Die Täter ahnten offenbar nicht, dass das Smartphone so eingestellt war, dass jedes neue Foto relativ schnell in eine sogenannte Cloud geladen wird. - © Pexels (Symboldbild)
Die Täter ahnten offenbar nicht, dass das Smartphone so eingestellt war, dass jedes neue Foto relativ schnell in eine sogenannte Cloud geladen wird. | © Pexels (Symboldbild)

Kreis Herford Fahndung mit Selfie der Täter: Foto stammt aus der Cloud

Die Einstellung am Smartphone zum automatischen Hochladen in die Cloud lieferte es den bestohlenen Vlothoern frei Haus

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Kreis Herford. Zu einem Einbruch in ein Einfamilienhaus in Vlotho lieferten die mutmaßlichen Täter selbst das gestochen scharfe Fahndungsfoto. Es zeigt einen bärtigen, relativ jungen Mann auf dem Rücksitz eines Familien-Van und eine Frau, die eine Hand auf seine Schulter legt. Am Mittwoch und Donnerstag haben es die Medien veröffentlicht. Dem war ein richterlicher Beschluss vorausgegangen, der erst dann gefasst wird, wenn andere polizeiliche Ermittlungen nicht zum Ziel geführt haben. Auch Kleinkriminelle haben das Recht am eigenen Bild. „Wir haben daraufhin schon etliche Hinweise erhalten, denen wir nachgehen, und von denen wir uns einen Ermittlungsansatz erhoffen", sagt Polizeisprecher Steven Haydon. Haben die Beamten Erfolg, wird das Fahndungsfoto von der Homepage der Polizei genommen. Das ist noch nicht geschehen. Eine Stunde nach der Tat tauchten zwei Fotos auf Am 14. Juni waren die Täter tagsüber an der Straße „Auf der Brede" in Abwesenheit der Bewohner in ein Einfamilienhaus eingebrochen und hatten neben Bargeld und einer Uhr ein Mobiltelefon mitgenommen. Schon eine Stunde nach der Tat hatte der Sohn der betroffenen Familie zwei Fotos der mutmaßlichen Täter auf seinen Computer geladen. Wie war das möglich? Die meisten Smartphones sind von ihren Eigentümern mit einem Zahlencode vor unbefugter Benutzung geschützt. Die Kamerafunktion kann oft ohne den Code aufgerufen und benutzt werden. So konnte das Täterpaar nach der Tat ein Selbstportrait – neudeutsch Selfie – schießen. „Sichtlich zufrieden mit dem Diebesgut", deutet die Polizei den Gesichtsausdruck. Die Täter wussten von der Einstellung offenbar nichts Was die Täter offenbar nicht ahnten: Das Smartphone war so eingestellt, dass jedes neue Foto relativ schnell in eine sogenannte Cloud – einen Speicherplatz im Internet – geladen wird. Der registrierte Nutzer dieses Speicherplatzes in der Datenwolke kann die Fotos auch von anderen Endgeräten wie Laptop oder Tablet abrufen – er muss sich nur mit seinem Kennwort identifizieren. Ein Vorteil: Fotos oder Daten bleiben erhalten, wenn das Smartphone verloren geht oder defekt ist. Der Nachteil: Nicht jeder hat Vertrauen in die Sicherheit der Cloud. Besitzt man zum Beispiel ein I-Phone, landet das Foto bei entsprechender Einstellung in der Apple-Cloud. Kai Lamker vom Herforder Apple-Store erklärt, wie es geht. In den Einstellungen unter Fotos die „iCloud-Fotomediathek" auf Grün stellen. Klickt man noch „Mobile Daten" an, lädt das I-Phone die Fotos auch dann hoch, wenn keine W-lan-Verbindung besteht – gegebenenfalls auf Kosten der Mobilfunkrechnung. Das wird hier der Fall gewesen sein. Kai Lamker meint, dass ein gestohlenes Smartphone keinen Wert hat, sofern es mit einem Zahlencode gesichert ist, der nicht so einfach ist wie etwa 123456. Ist die „I-Phone-Suche" eingeschaltet, kann der Standort eines verlorenen, nicht abgeschalteten Gerätes ermittelt werden – das führte unlängst in Bielefeld zu einem Dieb. Sinnvoll ist auch, ein verlorenes Gerät zu sperren.

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