Erst Spucke, dann Prügel: Ein Streit zweier Bewohnern eines Asylbewerberheims in Vlotho landete vorm Amtsgericht Bad Oeynhausen. - © Verwendung weltweit
Erst Spucke, dann Prügel: Ein Streit zweier Bewohnern eines Asylbewerberheims in Vlotho landete vorm Amtsgericht Bad Oeynhausen. | © Verwendung weltweit

Vlotho Erst Spucke, dann Prügel: Streit unter Flüchtlingen eskaliert in Vlotho

Der handfeste Streit zwischen einem Iraker und einem Pakistani wurde jetzt am Bad Oeynhausener Amtsgericht verhandelt. Ein Schlüsselbund spielt dabei eine wichtige Rolle.

Im Supersommer 2018 saß ein Mann im Grünen und spuckte vor das Asylbewerberheim in Vlotho. Angeblich rein zufällig traf er dabei einen anderen Mann mitten im Gesicht. Diese Geschichte tischte der Vlothoer am Dienstag dem Strafrichter im Amtsgericht Bad Oeynhausen auf. Dort war jedoch nicht der Spucker angeklagt, sondern der Bespuckte. Wenig später spürte der Spucker nämlich eine Faust in seinem Gesicht. Der Bespuckte hatte zugeschlagen und dabei sein Schlüsselbund zur Hilfe genommen. So sieht das jedenfalls die Staatsanwaltschaft Bielefeld und den 32-jährigen Mann aus Bagdad im Irak deshalb wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Das Schlüsselbund galt strafverschärfend als gefährliches Werkzeug. Der richtige Übersetzer erst im zweiten Anlauf verfügbar Der Streit war am 26. Juli 2018 unter zwei Bewohnern des Asylbewerberheims eskaliert. Der Grund dafür blieb unklar, offenbar gab es aber schon auf der Arbeit in einem Paketlager eine Meinungsverschiedenheit. Die Zeugenbefragung gestaltete sich schwierig, weil der Angeklagte Arabisch und der Zeuge Urdu sprach, eine Amtssprache Pakistans. Das Gericht fand erst im zweiten Anlauf den richtigen Übersetzer für den Zeugen. Beim zweiten Termin fragte der Richter dann den Zeugen, warum er denn gespuckt habe und der Urdu-Dolmetscher übersetzte die Aussage des Zeugen: "Ich hatte ein Jucken im Hals." Erst nach einigen weiteren Fragen des Verteidigers rückte der Zeuge mit der Vorgeschichte heraus. Der Angeklagte dagegen beschrieb sich als Opfer: Der Spucker sei ihm damals ins Haus gefolgt und habe ihn in der Küche angegriffen. Er sei nicht besonders schnell, weil er nur noch einen Lungenflügel habe. Zwei Mitbewohner hätten aber die Streithähne voneinander getrennt. Dabei wurde die Kücheneinrichtung durcheinandergewirbelt. Der Richter ballt die Faust - zu Anschauungszwecken Die einzige dokumentierte Verletzung hatte der Zeuge und zwar oberhalb der linken Augenbraue. Die Frage war allerdings, wie die Verletzung zustande gekommen war. Der Richter nahm zu Anschauungszwecken sein eigenes Schlüsselbund zur Hilfe und ballte eine Faust. Der Zeuge sollte zeigen, ob die Schlüssel zwischen den Fingern herausguckten und wie ein Schlagring eingesetzt wurden. Der Zeuge zeigte aber nur eine geschlossene Faust - und keine gefährlichen Schlüsselspitzen. Der Richter verurteilte den Angeklagten deshalb wegen einfacher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu 35 Euro (525 Euro). Die Staatsanwältin hatte eine Geldstrafe von 450 Euro gefordert, der Verteidiger Freispruch. Für einen Freispruch sah der Richter keinen Anlass. Es sei völlig unglaubwürdig, begründete er sein Urteil, davon auszugehen, dass der bespuckte Angeklagte nach dieser Provokation einfach weggegangen wäre und sich nicht sofort zur Wehr gesetzt hätte.

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