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Gegen Rassismus: Die elftklässlerinnen des Weser-Gymnasium-Vlotho Monique Berges (v.l.), Kiana Döhr und Merle Kranz lassen die siebte Stunde ausfallen, um gegen die Rechtsextremen zu demonstrieren. Sie wollen für ihre Schule als "Schule für Courage" zertifizieren lassen. - © Anastasia von Fugler
Gegen Rassismus: Die elftklässlerinnen des Weser-Gymnasium-Vlotho Monique Berges (v.l.), Kiana Döhr und Merle Kranz lassen die siebte Stunde ausfallen, um gegen die Rechtsextremen zu demonstrieren. Sie wollen für ihre Schule als "Schule für Courage" zertifizieren lassen. | © Anastasia von Fugler

Kreis Herford/Vlotho Vlothoer demonstrieren gegen rechts

Wahlkampfveranstaltung: Die Partei „Die Rechte“ wirbt für ihre Spitzenkandidatin Ursula Haverbeck. Die Vlothoer Bürger halten dagegen

Anastasia von Fugler
21.05.2019 | Stand 22.05.2019, 08:50 Uhr

Kreis Herford/Vlotho. Der Sommerfelderplatz – sonst ein Ort der Begegnung – wurde am Dienstag zum Schauplatz wilder Beschimpfungen und Hetztiraden. Zwischen dem Ärztezentrum und der Polizeiwache Vlotho trafen sechs Rechtsextreme auf etwa 150 Gegendemonstranten. Lediglich vier Polizisten und eine kniehohe Hecke standen zwischen den beiden Parteien. Die Partei „Die Rechte" hatte die Wahlkampfveranstaltung als Mahnwache angekündigt und das Bündnis gegen das Collegium Humanum in der Zeit von 13 Uhr bis 14 Uhr zu einer Gegenveranstaltung aufgerufen. Die Wahlkampfveranstaltung war für die EU-Kandidatin Ursula Haverbeck, die als ehemalige Leiterin des rechtsextremen Collegium Humanums und verurteilte Holocaust-Leugnerin eine Haftstrafe verbüßt. 150 Demonstranten stelllen sich gegen Rechtsextremisten Es wurden bis zu 50 Gegendemonstranten erwartet – gekommen waren 150. Der ehemalige Sprecher des Bündnises Dr. Zbigniew Wilkiewicz zeigte sich bestürzt: „Es ist eine Schande, dass die Rechtsextremen derart öffentlich propagieren dürfen. Noch nicht einmal die Nazis zu der Zeit des Collegium Humanums trauten sich mit Sprüchen wie „Israel ist unser Unglück" oder „Wir hängen nicht nur Plakate" auf die Straße zu gehen." Auch weitere Teilnehmer gaben zu verstehen, wie fassungslos sie seien, dass eine solche Volksverhetzung überhaupt zu Stande kommen konnte. „Das sind ja schon Drohungen", sagte Gerhard Sattler, der extra den Weg aus Bünde auf sich genommen hatte. Auch Schüler des Weser-Gymnasiums nahmen teil Das Vlothoer Bündnis gegen das Collegium Humanum hatte sich 2005 aus etwa vierzig Vlothoer Initiativen, Parteien, Kirchengemeinden, Vereine, Bildungsstätten, Schulen und der Stadt Vlotho gebildet – mit dem einzigen Ziel: die rechtsextreme „Bildungsstätte" aufzulösen. Im Mai 2008 erwirkten sie die Schließung. Das Bündnis besteht seitdem weiterhin, wird jedoch nur aktiv, wenn neonazistische Aktivitäten in der Region vermeldet werden. Überraschend zur Demo kamen etwa 100 Schüler der Q1 des Weser-Gymnasium-Vlothos. Schulleiter Guido Höltke betonte, dass die Schule einerseits ihre politische Neutralität wahren sollte, andererseits müssten aber auch die Schüler die Möglichkeitkeit haben, ein Zeichen zu setzen und an so einer Aktion teilnehmen dürfen. Die siebte Stunde fiel somit aus. Die Idee zur Demo zu gehen, kam von Kiana Döhr. Die Schülerin der Jahrgangsstufe 11 setzt sich dafür ein, ihre Schule zu einer Schule gegen Rassismus machen: „Wir stehen nicht für rechts oder für links. Wir kämpfen für die Liebe unter den Menschen. Das ist das, was wichtig ist." Die Initiative „Schule gegen Rassismus-Schule mit Courage" wurde 1995 von Schülern und deren Unterschriften gegründet und hat seither über 2500 weitere Schulen inspiriert. Jede Schule kann dem Netzwerk beitreten, wenn sie folgende Voraussetzungen erfüllt: Mindestens 70 Prozent aller Menschen, die in einer Schule lernen und arbeiten, verpflichten sich mit ihrer Unterschrift, aktiv gegen jede Form von Diskriminierung an ihrer Schule einzutreten, bei Konflikten einzugreifen und regelmäßig Projekte und Aktionen zum Thema durchzuführen.

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