiten einen erheblichen Rückstau, sowohl in Lauenförde als auch in Beverungen. Durch die neue Ampelregelung wird die Weserbrücke zu einem Nadelöhr.

Am Mittwoch, 5. März, hatte Straßenbau NRW nach einer letzten Gesprächsrunde mit den Behörden sich für die Ampellösung entschieden. Mit diesen Maßnahmen können auch weiterhin Lkw bis 44 Tonnen die Weserbrücke befahren.

Bereits heute werden vorbereitende Arbeiten für die neue Verkehrsführung durchgeführt. Am Mittwoch werden die Arbeiten abgeschlossen. Dazu gehören unter anderem die Aufstellung einer Ampelanlage, die Einengung der Fahrbahn auf der Brücke auf eine Spur und die dazugehörigen Markierungsarbeiten. Die Straßenmarkierungen können allerdings nur bei guter Witterung auf die Fahrbahn gebracht werden.

Der Fahrstreifen für Pkw und Lkw wird 3,25 Meter breit werden. Rechts und links davon gibt es einen 1,25 Meter breiten Weg für Radfahrer und Kleinkrafträder.

Die Ampelanlagen werden auf beiden Seiten sehr nah am Brückenbauwerk aufgestellt, um auch die Abbieger der Gemeindestraßen in Beverungen (Kolpingstraße) und in Lauenförde (Lange Straße) mit einzubeziehen. "Um den Verkehrsfluss zu optimieren, wird es eine verkehrsabhängig gesteuerte Signalanlage geben", sagt Gerhard Hüllweg, Pressesprecher von Straßenbau NRW. "Dort, wo der Verkehr ist, soll auch die Ampel grün sein. Dafür werden Sensoren oder ein Radar installiert. Das wird allerdings erst vor Ort entschieden".

Ludger Ernst, Leiter der Straßen- und Immobilienbetriebe Beverungen, sieht der neuen Verkehrsregelung mit gemischten Gefühlen entgegen. "Es musste halt eine Lösung geben. Zwei der vier Varianten waren nicht umsetzbar und gegen die dritte gab es erheblichen Widerstand", sagt Ernst.

Ursprünglich sollte die Brücke für Schwerlasttransporte ab 18 Tonnen gesperrt werden. Unternehmer und Landwirte protestierten dagegen erfolgreich.

Auch die Einbahnstraßenregelung hatte zu viele Nachteile. Der Verkehr wäre zweispurig geblieben, doch Lkw ab 3,5 Tonnen hätten die Brücke nur in einer Fahrtrichtung befahren dürfen. "Da hätte es auch keine Ausnahmegenehmigung für Rettungswagen und Busse gegeben", sagt Ernst.

Und die Geschwindigkeitsbeschränkung auf sechs Stundenkilometer für Lkw scheiterte an der Überwachung. "Der Kreis hätte mindestens zwei feste Radaranlagen mit einer 24-Stunden-Überwachung installieren müssen. Wahrscheinlich sogar noch mehr Anlagen", sagt Ernst.

"Die Lösung ist sicherlich kein Königsweg. Wir gehen aus der Erfahrung auch von einem Rückstau zu gewissen Tageszeiten aus. Das erleben wir zum Beispiel auch, wenn wir die Weihnachtsbeleuchtung aufhängen und die Straße nur einspurig zu befahren ist", sagt Rembert Stiewe, Geschäftsführer von Beverungen Marketing. Positiv bewertet Stiewe, dass kommuniziert wurde, dass der Neubau einer Weserbrücke nun beschleunigt werden soll.

Auch wenn die Weserbrücke im Zuständigkeitsbereich von NRW liegt, konnte die Samtgemeinde Boffzen an den Beratungen teilnehmen und die Sorgen und Nöte mitteilen. "Es musste eine Entscheidung getroffen werden. Ich kann auch die Unternehmen und Landwirte verstehen, dass sie nicht permanent diesen Umweg fahren wollten. Sollte die jetzt getroffene Regelung aber zu größeren Verkehrsbeeinträchtigungen führen, kann ich mir nicht vorstellen, dass man daran festhält. Dann muss neu überlegt werden", sagt Samtgemeinde-Bürgermeister Norbert Tyrasa.

Beverungens neuer Bürgermeister Hubertus Grimm war an den Gesprächen zum Thema Weserbrücke noch nicht involviert. Aber bereits in der Ratssitzung am kommenden Donnerstag, 20. März, wird die Weserbrücke sicherlich für ihn zum Thema werden.

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