0
Grün ist die Farbe der Hoffnung: Friedhelm Henkst trägt das Grün der Welthungerhilfe bei den Sammelaktionen wie hier bei Libori 2019. - © Simone Flörke
Grün ist die Farbe der Hoffnung: Friedhelm Henkst trägt das Grün der Welthungerhilfe bei den Sammelaktionen wie hier bei Libori 2019. | © Simone Flörke

Bad Driburg/Paderborn Ein Bad Driburger mit Sammelleidenschaft, die ihn fast das Leben kostete

Friedhelm Henkst feiert 70. Geburtstag

Simone Flörke
15.08.2019 | Stand 14.08.2019, 18:25 Uhr

Bad Driburg. Mit dem grünen Shirt und der grünen Fahne ist er bekannt. Welthungerhilfe steht auf beiden. In den Händen hält Friedhelm Henkst dann meist zwei Spenden-Sammeldosen: eine für die Welthungerhilfe direkt, die andere für die Äthiopienhilfe „Freunde Äthiopiens". So kennen den Bad Driburger die Menschen von Libori in Paderborn über den Annentag in Brakel bis zur Oktoberwoche in Warburg: Henkst sammelt bei jedem Wetter – und lässt sich auch durch heftige gesundheitliche Probleme, die ihn zuletzt in den Rollstuhl zwangen – nicht davon abhalten. Am Donnerstag, 15. August, wird Friedhelm Henkst 70 Jahre. Sein größer Wunsch zum Geburtstag: „Ich hoffe, dass ich das alles noch zehn Jahre machen kann. Alles andere wünsche ich mir für Äthiopien. Ich lebe für Äthiopien." Gefeiert wird der Runde aber erst im nächsten Jahr, wenn seine Editha auch nullt. „Dann machen wir das gleichzeitig." Nun fährt Henkst stattdessen das erste Mal seit vielen Jahren mal wieder in Urlaub. Nach Fuerteventura. Der Arzt hat grünes Licht gegeben. Plant kein neues Projekt Ein neues Projekt will der 70-Jährige, der im Haarener Krankenhaus im Kreis Paderborn geboren wurde und in Atteln mit sechs Geschwistern aufwuchs, aber nicht mehr anfangen. „Die anderen müssen am Laufen gehalten werden." Sein großer Wunsch – die Eröffnung eines Hospizes in seiner zweiten Heimat in Afrika – ist im vergangenen Jahr Realität geworden. Sogar die Stadtkapelle Bad Driburg hatte ihn begleitet und dort Konzerte gegeben. Etwa 30 Mal, so schätzt Henkst, war er schon in Äthiopien, meist begleitet von seiner Frau Editha. Mit der zusammen war er auch schon zwei Mal zum Bürgerfest des Bundespräsidenten nach Berlin ins Schloss Bellevue eingeladen, beide erhielten 2013 das Bundesverdienstkreuz und waren ein Jahr später mit ihren „Freunden Äthiopiens" unter dem Dach der Welthungerhilfe für den Deutschen Ehrenamtspreis nominiert. Weit über eine Million Euro – so schätzt Henkst selbst – habe er für das Land, das doppelt so groß ist wie Deutschland und in etwa so viele Einwohner hat, bereits gesammelt. Was ihn an Äthiopien fasziniert Und Netzwerke zu Sponsoren, Firmen und anderen Unterstützern geknüpft, die einspringen, wenn’s mal wieder an einer Stelle konkret brennt. Was ihn an Äthiopien fasziniert? „Die Schönheit des Landes. Der Norden, der aussieht wie der Grand Canyon, Richtung Addis Abeba hat man das Gefühl, in Österreich oder in der Schweiz zu sein. Und die Schönheit der Menschen. Ihr Stolz darauf, dass sie noch nie kolonisiert worden sind. Die Italiener haben es mal versucht. Nur die Pizza ist geblieben." Das Land werde schon in der Bibel beschrieben, habe aber bis auf die Ost-West- und Nord-Süd-Achse keine weitere Infrastruktur. „Ich fühle mich dort wohl. Meine Frau und ich heißen dort nur Mam und Pap." Angefangen hat alles mit einer Sammeldose. Die hatte er in Detmold auf dem Markt in der Hand, als er Bernhard Meier zu Biesen, den Landesdirektor der Welthungerhilfe für Äthiopien kennenlernte. So kam Henkst das erste Mal nach Afrika. »Ich bin ein bisschen sentimental« Er wollte vor Ort helfen. Der gelernte Elektriker, der bei der Bundeswehr und später in zivil als Fahrlehrer gearbeitet hatte, in Ottbergen (von dort stammt seine Frau), Erkeln und Buke gelebt hatte, kam 2006 das erste Mal nach Äthiopien. Seine Frau Editha, die er vor 48 Jahren in Altenbergen auf dem Schützenfest traf, sich sechs Wochen später mit ihr verlobte und sie vier Monate später heiratete, wollte ihm das erst nicht abnehmen. „Träum weiter", entgegnete sie, als sie von seinem Plan erfuhr. Dann wurde sie blass: Friedhelm Henkst reiste wirklich – und hätte fast seinen Fuß eingebüßt: Denn er infizierte sich kurz vor der Rückreise mit Streptokokken, musste vom ADAC ausgeflogen werden. Noch mit der Sammeldose in der Hand kam er in Paderborn in den OP. Ein zweites Mal war sein Fuß unter einen Gabelstapler geraten: „Der Oberarzt, der den Fuß rettete, kam aus Äthiopien", erinnert sich Henkst mit einem Lächeln an die Begegnung im deutschen Krankenhaus. Rund 50 Brunnen, 16 Schulen, drei Waisenhäuser – für insgesamt 4.600 Kinder: So lautet die Bilanz von Henksts Sammelleidenschaft. Und dann das Hospiz Ende 2018. „Ich bin ein bisschen sentimental", sagt der Bad Driburger, der sich mit seiner Frau in der Kurstadt um die beiden Pflegekinder Tobias und Laura kümmert. Sie nennen ihn Opa. Neben der ganzen Libori-Post, die Henkst noch öffnen und lesen muss, liegt auch schon die nächste Einladung nach Äthiopien auf seinem Schreibtisch.

realisiert durch evolver group