VLOTHO Simon Niemann inszeniert "Peer Gynt" in der Kulturfabrik

Drei Aufführungstermine / Regisseur will mit Publikum in Dialog treten

VON GISELA SCHWARZE

Vlotho (G.S.). Wie eigener Nichtsnutz zu Heldenhaftigkeit glorifiziert wird, wie Lügengeschichten das Leben erleichtern und wie ein Mensch einer Zwiebel gleicht, ist in drei Aufführungen in der Kulturfabrik zu sehen. Regisseur Simon Niemann wagte sich an eine eigene Version von "Peer Gynt".

Der junge Mann inszeniert "Peer Gynt". Es gibt drei Aufführungstermine in der Kulturfabrik Vlotho. - © FOTO: SCHWARZE
Der junge Mann inszeniert "Peer Gynt". Es gibt drei Aufführungstermine in der Kulturfabrik Vlotho. | © FOTO: SCHWARZE

Bekannt ist das Stück durch den Dramatiker Henrik Ibsen, doch der liefert für Simon Niemanns einstündige Inszenierung lediglich eine thematische Grundlage.

Nach "Mein Hamlet" gelang dem Exteraner die zweite freie Regiearbeit, die er nun in der Kulturfabrik auf die Bühnenbretter bringt. Diesmal nimmt er außer eigener Kreativität zusätzlich die Mithilfe durch Sarah Bollmanns Regieassistenz in Anspruch.

Ein Workshop im Februar dieses Jahres lieferte Simon Niemann die geeigneten Schauspieler für sein dramaturgisches Vorhaben. Damals betrieben 18 Leute bei ihm intensive Theaterarbeit, sodass er auswählen konnte, wer als Laiendarsteller für die bereits ins Auge gefasste Inszenierung von "Peer Gynt" geeignet sein könnte.

Wieder mit dabei ist der "Mein Hamlet"-Darsteller Jonte Volkmann aus Minden, der nun den Peer Gynt spielt. Von der Porta-Bühne sicherte sich Simon Niemann für den etwas anderen Peer Gynt die Laienschauspieler Katharina Weisswange und Niklas Schröder. Mitwirkende Talente aus der Weserstadt sind Nele Buchholz, Kelly Andres und Henrik Schnülle.



Die von Henrik Ibsen geschriebene dramatische Handlung ist allerhöchstens im ersten Akt mit dem Original als passagenweise identisch zu bezeichnen. Die Handlung entfernt sich durch individuellen Umgang durch Sprache und Handlung in den folgenden Akten immer mehr von der Vorlage. "Seine Geschichte ist unsere Geschichte, seine Lieblosigkeit ist unsere Lieblosigkeit", identifizieren sich der Regisseur und sein Künstlerteam mit Worten der Schriftstellerin Marie Luise Kaschnitz.

Original- und Fremdtexte verschmelzen zu einer Einheit, als Peer Gynt Liebe und Abenteuer in einer Welt von Trollen und Dämonen findet und in der Solvejg ihn anfangs nicht erhört, sich aber später doch für ihn entscheidet

Nach einem Zeitsprung von 30 Jahren findet sich Peer Gynt als reich gewordener Sklavenhändler in Marokko wieder. Als er schließlich verarmt in die Heimat zurückkehrt, überwindet Solvejg schließlich die lange Trennung. Peer Gynts eindrucksvoller Vergleich mit einer Zwiebel, die viele Hüllen, aber keinen Kern besitzt, bildet eine ganz wichtige Passage der Inszenierung.

"Mit geht es darum, Bilder, Text, Licht, Musik und Atmosphäre des Werks zu transportieren", so der Regisseur. Er möchte das Publikum in Peer Gynts Selbstfindungsprozesse mit einbeziehen: "Sehr viel liegt mir daran, nach der Aufführung mit den Besuchern zu sprechen, ihre Fragen zu beantworten und Anregungen aufzunehmen", plant er für den Ausklang der Veranstaltungen. Zukünftig möchte er den Vlothoern jedes Jahr eine tiefgründige Inszenierung als Veranstaltung schenken.

Simon Niemanns Dank gilt seinen Sponsoren, der Sparkasse Herford, dem Unternehmen Friwa Küchen, der Volksbank Bad Oeynhausen-Herford, dem Druck- und Medienzentrum Kreiseweiß sowie dem heimischen Kultur- und Verschönerungsverein. Eintrittskarten sind zu reservieren unter simon-exter@gmx.de.

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