0
Schlüsselübergabe: Landrat Friedhelm Spieker (r.) überreicht symbolisch den Schlüssel an den Leiter des Wachverbundes, Hubertus Eilert. Mit dabei Andreas Niggemeyer (hinten, v. l.), Matthias Kämpfer (beide Kreis), Rolf Schulte (Leitende Notärzte), Bürgermeister Burkhard Deppe, stellvertretender Leiter Thomas Rüthers sowie Notfallseelsorger und Feuerwehrmann Thomas Wunram. - © Simone Flörke
Schlüsselübergabe: Landrat Friedhelm Spieker (r.) überreicht symbolisch den Schlüssel an den Leiter des Wachverbundes, Hubertus Eilert. Mit dabei Andreas Niggemeyer (hinten, v. l.), Matthias Kämpfer (beide Kreis), Rolf Schulte (Leitende Notärzte), Bürgermeister Burkhard Deppe, stellvertretender Leiter Thomas Rüthers sowie Notfallseelsorger und Feuerwehrmann Thomas Wunram. | © Simone Flörke

Bad Driburg Millionen-Projekt: Rettungswache in Bad Driburg eingeweiht

In der Kurstadt wird die neu gebaute Rettungswache mit vielen Gästen eingeweiht. Warum das System der Leitenden Notärzte im Kreis seit 25 Jahren eine Erfolgsgeschichte geworden ist

Simone Flörke
16.05.2019 | Stand 16.05.2019, 12:21 Uhr

Bad Driburg. „Wir sind jetzt seit einer Woche drin. Der Umzug von der Pyrmonter Straße hierher hat reibungslos während eines Tages geklappt", sagt Hubertus Eilert stolz und zufrieden. Der Leiter des Wachverbundes Steinheim/Bad Driburg im Rettungswesen freut sich, mit dem großen Team von 23 Einsatzkräften nun weitaus mehr Platz und Organisationsmöglichkeiten im Neubau an der Straße Kochs Kämpe im Gewerbegebiet Süd zu haben. „Dieser Tag ist ein voller Erfolg", sagte er anlässlich der Einweihung des 2,2 Millionen-Euro-Projektes des Kreises, das der Sicherheit der Bürger und Gäste im Stadtgebiet zugutekomme. Hinzu kam die Einweihung eines Rettungstransportwagens im Wert von 160.000 Euro und eines Notarzteinsatzfahrzeuges für 90.000 Euro für Bad Driburg. Die vierte Rettungswache im Kreis Es sei schon die vierte neue Rettungswache im Kreis, die in Betrieb genommen werde, erklärte Landrat Friedhelm Spieker: nach Beverungen (2012), Peckelsheim (2014) und Warburg (2017). Es sollen Neubauten in Brakel (2020, plus Rettungsdienstzentrale) und Steinheim (2021) folgen, kündigte er an. Damit werde der Kreis den steigenden Anforderungen und Herausforderungen gerecht: der Vorgabe, dass erste Hilfsmittel binnen zwölf Minuten am Einsatzort eintreffen sollen. Und der gestiegenen Anzahl von Einsatzfahrten: Kreisweit von 1998 (als die Wache an der Pyrmonter Straße geplant wurde) bis heute von 15.000 auf 26.000 Einsätze pro Jahr, allein 6.000 Fahrten von Bad Driburg aus. Die Bad Driburger Wache ist ein eingeschossiger Massivbau mit einer Gesamtfläche von 1.100 Quadratmetern und Platz für sechs Fahrzeughallen, Büroräume, Aufenthalts- und Ruhebereiche sowie Schleusen und Sanitäranlagen. Neu ist die Unterkunft für den diensthabenden Notarzt. Schnell auf der Bundesstraße Die Verkehrsanbindung des neuen Standorts betonte der Landrat besonders: So sei man schnell auf der B 64 und im südlichen Stadtgebiet. Spieker bedankte sich bei allen beteiligten und hob besonders den Einsatz des Teams um den Wachleiter Hubertus Eilert und seines Stellvertreters Thomas Rüthers vom Wachverbund Steinheim/Bad Driburg hervor. Dem zollte auch Bürgermeister Burkhard Deppe Respekt und Anerkennung im Namen aller Einwohner für ihre oftmals nicht einfachen Einsätze, von denen sie heil und gesund wieder nach Hause kommen sollten. Pater Thomas Wunram, Sprecher der Notfallseelsorger, betonte, dass die Kräfte für die betroffenen Menschen in dem Moment des Einsatzes die ganze Welt retten würden – und nicht fragten, wer er sei, was er tue oder wie viel er wert sei. Das sagte er in Anlehnung an den Talmud-Spruch im Ring, den die Holocaust-Überlebenden Oskar Schindler übergaben: „Wer ein Leben rettet, der rettet die ganze Welt." Alte Wache für zwölf Einsatzkräfte Die alte Wache an der Pyrmonter Straße, 1998 für zwölf Einsatzkräfte geplant, wird laut Fachbereichsleiter Matthias Kämpfer (Öffentliche Sicherheit Kreis) noch als Übergangslösung für die Rettungsdienstzentrale bis zum Neubau 2020 in Brakel und werktags tagsüber als NEF-Standort genutzt – die langfristige Nutzung wird noch geplant. 25 Jahre Leitende Notärzte im Kreis Höxter „Die notärztliche Versorgung ist das Herzstück der Notfallmedizin": Dieses dicke Lob zollte Landrat Friedhelm Spieker dem Team der 16 Notärzte im Kreis. Vor 25 Jahren ist die Funktion des Leitenden Notarztes (LNA) eingeführt worden – Grund zum Feiern. „Bei Großschadenslagen und im Katastrophenfall übernimmt der Leitende Notarzt als ärztliche Führungskraft die medizinische Einsatzleitung", erklärte Spieker. Dabei sei er verantwortlich dafür, „sämtliche medizinischen Maßnahmen am Schadensort zu leiten, zu koordinieren und zu überwachen. Berufen werden dazu speziell qualifizierte Ärzte, die in der Notfallmedizin besonders erfahren sind." Bei Dreien davon, die von Anfang an dabei sind, bedankte sich der Landrat mit Präsenten für die „hohe Verantwortungsbereitschaft" und das „außerordentliche Engagement": Peter Bartella, Michael Stoltz und Rolf Schulte sind seit 25 Jahren als Leitende Notärzte engagiert. Herausforderungen und Stolpersteine Rolf Schulte – der Mediziner ist Sprecher des gesamten Teams – sprach von einem „Zusammenspiel von Medizin und Logistik" und erinnerte an die Anfänge der Diskussion um die Einführung dieses Systems schon Ende der 1980er Jahre, an Herausforderungen und Stolpersteine. Er sprach auch von den Übungsszenarien, mit denen man sich auf die realen Einsätze – durchschnittlich einmal im Quartal – vorbereite. Von der Vorbereitung auf Chemieunfälle, KKW-Störungen, Zugunglücke, Havarien auf der Weser oder den Ausfall von Infrastruktureinrichtungen wie Strom und Wasser. Sein Motto, das ihn und die Kollegen seit 25 Jahren begleitet: „Besser einen Plan haben und ihn dann nicht zu brauchen, als keinen Plan zu haben, wenn man ihn braucht."

realisiert durch evolver group