Hielten bis zuletzt die Fahne hoch: Christoph Schwubbe und die kommissarische Schulleiterin Ute Jostes verabschieden die Bad Driburger Realschule. - © Manuela Puls
Hielten bis zuletzt die Fahne hoch: Christoph Schwubbe und die kommissarische Schulleiterin Ute Jostes verabschieden die Bad Driburger Realschule. | © Manuela Puls

Bad Driburg Friedrich-Wilhelm-Weber Realschule läuft aus

Abschied: Die Friedrich-Wilhelm-Weber Realschule in Bad Driburg wird geschlossen. Schülerdaten landen im Archiv, veraltete Erdkunde-Karten im Müll

Manuela Puls

Bad Driburg. Die Regale im Büro von Ute Jostes sind schon leergeräumt. An der Wand lehnen noch ein paar alte, aufgerollte Landkarten. „Manche waren völlig überholt, noch mit der UdSSR drauf", lacht die kommissarische Schulleiterin, die ihre letzten Arbeitstage an der Bad Driburger Friedrich-Wilhelm-Weber-Realschule verbringt. Diese Karten landen natürlich im Müll. „Meistens verwenden wir heute im Erdkunde-Unterricht dafür ohnehin den Beamer", sagt Jostes. Überhaupt waren die letzten Wochen für sie und ihren Vertreter Christoph Schwubbe neben der Verabschiedung der letzten 79 Zehntklässler überwiegend vom Aussortieren geprägt. „Da kamen alte Schätze zutage wie eine Handtasche oder Französisch-Arbeitshefte aus den 70er Jahren. Sogar Theater-Requisiten wie ein altes Wählscheiben-Telefon", erzählt die Chefin, die im letzten Jahr zwischen Bad Driburg und ihrer neuen Schule in Büren pendelte. »Das war hier richtig familiär, man kannte jeden mit Vornamen« So wie ihr ging es vielen Kollegen, die nur noch stundenweise an der Friedrich-Wilhelm-Weber-Schule Dienst taten und dazwischen in Bad Lippspringe, Steinheim, Detmold oder Schloss Neuhaus unterrichteten. Christoph Schwubbe war der letzte verbliebene Vollzeit-Lehrer. Trotzdem oder gerade deswegen hat er das Abschiedsjahr der Schule in guter Erinnerung behalten. „Ich musste Verantwortung übernehmen, das Schiff sozusagen in den Hafen führen. Aber die Absprachen mit Ute Jostes haben gut geklappt", erzählt er. Dem kann auch die Chefin nur beipflichten. „An manchen Tagen hätten wir auch gleich eine Standleitung zwischen Bad Driburg und Büren einrichten können", schmunzelt Jostes, die zuletzt nur noch einen Tag in der Woche in Bad Driburg vor Ort war. Schwubbe denkt gerne an die Fahrten mit dem letzten Jahrgang nach York in England (mit Übernachtung auf der Fähre) oder den Ausflug zum Heidepark zurück, der noch vom Förderverein gesponsert worden war. „Das war hier richtig familiär, man kannte jeden mit Vornamen", betont auch Ute Jostes. Schwierig wurde es nur bei vielen Krankheitsfällen. „Während der Grippewelle war es ganz schön kompliziert, die Vertretung zu organisieren, weil viele Kollegen ja zeitweise an der anderen Schule oder auf der Strecke waren", sagt sie. Aber die doppelten Elternsprechtage oder Konferenzen seien für die Lehrer schon belastend gewesen. Positives Fazit des letzten Schuljahres Unterm Strich zieht sie aber ein positives Fazit des letzten Schuljahres an der Bad Driburger Realschule. Drei zehnte Klassen wurden bereits entlassen. „Wir mussten noch die Nachprüfungen organisieren, weil die ja dann nach den Sommerferien an anderen Schulen stattfinden müssen", erläutert Ute Jostes. Auch mussten sämtliche Schülerdaten archiviert werden. Wenn also Ehemalige später ein Zeugnis verloren haben oder eine Schulbescheinigung für die Rentenversicherung brauchen, sind die im Sekretariat der Bad Driburger Gesamtschule zu bekommen. Zu Hochzeiten hatte die Realschule knapp 600 Schüler und 40 Lehrer. „Wir waren eine klassische dreizügige Schule, die Anmeldezahlen waren immer stabil", sagt Jostes. Trotzdem votierten sie und ihre Kollegen seinerzeit für die Einrichtung der Gesamtschule. Bad Driburg steckte trotzdem noch Geld in die multimediale Ausstattung Erfreulich sei es gewesen, dass die Stadt Bad Driburg trotzdem noch Geld in die multimediale Ausstattung der auslaufenden Schule steckte: „Jeder Kollege hatte einen Laptop und einen Beamer und wir hatten 16 Tablets für die Schüler", betont Schwubbe. Da habe sich die Stadt nicht lumpen lassen. Auch der Unterricht mit zwei Inklusionsschülern habe gut funktioniert: „Das bringt den Mitschülern viel auf sozialer Ebene", sagt Schwubbe. Heute wird die Friedrich-Wilhelm-Weber-Realschule mit einer kleinen Abschiedsfeier mit etwa 60 geladenen Gästen verabschiedet. Dazu werden Vertreter der Stadt Bad Driburg erwartet, Schüler- und Elternvertreter aber auch viele Kooperationspartner, die die Schule bis zum Schluss begleitet haben. Zum Beispiel die Betreuerin der Homepage oder die Verantwortlichen für die Schulsanitäter.

realisiert durch evolver group