Den Organspendeausweis in den Händen: Daniel Schrader (Deutsche Stiftung Organtransplantation; v. l.), Bürgermeister Burkhard Deppe, Initiator Dr. Detlef Michael Ringbeck, Björn Jockwig (Erfahrungsbericht eines Betroffenen) und Neurologin Dr. Uta Häberle vor einem Aufsteller des Partners Netzwerk Organspende. - © Simone Flörke
Den Organspendeausweis in den Händen: Daniel Schrader (Deutsche Stiftung Organtransplantation; v. l.), Bürgermeister Burkhard Deppe, Initiator Dr. Detlef Michael Ringbeck, Björn Jockwig (Erfahrungsbericht eines Betroffenen) und Neurologin Dr. Uta Häberle vor einem Aufsteller des Partners Netzwerk Organspende. | © Simone Flörke

Bad Driburg Organspendetag im Driburger Rathaus

Initiator Dr. Detlef Michael Ringbeck hat ein informatives Symposium zusammengestellt – nur die Zuhörer fehlen

Simone Flörke
16.05.2018 | Stand 15.05.2018, 19:17 Uhr

Bad Driburg. „Ich bin ziemlich frustriert, dass trotz unserer Hightech-Medizin die Liste der Menschen, die auf eine Organtransplantation warten, immer länger wird": Dr. Detlef Michael Ringbeck, Chefarzt der Medizinischen Klinik I für Kardiologie und Intensivmedizin am St.-Josef-Hospital in Bad Driburg, hat den Kampf gegen das Nachlassen der Spendebereitschaft aufgenommen. Er sei ein „totaler Verfechter der Öffentlichkeitsarbeit. Denn es geht nur mit der Information des Patienten aus erster Hand", sagte er beim ersten Tag der Organspende in Bad Driburg im großen Saal des Rathauses, den er initiiert hatte. Aufklärung sei „das A und O". Bereitschaft lag 2017 auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren Zehn Jahre bereits arbeitet er bei der Katholischen Hospitalvereinigung Weser-Egge (KHWE) – nur einmal hatte er es in der Zeit mit einer Organspende einer 17-Jährigen zu tun. Der Initiator hatte eine illustre Runde an Referenten für diesen Tag eingeladen – von der Kollegin Dr. Uta Häberle (Kardiologin aus Höxter zum Thema Hirntoddiagnostik) über den renommierten Professor Jan Gummert vom Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen und den Koordinator der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Daniel Schrader zu Grundlagen der Organspende, bis zu Björn Jockwig mit dem Erfahrungsbericht eines Herztransplantierten. Nur fehlten der Premiere die Zuhörer. Dabei lag die Spendenbereitschaft nach Auskunft von Ringbeck 2017 auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren: mit 797 noch einmal 60 weniger als im Jahr davor. Nur 215 Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren seien transplantiert worden, 30 Prozent der Kinder auf der Warteliste würden sterben. Und diese Entwicklung liegt nach Ringbecks Ansicht nicht allein an dem Spendenskandal von 2012 in Göttingen und Regensburg. „Das gab dem Ganzen nur noch das I-Tüpfelchen", sagte er mit Blick auf die Statistik. Mit der sogenannten Entscheidungslösung – eine Organentnahme ist nur mit ausdrücklicher Zustimmung im Ausweis zulässig – sei man in Deutschland auf einem schweren Weg. Ringbeck machte deutlich, dass die wieder in die Diskussion gekommene Einführung einer Widerspruchslösung eine bewusste Beschäftigung mit dem Thema Organspende zu Lebzeiten nach sich ziehe. Im Jahr 2011 hätten nur 18 Prozent der Deutschen einen Organspendeausweis gehabt. Derzeit seien es schon wieder 36 Prozent. Das liege aber daran, dass die Krankenkassen regelmäßig solche Ausweise versendeten. Was nicht zwangsläufig auch zu einer Spende führe, denn man könne darauf auch dieser widersprechen. Was aber die Organspende in den Fokus der Menschen rücke. Für ihn sei diese ein „Akt der Nächstenliebe", sagte der Chefarzt. „Nur wer bereit ist zu geben, der kann auch nehmen." Das sei aber seine persönliche Haltung und Maxime. Für Bürgermeister Burkhard Deppe ist der Organspendetag in Bad Driburg an der richtigen Stelle: Die Stadt habe ein Akutkrankenhaus und sieben Rehakliniken, in denen die Anschlussbehandlung nach Transplantationen aktuell seien. Das Thema sei ein gesellschaftspolitisches, juristisches und ethisches zugleich. Und jede Entscheidung sei zu akzeptieren, wenn man sich auch mit Blick auf die Verantwortung seiner Familie gegenüber damit beschäftigt habe, und nicht zu stigmatisieren, sagte Deppe. Organspende sei für ihn persönlich „eine prima Idee, weil sie mitmenschliche Verbundenheit" ausdrücke. Sie sei zudem für viele die einzige Möglichkeit, eine Krankheit zu lindern, ein menschliches Leben zu führen oder auch die letzte Möglichkeit, das Leben zu retten. Er habe daher großen Respekt vor allen, die sagen: Ich mache das. Dennoch wisse er auch, es sei ein „hochsensibles Thema". Ihm persönlich ist es ein wichtiges Anliegen. Er selbst hat diese sehr persönliche Entscheidung deshalb gemeinsam mit seiner Frau und im gegenseitigen Wissen geklärt. Man müsse es nur immer wieder in die Gesellschaft zur Diskussion bringen.

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