Eigentlich hatte der Angeklagte nur seinen Geburtstag feiern wollen. Doch das lief vollkommen aus dem Ruder... - © dpa
Eigentlich hatte der Angeklagte nur seinen Geburtstag feiern wollen. Doch das lief vollkommen aus dem Ruder... | © dpa

Kreis Herford Nachbarschaftsstreit eskaliert - Anklage wegen Körperverletzung

Erst verbissen sich die Hunde, dann prügelten sich die Halter

Ulf Hanke

Kreis Herford. Eigentlich wollte der Angeklagte bloß in Frieden seinen Geburtstag nachfeiern. Der 43-jährige Vlothoer war wochenlang im Ausland unterwegs, seine Frau hatte aber ziemlich genau vor einem Jahr, am Samstag, 26. August 2017, Freunde und Bekannte zu einer Überraschungsparty eingeladen. Nach ein paar Bierchen ging das Geburtstagskind kurz mit dem Hund Gassi, wenig später umzingelten Polizisten sein Wohnhaus. „Völlig grundlos", sagte der Angeklagte. Die Party und ihre Folgen versucht nun das Amtsgericht Bad Oeynhausen aufzuklären. Nach dem Gassigehen lag nämlich der ebenfalls 43-jährige Nachbar des Angeklagten mit gebrochener Nase, gebrochener Rippe und Verletzungen im Bauchraum im Rettungswagen. Außerdem klagte der 71-jährige Schwiegervater seines Nachbarn über Schürfwunden am Arm. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat Anklage wegen gemeinschaftlicher, vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung sowie Beleidigung gegen den 43-jährigen Vlothoer erhoben. Offenbar war ein lange schwelender Nachbarschaftsstreit förmlich explodiert. Erst waren die Hunde der beiden Männer aufeinander losgegangen, dann die Halter. Und irgendwie beteiligte sich auch noch der 71-jährige Schwiegervater mit einem Gartenrechen. Einen Tag später beleidigten sich die Nachbarn aufs Unflätigste. "Die halten sich für was besseres" Der Angeklagte wies die Vorwürfe zurück. Zwar bestätigte er die Bisse der Hunde, den Streit mit seinem Nachbarn („er hat meine Frau angebaggert") und den Sturz von dessen Schwiegervater. Letzterer habe ihn jedoch mit dem Rechen angegriffen und er habe den Schlag nur abgewehrt. Dabei sei der alte Herr rückwärts gestürzt. Auf die Frage des Richters, wie denn das Verhältnis zu seinem Nachbarn grundsätzlich sei, antwortete der in Leipzig geborene 43-Jährige: „Wir kommen aus dem Osten und die halten sich für was Besseres." Sein Nachbar, dem Nase und Rippe an diesem Abend gebrochen wurden, saß als Nebenkläger im Saal. Als Zeuge bestätigte er das schlechte zwischenmenschliche Verhältnis, nannte aber einen anderen Grund: „Seine Ehefrau hat mir nachgestellt." Angeblich habe sie sogar seinen Kindern erzählt, dass sie bald deren neue Mutter werde. Zwei Polizisten bemerken aggressive Grundstimmung Trotz einer sechsstündigen Mammutverhandlung und den Aussagen von elf Zeugen in dem schlecht belüfteten, zunehmend stickigen Gerichtssaal blieb unklar, wer im August 2017 den Nachbarn verprügelt hatte. Sechs Zeugen aus der Familie des Geschädigten belasteten den Angeklagten, hatten aber nicht alle Schläge mit eigenen Augen gesehen. Drei Zeugen aus der Familie des Angeklagten dagegen stützten dessen Unschuld und beschuldigten dagegen einen anderen Mann. Zwei Polizisten bemerkten am Abend des Streits eine „aggressive Grundstimmung" bei dem Angeklagten und riefen Verstärkung, weil der Mann im Haus verschwunden war und nicht freiwillig wieder heraus kam. Der diensthabende Haftrichter ließ jedoch keine Hausdurchsuchung zu und so mussten die Polizisten vor der Tür warten. Als mehrere Beamte das Haus umstellten, kam der 43-jährige Vlothoer doch noch freiwillig heraus und pustete ins Röhrchen. Die Beamten nahmen seine Personalien auf und stellten 1,44 Promille Alkohol im Blut fest. Der Vlothoer rief dabei allerdings zu einem Gast ins Haus, er solle nach hinten heraus verschwinden. Dieser unbekannte Gast ist dem Gericht inzwischen bekannt, er sagte als letzter Zeuge aus und unterstützte die Unschuld des Anklagten. Er sei in den Streit hineingezogen und vom Nachbarn angegriffen worden, behauptete er. Mit der flachen Hand habe er ihn deshalb aufs Ohr geschlagen. Weil davon aber weder eine Nase, noch eine Rippe bricht, soll der Prozess am 4. September mit weiteren Zeugen fortgesetzt werden.

realisiert durch evolver group