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Bad Driburg/Paderborn Mit dem Messer dreimal zugestochen

Bad Driburger steht vor dem Schwurgericht

von jutta steinmetz
29.10.2014 | Stand 28.10.2014, 20:31 Uhr

Bad Driburg/Paderborn. Der 23-jährige Rachid H. (Name geändert) hat nur einen Wunsch: "Ich will in Deutschland bleiben." Die Voraussetzungen dafür, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht, sind denkbar schlecht. Der Marokkaner, der in Bad Driburg gemeldet ist, muss sich nämlich seit gestern vor dem Paderborner Schwurgericht verantworten. Er soll unter anderem versucht haben, einen Mann zu töten.

Als Rachid H. vor einigen Jahren seine Heimat verließ, wollte er die Armut hinter sich lassen. Schon als kleiner Junge musste er als Straßenverkäufer arbeiten. Später versuchte er, ebenso wie sein Vater, sein Glück als Maurer auf dem Bau - vergeblich.

In Deutschland Arbeit zu finden, das schien ihm der Ausweg zu sein, erwies sich aber als Trugschluss. Rachid H.s Asylantrag blieb erfolglos, er erhielt nur die Duldung. Seit zwei Jahren lebt der 23-Jährige, der in Bad Driburg gemeldet ist, nun schon in einer Paderborner Asylbewerber-Unterkunft.

Dort kam es am 29. April zu einem folgenschweren Vorfall. An diesem Tag nämlich attackierte Rachid H. nach dem Genuss von reichlich Alkohol einen anderen Bewohner des Asylbewerberheims mit einem Messer. "Ich wollte ihn nicht umbringen", beteuerte der 23-Jährige vor Gericht, gestand aber ein, dreimal auf den Oberschenkel seines Opfers eingestochen zu haben. "Er hat mein Leben zerstört", sagte der Angeklagte und berichtete, dass er in der Nacht zuvor von diesem vergewaltigt worden sei. Eine Einlassung, die das Gericht mit einem gewissen Erstaunen vernahm. Denn von solchen Sachverhalten war den Polizisten, die kurz nach dem Vorfall am Tatort eintrafen und ermittelten, nichts berichtet worden. Zudem hatte das Opfer den Beamten gesagt, dass Rachid H. die Stiche gezielt gegen seinen Oberkörper ausgeführt habe, er diesen aber ausgewichen sei.

Ob dem wirklich so war, will das Gericht am 13. November klären. Dann sollen auch zwei Männer aussagen, die am gestrigen Verhandlungstag erstmals als mögliche Zeugen benannt wurden. Die beiden sollen die Tat im Paderborner Asylbewerberheim beobachtet haben.

An diesem Verhandlungstag wird sich gleichfalls klären, ob Rachid H. aktiv dabei gewesen war, als ein 32-jähriger Landsmann am frühen Morgen des 13. April auf dem Bolton Wall in Paderborn einen Passanten niederschlug und ihm dessen Mobiltelefon stahl. Das bestreitet der 23-Jährige - im Gegensatz zu zwei Ladendiebstählen, die er zugegeben hat - nämlich vehement.

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