Dokument: Die Initiatorin blättert in der Originalhandschrift. - © Burkhard Battran
Dokument: Die Initiatorin blättert in der Originalhandschrift. | © Burkhard Battran

Bad Driburg Der Freiherr beschreibt sein Leben

Seit 1834 werden sie archivarisch verwahrt. Nun sind erstmals die autobiografischen Aufzeichnungen von Caspar Heinrich von Sierstorpff in Buchform veröffentlicht worden

Bad Driburg. Er war ein Zeitgenosse von Goethe. Er ist mit Hölderlin zusammengetroffen und wohl auch mit den Grimm-Brüdern und Annette von Droste-Hülshoff. Er wurde 92 Jahre alt und ist auch darum schon ein bedeutender Zeitzeuge zwischen Aufklärung und Romantik. Im Alter von 84 Jahren hat Caspar Heinrich Freiherr von Sierstorpff (1750 bis 1842) seine Lebenserinnerungen aufgeschrieben. Seit 1834 wird die blaue Kladde mit den mit Federkiel fein säuberlich kaligraphierten Aufzeichnungen im gräflichen Archiv ordentlich verwahrt. Nun hat sich die Hannoveraner Ur-Urenkelin Elisabeth von Falkenhausen (93) daran gemacht, sie in Buchform zu übertragen. "Irgendwann im 20. Jahrhundert nach Erfindung der Schreibmaschine ist mal eine Abschrift veranlasst worden, die für die Familie vervielfältig wurde und die als Loseblattsammlung auch in meinem Schreibtisch lag", erklärt Urahnin des Badgründers. Die Autorin mehrerer heimatkundlicher Bücher hatte gar nicht vor, posthum die autobiografischen Aufzeichnungen ihres Ururgroßvaters als Buch herauszugeben. "Ich hatte die Seiten einfach nur in den Computer abgetippt, damit sie über meinen Verlag gebunden werden konnten, um sie meinen Enkeln und Urenkeln zu lesen zu geben", erzählt die Autorin. Der Berliner Verleger Hendrik Bäßler erkannte, dass in dem Vorhaben ein größeres Potenzial schlummerte. Allerdings umfassten die Aufzeichnungen von Caspar Heinrich lediglich rund 30 Seiten. Viel zu wenig für eine biografische Veröffentlichung. "Ich habe darum vorgeschlagen, das Buch mit umfangreichen Vorbemerkungen und einem ausführlichen Bildteil zu versehen, denn Caspar-Heinrich ist eine bedeutende Persönlichkeit weit über den Familienkreis hinaus", sagt Verleger Bäßler. In Bad Driburg wird das Andenken Caspar Heinrich von Sierstorpff vor allem als Begründer des einzigen Privatbads in Deutschland hoch gehalten. In der forstwirtschaftlichen Fachwelt würdigt man von Sierstorpff als Wegbereiter der modernen Nachhaltigkeit. Sein von 1796 stammendes Buch "Über die forstmäßige Erziehung, Erhaltung und Benutzung der vorzüglichsten inländischen Holzarten" gilt bis heute als ein anerkanntes Standardwerk. Es kommt auch nicht von Ungefähr, dass Caspar-Heinrich von Sierstorpff, der bis dato nur ein kleiner Baron war, wenige Jahre vor seinem Tod vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. in den Grafenstand erhoben wurde. "Er hat in seiner Zeit wirklich Herausragendes geleistet und es ist schön, das wir dieses kleine, aber dafür umso authentischeres Zeugnis von ihm besitzen", sagt von Falkenhausen. "Caspar Heinrich ist immer bodenständig geblieben und diese Handschrift ist ein Ansatz, uns zu erklärten, warum er die Dinge so gemacht hat, wie er sie gemacht hat", bringt es Vorwort-Autorin Annabelle Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff auf den Punkt. Den sachlich-authentischen Charakter der Veröffentlichung unterstreicht auch die schlichte Titelgebung: "Caspar Heinrich Freiherr von Sierstorpff beschreibt sein Leben" ist das Buch überschrieben worden. "Seine Maximen sind bis heute der Maßstab unseres Handelns und haben sich als die Quelle aller Werte in unserem Unternehmensleitbild manifestiert", betont Nachfolger Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff. Caspar Heinrich wurde 1750 in Hildesheim geboren. Er studierte in Erfurt und Leipzig und trat 1783 in die Dienste des Herzogs von Braunschweig-Wolfenbüttel. Ein Jahr zuvor hatte er bereits 1782 ein Quellenareal in Bad Driburg erworben. Als staatlicher Forstbeamter hatte er die Generalaufsicht über das Forst- und Jagdwesen im Fürstentum. Gleichzeitig baute er das Quellgebiet in Bad Driburg zu einem Heilbad aus, zu dem auch arme Bevölkerungsschichten Zugang hatten.

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