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Hautnah erlebte deutsch-deutsche Geschichte Zeitzeuge: Burkhard Seeberg wird in der DDR zu drei Jahren Haft verurteilt. Schülern berichtet er von seinen Erlebnissen - © Silke Riethmüller
Hautnah erlebte deutsch-deutsche Geschichte Zeitzeuge: Burkhard Seeberg wird in der DDR zu drei Jahren Haft verurteilt. Schülern berichtet er von seinen Erlebnissen | © Silke Riethmüller

Neuenheerse Hautnah erlebte deutsch-deutsche Geschichte

Zeitzeuge: Wegen "staatsfeindlichen Menschenhandels" wird Burkhard Seeberg in der ehemaligen DDR zu drei Jahren Haft verurteilt. Schülern des Gymnasiums St. Kaspar berichtet er von seinen Erlebnissen

Silke Riethmüller
23.03.2017 | Stand 23.03.2017, 14:52 Uhr

Neuenheerse. Fast 27 Jahre nach der Wiedervereinigung kennen auch die Oberstufenschüler des Gymnasiums St. Kaspar in Neuenheerse die ehemalige DDR nur noch aus dem Geschichtsunterricht. Das Schicksal des Münsteraners Burkhard Seeberg ist dagegen unwiderruflich mit dem totalitären Regime der Deutschen Demokratischen Republik verknüpft. Als 19-jähriger Student lernt Seeberg in Ost-Berlin seine spätere Ehefrau kennen, sechs Jahre später wird er in der DDR wegen "staatsfeindlichen Menschenhandels" zu drei Jahren Haft verurteilt. Gespannt hören die Schülerinnen und Schüler zu, als Burkhard Seeberg ihnen seine Geschichte erzählt: Mit einem Tagesvisum reist der Mathematik-Student, der damals noch Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) ist, im Sommer des Jahres 1973 von Westberlin in die Hauptstadt der damaligen DDR. Bei den "Weltfestspielen der Jugend und Studenten" verliebt er sich in eine 16-jährige Schülerin aus Rostock. So oft es geht reist der junge Mann in den kommenden Jahren in die DDR, um seine Freundin zu besuchen. "Damals gab es noch keine SMS und kaum ein DDR-Bürger hatte einen eigenen Telefonanschluss", erzählt er den Jugendlichen. Dass zu dieser Zeit längst Spitzel der Staatssicherheit auf ihn angesetzt sind, ahnt er nicht. Burkhard Seeberg fasst schließlich den Entschluss, seine Verlobte in die Bundesrepublik zu holen. Dafür lässt er den Reisepass einer Bekannten aus Münster fälschen und bucht einen Flug von Berlin-Schönefeld nach Budapest. Von dort aus soll es weitergehen nach Österreich. Doch der Fluchtversuch scheitert, schuld ist ein fehlender Visumstempel. Im August 1979 wird das Paar an der ungarischen Grenze verhaftet. Burkhard Seeberg wird zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt, seine Freundin erhält eine Haftstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten wegen "versuchter Republikflucht". Im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen, der zentralen Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit, sitzt Seeberg zunächst in Einzelhaft - eine Zeit, die er als psychisch sehr belastend in Erinnerung hat. Später wird er dann nach Bautzen verlegt. Burkhard Seeberg und seine Verlobte werden von der Bundesrepublik für jeweils 70.000 Mark freigekauft und frühzeitig aus der Haft in den Westen entlassen. Schließlich heiraten die beiden in Münster. Als Zeitzeuge der Gedenkstätte Hohenschönhausen erzählt Burkhard Seeberg seine Geschichte inzwischen an Schulen in ganz Nordrhein-Westfalen - um die Erinnerungen wach zu halten.

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