Der Landwirt: Lothar Warner baut mit zwei Mitarbeitern das Gemüse an, das die Mitglieder der Solidarischen Landwirtschaft Vlotho an seinem Hof abholen können. - © Ralf Bittner
Der Landwirt: Lothar Warner baut mit zwei Mitarbeitern das Gemüse an, das die Mitglieder der Solidarischen Landwirtschaft Vlotho an seinem Hof abholen können. | © Ralf Bittner

Vlotho/ Kreis Herford Solidarische Landwirtschaft in Vlotho

Nachhaltig, regional, fair und ökologisch sind die Kernideen eines Modells, das dem Erhalt kleinbäuerlicher Betriebe dient und Produzenten und Konsumenten zueinander bringt

Ralf Bittner

Kreis Herford. Kartoffeln, Porree, Möhren, Rote Beete, Salat, Lauchzwiebeln, Petersilie, Mirabellen und Mangold gibt es in dieser Woche bei der wöchentliche Ausgabe der „Solidarischen Landwirtschaft" Vlotho. „Die Menge pro Einheit ist für eine Kleinfamilie mit Kind kalkuliert", sagt Landwirtschaftsmeister und Lothar Warner. Der Biobauer, der mit der kleinbäuerlichen Landwirtschaft aufgewachsen ist, bewirtschaftet rund 5 Hektar Land. Auf einem Hektar baut er Gemüse an, der Rest sind Streuobstwiesen und Wiesen, die die Biomasse zum Mulchen der bewirtschafteten Fläche liefern. Anders als bei anderen Betrieben geht seine Ernte nicht auf den Markt oder zum Grossisten, sondern an die Mitglieder der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) Vlotho. „Die Idee dahinter ist ganz einfach", sagt der 66-Jährige: „Eine Gruppe von Menschen um einen Bauern oder Gärtner tut sich zusammen und zahlt dem Bauern einen festen monatlichen Betrag und wird dafür mit den Produkten des Hofes versorgt." Die Solawi Vlotho ist in ihrem fünften Jahr Bei der jährlichen „Bieterrunde", einer Art Jahreshauptversammlung, wird gemeinsam festgelegt, was für wie viele Mitglieder angebaut wird. Rund 55 Mitglieder hat die erste und bisher einzige Solawi im Kreis im 5. Jahr ihres Bestehens. Der Monatsbeitrag für das laufende Jahr beträgt 75 Euro. Geteilt wird nicht nur die Ernte, auch das Risiko. So sehe es wegen der Trockenheit und starkem Befall von Fressfeinden wie Kohlweißling beim Kohl, einem klassischen regionalen Wintergemüse, in diesem Jahr nicht besonders gut aus. Warner steht für die fachliche Kompetenz und führt auch den Betrieb mit zwei weiteren Mitarbeitern, muss manchmal auch „Nein" sagen: „Wassermelonen lassen sich hier einfach nicht anbauen." Die Mitglieder wollen sehen, woher ihr Gemüse kommt Viele Solawi-Mitglieder helfen oft ehrenamtlich. „Fast 30 von uns haben bei der Kartoffelernte geholfen", sagt Solawi-Mitglied Ute Lembke: „Vielen Menschen geht es nicht nur darum, Lebensmittel aus regionalem und ökologischem Anbau zu erhalten, sondern sie wollen auch sehen oder fühlen, wie das Gemüse wächst, einfach ein Gefühl für die Abläufe in der Natur bekommen." Warner plant so, dass es fast das ganz Jahr über Gemüse gibt, nur im April oder Mai gibt es eine Winterpause. Ein Gewächshaus und ein Kühlraum, die beide in Eigenleistung entstehen, sollen helfen, diese Pause zu verkürzen. Kredite aufnehmen will Warner dafür nicht mehr, sondern setzt auf kleine Schritte. Und möglichst wenig Energie soll das kosten, denn er setzt auf einen Kreislauf, in dem möglichst viel von dem was verbraucht wird selbst erwirtschaftet wird. In dem bewirtschafteten Land stecken rund 30 Jahre Arbeit. Auf dem Winterberg an der Bretthorststraße wurde in dieser Zeit von Warner ein Bodenstück renaturiert, Hecken und Streuobstwiesen angelegt. „Ich bin froh, dass ich den Hof damals kaufen konnte", sagt der lange als Landwirt und Gemüsebauer in Bethel tätige Landwirt. Ökologie, bäuerliche Landwirtschaft und Gemeinschaft Neben dem Gemüseanbau geht es ihm auch darum, einen Lebensraum für viele Tier-, Pflanzen-, Insekten- oder Kräuterarten zu erhalten oder zu schaffen. Warner hatte das erste Mal auf einer Tagung vom Konzept Solawi gehört und war sich sofort sicher; „Das will ich machen. Denn in dem Konzept kommen Dinge zusammen, die mir schon immer wichtig waren: kleinteilige bäuerliche Landwirtschaft, ökologischer und nachhaltiger Anbau und eben auch die Gemeinschaft." Der Anbauverband Bioland und Naturschutzverbände wie der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) nähmen sich des Themas Artenvielfalt verstärkt an, sagt er, denn selbst im Biolandbau habe es lange einen Trend weg vom kleinteiligen Anbau hin zu größeren maschinell bearbeitbaren Flächen gegeben. "Die Zukunft der Landwirtschaft liegt in kleinen lokalen von Produzenten" Nach Warners Überzeugung sind die großen Betriebe ein Irrweg: Rechne man Produktion von Düngern und Maschinen, Transportwege und die Mengen an Energie in der moderne Landwirtschaft mit ein, sei die diese längst nicht so effektiv wie sie scheine. „Die Zukunft der Landwirtschaft liegt in kleinen lokalen von Produzenten und Verbrauchern getragenen Initiativen", ist er überzeugt. Die Mitgliedschaft in der Solawi gilt für ein Jahr, Anbau und Beitrag werden für ein Jahr kalkuliert. Um sich mit dem Prinzip vertraut zu machen, kann drei Mal eine Probekiste bestellt werden. Abholung ist freitags von 15 bis 17 Uhr am Hof Bretthorststraße 268, Vlotho. In Porta Westfalica, Rinteln und Herford/Bad Salzuflen gibt es Depots, damit nicht alle auf den Winterberg fahren müssen. www.solawivlotho.de

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