Sternstunde in Rio: Birgit Halsband  (hinten, 2. v. r.) jubelte bei den Olympischen Spielen 2016 unter anderem mit  der damaligen Bundestrainerin Silvia Neid (vorne) über Olympia-Gold. - © Privat
Sternstunde in Rio: Birgit Halsband  (hinten, 2. v. r.) jubelte bei den Olympischen Spielen 2016 unter anderem mit  der damaligen Bundestrainerin Silvia Neid (vorne) über Olympia-Gold. | © Privat

Altenbeken Eine Altenbekenerin im WM-Einsatz

Birgit Halsband, die in Bad Driburg wohnt, kümmert sich als Physiotherapeutin um die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft

Frank Beineke
08.06.2019 | Stand 07.06.2019, 20:59 Uhr

Altenbeken. Die Leidenschaft für den Sport wurde bei Birgit Halsband früh geweckt. Als Kind träumte die Altenbekenerin von Teilnahmen an Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften. Doch wenngleich sie eine durchaus talentierte Handballerin war, lag die Erfüllung ihrer Kindheitsträume in weiter Ferne. Im Alter von 42 Jahren aber wurde der besagte Olympia-Traum tatsächlich Realität. Birgit Halsband war bei den Sommerspielen 2016 in Rio mit dabei – und bejubelte prompt die Goldmedaille. Denn seit September 2015 ist die inzwischen 45-jährige Altenbekenerin Physiotherapeutin der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft. Diese startet an diesem Samstag, 8. Juni, mit dem Vorrundenspiel gegen China um 15 Uhr  in die Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich. Und Birgit Halsband ist wieder mit dabei. „Das ist der professionellste Job, den du als Physiotherapeutin im Sport machen kannst", schwärmt die gelernte Sport-Physiotherapeutin und Osteopathin, die einst beim TV Herrentrup dem Handballsport frönte. Doch schon in jungen Jahren traten bei ihr Knieprobleme auf. Regelmäßige Besuche beim Physio waren Pflicht. Unter anderem bei der Paderborner Osteopathin Claudia Pauly. „Dieser Bereich hat mich fasziniert. Mich hat schon immer die Funktionsweise des Körpers interessiert", sagt Birgit Halsband, die nach dem Abi am Bad Driburger Gymnasium St. Xaver ihre Physio-Ausbildung in Bad Pyrmont begann. Ihr Beruf verschlug sie im Laufe der Jahre unter anderem nach Basel, Leverkusen und Böblingen. Seit 25 Jahren im Leistungssport tätig Und stets spielte der Sport eine entscheidende Rolle. „Im Prinzip arbeite ich jetzt seit 25 Jahren im Leistungssportbereich", berichtet Halsband. So betreute sie fast zehn Jahre lang die enorm erfolgreiche Leverkusener Speerwurf-Trainingsgruppe um Katharina Molitor, Steffi Nerius und Linda Stahl. In ihrer Zeit in Böblingen kümmerte sich die Altenbekenerin um die Erstliga-Handballerinnen aus Sindelfingen und Metzingen. Von 2007 bis 2016 arbeitete Halsband zudem für den Deutschen Behinderten-Sportverband. Die paralympischen Leichtathleten um die Top-Akteure Felix Streng und Franziska Liebhardt begleitete sie zu Welt- und Europameisterschaften sowie zu den Paralympics in Rio. Und auch für die deutsche Frauenhandball-Nationalmannschaft war Halsband schon im Einsatz. Der Ritterschlag kam 2015 Der Ritterschlag folgte jedoch im September 2015. DFB-Physiotherapeutin Angelika Steeger-Adams, die sie bei ihrer Arbeit in Leverkusen kennen gelernt hatte, stellte den Kontakt zur Frauenfußball-Nationalmannschaft her. Seitdem kümmert sich Birgit Halsband gemeinsam mit zwei weiteren Physiotherapeuten und den Teamärzten um das Wohlergehen der Nationalspielerinnen. „Als ich im Frühjahr 2016 erfahren habe, dass ich mit zu den Olympischen Spielen nach Rio fahren darf, war ich überwältigt", sagt die 45-Jährige, die bei den Erinnerungen ans Finale von Rio noch immer eine Gänsehaut bekommt. „Das hat mich total geflasht. Du begreifst das gar nicht, wenn du da unten im Maracana-Stadion stehst. Es war überragend. Die Erfüllung eines Lebenstraumes", betont Halsband. Beim letzten Turnier von Bundestrainerin Silvia Neid feierten die deutschen Frauen damals einen 2:1-Finalsieg gegen Schweden. Ein Arbeitstag hat mitunter schon mal 17 Stunden Bei der Weltmeisterschaft in Frankreich wird Martina Voss-Tecklenburg ihre Turnier-Premiere als Bundestrainerin feiern. „Es wird kein leichtes Turnier, denn die Leistungsdichte ist viel größer geworden. Wenn wir das Halbfinale erreichen, ist alles möglich", erzählt Birgit Halsband, die mit ihren beiden Physio-Kolleginnen jede Menge Arbeit haben wird. „Bei Olympia ging’s meist morgens ganz früh los. Bis wir alle Spielerinnen versorgt hatten, war es auch schon mal Mitternacht", berichtet die Altenbekenerin. Doch diese Strapazen nimmt sie liebend gerne auf sich. „Die Arbeit mit Sportlerinnen und Sportlern ist meine Leidenschaft. Die Herausforderung, möglichst schnell das Problem zu lokalisieren und Lösungen zu finden, ist extrem spannend", sagt Halsband, die seit Mitte März wieder im Hochstift beheimatet ist. Nach ihrer Zeit in Böblingen und einer Zwischenstation in Frankfurt wohnt sie nun in Bad Driburg. Rund 100 Tage im Jahr ist Birgit Halsband für die DFB-Frauen im Einsatz. Ob sie in naher Zukunft auch mal wieder in einer Praxis arbeiten möchte, ist offen. Dem Leistungssport möchte die Altenbekenerin jedenfalls verbunden bleiben. Und vielleicht ergibt sich ja mal die Möglichkeit, bei einem Profiverein im Herrenfußball zu arbeiten.

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