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Isabell Schrörder (v. l.), Sabrina Schwalm, Christiane Heiber und Sabine Heikenfeld sowie Christine Kaufmann sind die Beraterinnen des AWO-Kreisverbandes. - © Burkhard Battran
Isabell Schrörder (v. l.), Sabrina Schwalm, Christiane Heiber und Sabine Heikenfeld sowie Christine Kaufmann sind die Beraterinnen des AWO-Kreisverbandes. | © Burkhard Battran

Bad Driburg Aus Geflüchteten sollen im Kreis Höxter Mitbürger werden

Der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt setzt neue Schwerpunkte in der Beratung

Burkhard Battran
30.06.2019 | Stand 29.06.2019, 17:20 Uhr

Bad Driburg. Im Kreis Höxter leben 2.100 Flüchtlinge. Das ist ein Bevölkerungsanteil von unter zwei Prozent. Das ist nicht viel. "Gleichwohl ist es aber auch in Zeiten des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels eine gesamtgesellschaftliche Chance”, sagt der Geschäftsführer des Kreisverbands der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Wolfgang Kuckuk. In den letzten Jahren sei es vor allem darum gegangen, die Unterbringung und Grundversorgung zu sichern. Jetzt könne zunehmend die nachhaltige Integration in den Fokus genommen werden, um aus Geflüchteten echte Mitbürger zu machen. "Frauen waren bislang oftmals außen vor, insbesondere wenn sie Kinder zu betreuen hatten. Das wollen wir ändern”, erklärt Erziehungswissenschaftlerin Isabell Schröder, leitende Migrationsberaterin in der AWO-Kreisstelle in Bad Driburg. Sprachlurs für Frauen mit kleinen Kindern Seit August läuft sehr erfolgreich ein niederschwelliges Angebot zum Spracherwerb für Frauen mit kleinen Kindern. Es gibt zwei Gruppen mit jeweils sechs Frauen, die sich einmal in der Woche nach dem offiziellen Betriebsschluss im AWO-Kinderkarten in Bad Driburg treffen. "Sprachkurs kann man das nicht nennen, aber es ist eine gute Vorbereitung und trägt zum gegenseitigen Austausch bei”, sagt Projektleiterin Christine Kaufmann, Sozialwissenschaftlerin. Das Projekt wird so gut angenommen, dass im September eine dritte Gruppe startet. Noch förderlicher wäre es, wenn es in der Stadt ausreichend Kita-Plätze gäbe. "Im Kindergarten lernen die Kinder am leichtesten die deutsche Sprache und integrieren sich. Auch die Mütter könnten besser an Sprachkursen teilnehmen”, sagt Schröder. Ein anderes beispielhaftes Integrationsprojekt findet seit Mai an der Bad Driburger Grundschule statt. Vier pädagogisch ausgebildete Flüchtlingsfrauen aus Syrien und Afghanistan stehen den Lehrern der Willkommensklassen der Grundschule als Schulintergrationsassistentinnen (SIA) zur Seite. "Sie sind Übersetzerinnen und Kulturmittler in verschiedenen Situationen und leisten fachliche Unterstützung und sammeln für sich selbst erste Berufserfahrungen in Deutschland”, erläutert Schröder. Bis Juli sollte die Probezeit für das SIA-Projekt laufen. Doch bereits nach wenigen Wochen waren sich alle Beteiligten sicher, dass die Erwartungen sogar übertroffen werden und bereits vorzeitig die Verlängerung für das nächste Schuljahr bewilligt wurde. 721 Flüchtlingsfamilien beraten Der AWO-Kreisverband bietet mit fünf Mitarbeiterinnen regelmäßige Beratungsstunden in Bad Driburg, Peckelsheim, Borgentreich, Beverungen, Steinheim, Bredenborn, Vörden und Nieheim. Im vergangenen Jahr wurden 721 Flüchtlingsfamilien in 4.852 Kontaktgesprächen beraten. Ging es früher vor allem um Fragen des Asylverfahrens, würden heute Fragen nach Familienzusammenführung und der beruflichen Ausbildung immer mehr an Bedeutung gewinnen. "Der Erhalt einer Geburtsurkunde für hier geborene Kinder von Geflüchteten oder die Ausfertigung eines Spielerpasses im Fußballverein ist für Kinder mit Flüchtlingsstatus eine ziemlich schwierige Angelegenheit”, sagt AWO-Beraterin Christiane Heiber, die den Bereich Steinheim, Marienmünster und Vörden betreut.

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